(Registrieren)

WAZ: Wenn Schwarz-Gelb nicht kommt - Das Spiel mit Jamaika - Leitartikel von Ulrich Reitz

Geschrieben am 01-09-2009

Essen (ots) - Was haben Jürgen Rüttgers und Jürgen Trittin
gemeinsam, abgesehen vom Vornamen? Während am Tag nach der Wahl die
üblichen Verdächtigen die gewohnt einfallslosen Interpretationen
darboten, ließen sich der schwarze und der grüne Jürgen etwas Neues
einfallen: Sie spielten, noch vorsichtig tastend, aber doch deutlich,
mit einer neuen Bündnisoption, der schwarzen Ampel aus Union, FDP und
Grünen.

Es ist auf den ersten Blick leicht zu erklären, warum diese
Konstellation keine Chance hat. Scheinbar soll hier zusammenfinden,
was nicht zusammen gehört. Niemand ist sich so spinnefeind wie die
Liberalen und die Grünen. Außerdem gibt es an der berüchtigten grünen
Basis einen ausgeprägt antibürgerlichen Reflex. Andererseits sind der
grüne und der schwarze Jürgen keine Spinner, sondern ausgebuffte
Manager der Macht. Und wenn irgendjemand den Grünen eine andere
Richtung weisen kann als Rot-Rot-Grün, dann wohl Trittin, der
Bannerträger des linken Flügels.

Von Trittins Parteifreund Arndt Klocke, dem Chef der Grünen in
NRW, stammt ein dazu passendes, ernüchterndes Zitat: "Von der
Kommunalwahl geht kein Signal für Rot-Grün aus." In der Tat: Die SPD
verlor am Super-Sonntag 2,3 Prozent, die Grünen gewannen 1,7 Prozent
dazu. Ein Aufbruchsignal Richtung Landtagswahl im Mai sieht anders
aus. Und da ist noch das Saarland. Sicher ist dort, Stand gestern,
Rot-Rot-Grün die wahrscheinlichere Variante. Aber eine schwarze Ampel
wäre möglich. Ministerpräsident Peter Müller steht auf dem linken
CDU-Flügel, wäre anders als etwa ein Roland Koch in Hessen, auch
persönlich kein Hindernis für eine derartige Konstellation.

Sozio-Demografisches kommt dazu: Die Wähler der Grünen sind
bürgerlich. Die Grünen sind die Partei der Besserverdienenden. Den
Unterschied zwischen denjenigen, die sich für die Liberalen und
anderen, die sich für die Grünen entscheiden, hat Claudia Roth
treffend so beschrieben: "Bei uns macht der Apotheker
Friedensarbeit." Jenseits taktischer Überlegungen: Rüttgers wie
Trittin wissen, dass Rot-Grün und Schwarz-Gelb etwas Gestriges
anhaftet. Es sind Konstellationen, die die Phantasie der Menschen
wenig bewegen. Jamaika. Das klingt nach Sommer, Sonne, Usain Bolt.

Am Ende müssten sich alle entscheiden: Die CDU, ob sie den
Merkel/von der Leyen-Weg der inneren Modernisierung weiter geht, die
Grünen, ob sie ihren bürgerlichen Wählern in eine schwarze Ampel
folgen und die FDP, ob sie mit den grünen Erzfeinden teilen will.
Weshalb aber eine rote Ampel, für den SPD-Kanzlerkandidaten
Frank-Walter Steinmeier die einzige Kanzleroption, funktionieren
soll, eine schwarze Ampel hingegen nicht, mag verstehen, wer will.

Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/55903
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_55903.rss2

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

222269

weitere Artikel:
  • Märkische Oderzeitung: Die Märkische Oderzeitung Frankfurt (Oder) kommentiert die gespannten polnisch-russischen Beziehungen aus Anlass des 70. Jahrestags des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs: Frankfurt/Oder (ots) - Donald Tusk fährt einen pragmatischen Kurs, ohne die Differenzen zu verkleistern. Putins Anwesenheit bei der Gedenkfeier auf der Westerplatte und die bekundete Bereitschaft, die Vergangenheit mit der Öffnung der Archive vorbehaltlos aufzuarbeiten, verdeutlicht Bewegung auch auf russischer Seite. Das wird zu keiner schnellen Entspannung führen, aber Möglichkeiten für ein normales Miteinander eröffnen. Es geht dabei nicht allein um Polen und Russland, sondern um die Integrationsprozesse auf dem Kontinent. Diesen mehr...

  • Märkische Oderzeitung: Die Märkische Oderzeitung Frankfurt (Oder) schreibt zur Situation in Thüringen nach der Wahl: Frankfurt/Oder (ots) - Die Frage ist nun, wie Matschie aus der selbstgebauten Falle herauskommt. Denn wenig plausibel ist es, rot-rote "Schnittmengen" zu betonen, sich auch den linken Spitzenmann Ramelow als Superminister vorstellen zu können, diesen dann aber als Regierungschef für nicht hinnehmbar zu erklären. Warum nur sollte die Linke freiwillig auf den Posten verzichten? Die Alternative wäre eine Koalition mit der CDU. Doch war Matschie angetreten, das "System Althaus" abzulösen. Dafür aber braucht er die Union. +++ Originaltext: mehr...

  • WAZ: Dreiste Täuschung - Kommentar von Christoph Meinerz Essen (ots) - Das ist dreist: 17 Stunden nach Schließung der Wahllokale klärt die SPD-Stadtspitze in Dortmund die Öffentlichkeit darüber auf, dass anders als im Wahlkampf vermittelt in der Stadt finanziell nichts mehr geht. Da benötigt man keine Bewertungshilfe von der CDU, um einen solchen Vorgang als Wahlbetrug zu empfinden. Der noch amtierende SPD-Oberbürgermeister Langemeyer bezeichnet seine Verwaltung gerne als "Konzern Stadt". Um in seinem Bild zu bleiben: "Aufsichtsräte" waren an diesem Sonntag alle Wahlberechtigten. Der Vorstand mehr...

  • Westdeutsche Zeitung: Wahlkampf = Von Frank Uferkamp Düsseldorf (ots) - Dreieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl gibt es ein vernehmliches Rumoren in der NRW-CDU. Der Ausgang der Kommunalwahl mit den unerwartet hohen Niederlagen in Köln, Mönchengladbach und Essen und die nur äußerst knappen Siege in Krefeld und Münster haben die Basis verunsichert. Zumal erstmals seit langer Zeit der große Trend nicht mehr auf Seiten der Christdemokraten ist - wie vor allem die Landtagswahlen im Saarland und Thüringen beweisen. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat also Recht, wenn er vor Selbstzufriedenheit mehr...

  • Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Thema OECD-Kinderbericht: Bielefeld (ots) - Unsere Kinder sind uns teuer, lieb genug aber noch lange nicht. So lässt sich der OECD-Kinderbericht für Deutschland zusammenfassen. Zwei Punkte schmerzen besonders. Erstens: Dass es im Wohlstandsstaat Deutschland nicht gelingt, Kinder von alleinerziehenden Elternteilen materiell besser abzusichern. Wenn die relative Armut in diesen Familien um zehn Prozent über dem OECD-Durchschnitt liegt, dann ist das ein Armutszeugnis für die deutsche Sozial- und Familienpolitik. Zweitens: Die extreme Schere zwischen den schwächsten mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht