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Sumangali - die unglücklichen Bräute / Ausbeutung in indischen Spinnereien

Geschrieben am 25-11-2013

Bonn/Münster (ots) - Anlässlich des 25. November, dem Tag zur
Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, machen die
Frauenrechtsorganisation FEMNET, die Christliche Initiative Romero
und die Kampagne für Saubere Kleidung auf die Zwangsarbeit in
indischen Spinnereien aufmerksam. Im Rahmen einer von FEMNET
organisierten Vortragsreise halten derzeit zwei Inderinnen, Anita
Cheria (Munnade) und Maheshwari Murugan (READ) in zehn Städten
Deutschlands und an acht Mode-Hochschulen vom 18.11. bis 2.12.2013
Vorträge.

Ausbeutung in indischen Spinnereien und Nähfabriken

Über 45 Millionen Menschen arbeiten in der indischen
Textilindustrie, Indien ist der größte Garn-Exporteur weltweit. Und
obwohl der Wirtschaftszweig für das Land von enormer Bedeutung ist,
verdienen die Textilarbeiter/-innen zu wenig, um ihre Familien zu
ernähren. Die Arbeitsbedingungen sind oft unmenschlich. Es existieren
Arbeitsschutzgesetze, aber diese werden in der Praxis selten
umgesetzt.

"Sumangali" - eine besonders schlimme Art der Zwangsarbeit

Eine besonders perfide Art der Zwangsarbeit verbirgt sich hinter
dem Sumangali-System, das in den Spinnereien Tamil Nadus praktiziert
wird. Unter dem "Sumangali"-System leiden rund 200.000 Mädchen
zwischen 14 und 17 Jahren aus armen Familien. Versprochen wird ihnen
eine größere Geldsumme nach Beendigung einer drei- bis vierjährigen
Arbeitszeit. Diese Summe soll zur Mitgift dienen und die Mädchen zu
einer Sumangali, einer glücklichen Braut, machen. Gisela Burckhardt,
FEMNET, kritisiert: "In Wahrheit schuften die jungen Frauen bis zu 12
Stunden und länger, werden häufig in den besonders anstrengenden
Nachtschichten eingesetzt und sind eingesperrt in Unterkünften der
Spinnerei ohne Ausgangsmöglichkeiten. Mangelnde Sicherheitsmaßnahmen,
minderwertige Mahlzeiten, verbale und sexuelle Belästigungen durch
die Vorgesetzten, Krankheiten durch Baumwollstaub und Hitze und eine
schlechte Bezahlung, die weit unter dem gesetzlich geregelten
Mindestlohn liegt: All das gehört zum unerträglichen Alltag der
Sumangali-Mädchen. Auch die versprochene Pauschalsumme am Ende der
Beschäftigung wird oft nicht gezahlt."

"Doch selbst die gesetzlich festgelegten Mindestlöhne reichen in
aller Regel und quer durch alle Produktionsländer nicht aus, den
Grundbedarf zu sichern. In Wirklichkeit handelt es sich um
Hungerlöhne, die zu einem Leben in Armut verdammen - trotz
Vollzeitbeschäftigung. Um hier für Abhilfe zu sorgen, müssen auch die
Auftraggeber - von A wie Adidas bis Z wie Zara - ihre Abnahmepreise
deutlich erhöhen", so Maik Pflaum von der Christlichen Initiative
Romero.

Deutsche Unternehmen tragen eine Mitschuld an der Sklavenarbeit
der jungen Frauen

In einer von FEMNET in Auftrag gegebenen Recherche in Tamil Nadu
wurde festgestellt, dass die Otto-Gruppe und Ernsting's Family von
zwei Nähfabriken Waren beziehen, die ihr Garn aus der gleichen
Spinnerei erhalten, in der junge Frauen unter dem Sumangali-System
arbeiten. In dieser Spinnerei starb Anfang 2013 eine junge Frau nach
4 ½ Jahren Schufterei. Eine andere Frau, Sathya, 20 Jahre, kündigte
nach einem Jahr, weil sie die Plackerei nicht mehr aushielt und
erhielt bis heute keine Endzahlung. Wieder andere Frauen berichten
von sexuellen Belästigungen bis zum Missbrauch in der Spinnerei. Otto
und Ernsting's Family, die hier stellvertretend für viele andere
Unternehmen stehen, sind Mitglied der Unternehmensinitiative BSCI,
die auf ihrer Webseite das Sumangali System verharmlost und es als
kulturelles Phänomen Indiens abtut. Gisela Burckhardt meint dagegen:
"Unsere Partner in Indien und wir halten das Sumangali System für
einen Tatbestand der Zwangsarbeit, das gemäß ILO-Übereinkommen 29
Artikel 2 verboten werden muss."

Die Termine und den Veranstaltungsort in jeder Stadt - u.a. in
Hamburg eine Veranstaltung mit einem Vertreter von BSCI - sowie
weitere Informationen und Fotos finden Sie hier:
http://www.femnet-ev.de/sumangali-rundreise.

FEMNET e.V. ist eine gemeinnützige Frauenrechtsvereinigung. Sie
setzt sich für die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte
von Frauen ein, insbesondere gegen die Ausbeutung von Frauen in der
globalen Bekleidungsindustrie. FEMNET ist Mitglied der Kampagne für
Saubere Kleidung.

Die Christliche Initiative Romero (CIR) ist eine
entwicklungspolitische Nicht-Regierungsorganisation, die sich seit
1981 für Arbeits- und Menschenrechte einsetzt. Schwerpunkt ihrer
Arbeit ist die Unterstützung von Basisbewegungen und Organisationen
in Nicaragua, El Salvador und Guatemala sowie die Kampagnen- und
Bildungsarbeit in Deutschland. Die Christliche Initiative Romero ist
Mitglied der Kampagne für Saubere Kleidung.



Pressekontakt:
Interviewanmeldungen bei Janina Hotze, Email rundreise@femnet-ev.de
oder Telefon 0176/53616420.

Inhaltliche Nachfragen bei Gisela Burckhardt: 01520 - 177 40 80 und
Maik Pflaum: 0911 - 214 2345


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