(Registrieren)

Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR NRW am Tag vor der Landtagswahl Er oder Sie PETER JANSEN, DÜSSELDORF

Geschrieben am 07-05-2010

Bielefeld (ots) - Als sich vor einem halben Jahr die Parteien
anschickten, erste Vorbereitungen für die morgige Landtagswahl zu
treffen, da galt das Ergebnis der Wahl schon als ausgemacht. CDU und
FDP würden ihre Mehrheit komfortabel behaupten, SPD, Grünen und
Linken bliebe nicht mehr als ein Achtungserfolg, prophezeiten die
meisten Beobachter in Düsseldorf. Einen Tag vor der Wahl hat sich die
Situation völlig verändert. An die Fortsetzung der schwarz-gelben
Koalition glaubt kaum noch jemand. CDU und SPD liegen in letzten
Umfragen gleichauf, Demoskopen halten es für möglich, dass die SPD
stärkste Partei und ihre Spitzenkandidatin Hannelore Kraft
Ministerpräsidentin wird. Dass die politische Stimmung im größten
Bundesland sich so grundlegend gedreht hat, ist zum Teil, aber nicht
allein auf den holprigen Start der schwarz-gelben Bundesregierung
zurückzuführen. Mit Steuergeschenken an reiche Erben und Hotelketten,
Kopfpauschale und Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke
gewinnt man in NRW nicht die Zustimmung der Menschen. Der Versuch von
Jürgen Rüttgers (CDU) und Andreas Pinkwart (FDP), die Verantwortung
in Berlin abzuladen, war fadenscheinig, schließlich waren beide als
stellvertretende Bundesvorsitzende ihrer Parteien maßgeblich an den
Koalitionsverhandlungen beteiligt. Dazu kamen die hausgemachten
Fehler. Die Affäre um den Verkauf von Gesprächen mit dem
Ministerpräsidenten an wohlhabende Sponsoren erschütterte Rüttgers'
Glaubwürdigkeit. Sein reichlich vermessener Anspruch, sich in Zeiten
der weltweiten Wirtschaftskrise und der jüngsten Turbulenzen um
Griechenland als Garant für Stabilität und Sicherheit aufzuführen,
verfing bei den Wählern nicht. Die Parole "Keine Experimente" und die
Warnung vor rot-rot-grün und damit vor der Machtübernahme durch
Kommunisten verbreiteten den politischen Mief der 1950-er Jahre, aber
nicht Aufbruchstimmung im 21. Jahrhundert. Beim wichtigsten
Landesthema, der Schulpolitik, wirkte die Forderung von SPD und
Grünen nach längerem gemeinsamen Lernen aller Kinder überzeugender
als die Warnung von CDU und FDP vor einer Einheitsschule. Auf der
anderen Seite kann seine Herausforderin Kraft zwar keine strahlenden
politischen Erfolge vorzeigen, aber sie hat als Parteichefin und
oberste Wahlkämpferin wenig falsch gemacht. Die SPD in NRW wirkt fünf
Jahre nach dem Machtverlust so ruhig, dass sie fast langweilig
erscheint. Die behutsame Abkehr von den umstrittensten Teilen der
Hartz-IV-Reform hat sie wieder mit den Gewerkschaften versöhnt. Eine
alte Weisheit besagt, dass nicht eine Opposition gewählt, sondern
eine Regierung abgewählt wird. Von der Schwäche der
Regierungskoalition könnten morgen Kraft und die SPD profitieren.
Jürgen Rüttgers oder Hannelore Kraft, Er oder Sie, das ist die
entscheidende Frage am Sonntag. Letzte Umfragen zeigen, dass die
Wähler in NRW beiden das Amt des Ministerpräsidenten zutrauen. Sie
haben jetzt die Wahl.

Originaltext: Neue Westfälische (Bielefeld)
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/65487
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_65487.rss2

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

267375

weitere Artikel:
  • Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur NRW-Landtagswahl Bielefeld (ots) - Brüssel, Bielefeld, Moskau: So lautet Angela Merkels Fahrplan wenige Stunden vor der Wahl in NRW. Zwischen dem EU-Sondergipfel und der Teilnahme an Gedenkfeiern zum 65. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges steht also Bielefeld auf dem ohnehin schon üppigen Programm der Bundeskanzlerin. Warum? Weil die Wahl am Sonntag eine ganz knappe Kiste wird. Nach Umfragen haben 18 Prozent der Wahlberechtigten sich noch nicht entschieden, wen sie wählen werden. Somit kämpfen alle Parteien bis auf die letzte Sekunde - und die mehr...

  • Ostthüringer Zeitung: Kommentar Ostthüringer Zeitung Gera Gera (ots) - Ostthüringer Zeitung Gera zu Hilfspaket: Geld soll reichlich fließen, doch kaum jemand sprach über politische Konsequenzen, die garantieren, dass das Geld auch wieder zurückfließt zu jenen, die es erarbeitet und dem Staat zur gemeinnützigen Verwendung abgegeben haben. Aber politische Konsequenzen sind nötig, um endlich klare Regeln für die Finanzmärkte durchzusetzen. Die Debatten nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Europäischen Union drehen sich jedoch ausschließlich darum, wie Milliarden möglichst schnell bereitgestellt mehr...

  • Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur deutschen Griechenlandhilfe Bielefeld (ots) - Die Schuldenkrise in Griechenland erschüttert nicht nur die Finanzwelt, sondern wirbelt auch die politische Farbenlehre durcheinander. Denkwürdig: Ein schwarz-gelb-grünes Jamaikabündnis beschließt im Bundestag milliardenschwere Notkredite für Athen, und das zwei Tage vor der Wahl in NRW! Kanzlerin Angela Merkel hätte zu gerne auch die SPD ins Rettungsboot geholt. Doch dagegen meuterte der Koalitionspartner FDP. Ein Ja zur Steuer auf Finanzgeschäfte, wie es die SPD fordert, ist mit den Liberalen nicht zu machen, auch mehr...

  • Rheinische Post: Die kleine Bundestagswahl? Düsseldorf (ots) - Ein Kommentar von Sven Gösmann: Lange suchte der NRW-Landtagswahlkampf sein Thema. Ministerpräsident Rüttgers schien unangefochten seiner Wiederwahl entgegenzustreben und SPD-Spitzenfrau Kraft eine Zählkandidatin zu sein. Vorbei. Der Ausgang dieser Wahl ist offen wie selten. Von "Lotterie" sprechen die Meinungsforscher angesichts der sich andeutenden niedrigen Wahlbeteiligung von weniger als 60 Prozent. Mit der deutschen Milliarden-Hilfe für das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland hat der Wahlkampf zudem sein mehr...

  • Rheinische Post: Mixa, Bischof a.D. Düsseldorf (ots) - Ein Kommentar von Reinhold Michels: Ernst-Wolfgang Böckenförde, Bundesverfassungsrichter a.D., schrieb zum schockierenden Thema, das jetzt erstmals mit dem Namen eines deutschen Bischofs in Kontakt kommt: Man müsse sich das Unfassbare des sexuellen Missbrauchs gerade durch Priester vor Augen führen, durch geweihte Personen also, die sakramental und stellvertretend für Christus wirken. Wer es mit der Kirche gut meint, kann nur noch hoffen, dass die Vorermittlungen (kein förmliches Ermittlungsverfahren) gegen den vom mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht