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Allg. Zeitung Mainz: Becks Retourkutsche (Kommentar zu Autobiografie)

Geschrieben am 22-09-2008

Mainz (ots) - Memoiren von Spitzenpolitikern dienen gemeinhin zwei
Zwecken: Erstens sollen sie sich verkaufen, zweitens die Dinge
nachträglich "ins rechte Licht" rücken. Insofern verwundern die vorab
veröffentlichten Sticheleien des Ex-SPD-Bundeschefs Kurt Beck in
seiner Autobiografie gegen seinen designierten Nachfolger Franz
Müntefering nicht. Der Pfälzer hätte jedoch gut daran getan, wenn er
seine Wut nach dem vermeintlichen Putsch heruntergeschluckt hätte.
Denn die Passagen in seinem Buch, die er nachträglich eingefügt
hat,vermitteln den Eindruck, dass da einer nachtritt, weil er sich
tief beleidigt fühlt. Es riecht nach Rache. Doch es wäre auch anders
gegangen: Beck hätte die Chance zur kritischen Selbstanalyse gehabt.
Zwar räumt er seinen entscheidenden Fehler ein, noch vor der
Hamburg-Wahl eine Öffnung der SPD zur Linken in den westlichen
Landtagen ins Spiel gebracht zu haben. Doch der Rest ist
Selbstgerechtigkeit. Er sei es gewesen, der Brücken habe bauen
wollen, der um ein eigenständigeres Profil der SPD bemüht gewesen sei
und der seiner Partei neue Perspektiven habe verschaffen wollen,
schreibt der 59-Jährige. Nicht Getriebener, sondern Treibender sei er
gewesen. Beck sieht sich "näher an den Realitäten des Lebens" als
manch anderer Genosse. Ein Mann, der die in Flügelkämpfen verstrickte
Partei versöhnen wollte, ohne sich zu verbiegen, aber von bösen
Machenschaften daran gehindert wurde - so lautet die Legende. Doch
damit macht es sich der Autor zu einfach. Beck hat versucht, die
Berliner Realität auszublenden, die sicherlich aufgeregter,
überhitzter und auch verlogener als die rheinland-pfälzische ist.
Doch wer die Spielregeln der Berliner Mediendemokratie nicht
akzeptiert, wird daran scheitern - und das hat nichts mit
Provinzialismus zu tun. Auch davon hätte Becks Buch handeln können.

Originaltext: Allgemeine Zeitung Mainz
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/65597
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_65597.rss2

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Christin Wiens
Telefon: +49-(0)6131/48-5987
Fax: +49-(0)6131/48-5868
crossmedia@vrm.de


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