(Registrieren)

500 Teilnehmer beim Zeitungskongress 2008 / Zeitungsverleger: Politik muss handeln! / BDZV-Präsident kritisiert Postpläne für Gratisblätter, Online-Expansion von ARD und ZDF sowie drohende Werbeverbot

Geschrieben am 22-09-2008

Berlin (ots) - Der deutschen Zeitungen profitieren vom Wachstum in
den digitalen Märkten. Die Internetangebote der Verlage hätten einen
enormen Aufschwung genommen, erklärte der Präsident des
Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen,
heute in Berlin bei der Eröffnung des Zeitungskongresses in Gegenwart
von Bundeskanzlerin Angela Merkel und rund 500 Kongressteilnehmern.
Die Websites der Zeitungen erreichten fast 40 Prozent der
Internetnutzer, deren Zahl innerhalb eines Jahres von 14 auf 16
Millionen angestiegen sei. Als Produzent von Qualitätsinhalten
nutzten die Verlage alle zur Verfügung stehenden Plattformen - print,
online, mobil -, wobei die gedruckte Zeitung noch auf lange Sicht die
Säule des Geschäfts bleibe, so Heinen. Das Internet sei allerdings
wichtiger Bestandteil der Zukunftsstrategie.

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten rief Heinen auf, die
Expansionen im Internet zu stoppen. In der laufenden Kontroverse gehe
es um die Bedingungen, unter denen ARD und ZDF über ihren
Rundfunkauftrag hinaus so genannte Telemedien im Internet verbreiten
dürften. Heinen wörtlich: "Uns interessiert hier vor allem das Thema
einer drohenden öffentlich-rechtlichen elektronischen Presse. Die
darf es genauso wenig geben, wie überregionale oder regionale
gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Zeitungen." Heinen
kritisierte in diesem Zusammenhang die Berichterstattung von ARD und
ZDF. Es sei nicht seriös, wenn unter dem Deckmantel angeblicher
Information in der breiten Öffentlichkeit Verständnis für die
Expansionsstrategien geweckt werden sollte. Den ARD-Film "Quoten,
Klicks und Kohle" bezeichnete Heinen als "plumpes Propagandastück".

Den Gesetzgeber rief Heinen auf, bei der Umsetzung der von der
EU-Kommission verabschiedeten Fernsehrichtlinie in nationales Recht
darauf zu achten, dass Product-Placement in Deutschland nicht erlaubt
werde. Wenn Werbung als solche nicht mehr klar erkannt werde,
verlören alle Medien an Glaubwürdigkeit. Das Trennungsgebot sei für
die Zeitungen nicht nur ein Glaubwürdigkeits- sondern ein
Qualitätskriterium.

Seine Kritik richtete der BDZV-Präsident auch auf Pläne, die
Restriktionen und Verbote im Bereich der Werbung auszuweiten. Die
Forderung des Europäischen Parlaments, wonach künftig 20 Prozent der
Automobilwerbung in Zeitungen für umweltbezogene Aussagen genutzt
werden, würde dazu führen, dass die Automobilindustrie sich vom
Werbeträger Print verabschiedet. Der Drogenbeauftragten der
Bundesregierung warf Heinen vor, "mit allen Mitteln" Verbote im
Bereich der Alkoholwerbung zu schaffen. So werde die funktionierende
Selbstkontrolle im Bereich der Alkoholwerbung von der
Drogenbeauftragten diffamiert. Heinen hob hervor, dass Zeitungen
geradezu vorbildlich seien, wenn es um die Information zur
Gefährlichkeit von erhöhtem Alkoholkonsum gehe. Nach einer
Untersuchung des BDZV erschienen täglich in Deutschland etwa 1.000
Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften, die die Gefährlichkeit von
starkem Alkoholkonsum zum Thema hätten. Dies sei ein Teil der
redaktionellen Leistung, die etwa zur Hälfte aus Werbeeinnahmen
finanziert werden müsse, so Heinen. Doch leider ignoriere die Politik
nur zu oft den direkten Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher
Leistungskraft der privaten Medien und ihrer publizistischen Stärke
und Unabhängigkeit.

Scharfe Kritik übte der BDZV-Präsident auch an den Plänen der
Deutschen Post AG, mit Gratis-Titeln die privaten Zeitungen im Leser-
und Werbemarkt anzugreifen. Dass ein Unternehmen, bei dem der Staat
größter Aktionär sei, überhaupt an ein solches Projekt denke, sei
eine groteske Vorstellung. Heinen appellierte an die Bundeskanzlerin,
der Staat müsse dafür sorgen, dass "derartige skandalösen Pläne"
nicht realisiert würden. "Hier droht ein ordnungspolitischer
Sündenfall ersten Ranges", so der BDZV-Präsident.

Besorgt äußerte sich Heinen über Entwicklungen im Bereich der
inneren Sicherheit, die die Arbeit der Presse schwer belasten. Die
Sensibilität für den Daten- und Informantenschutz habe nachgelassen.
Wenn Computerfestplatten von Journalisten nicht mehr vor staatlicher
Durchforschung sicher seien, habe das gravierende Folgen für die
Recherchearbeit. "Dass die Wächterfunktion der Presse - das Aufdecken
von Skandalen und kriminellen Machenschaften - im öffentlichen
Interesse stattfindet, dieser Aspekt ist in der ganzen politischen
Debatte bisher viel zu kurz gekommen."

Originaltext: BDZV - Bundesverb. Dt. Zeitungsverleger
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6936
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6936.rss2

Pressekontakt:
Hans-Joachim Fuhrmann
Telefon: 030/ 726298-210
E-Mail: fuhrmann@bdzv.de

Anja Pasquay
Telefon: 030/ 726298-214
E-Mail: pasquay@bdzv.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

160029

weitere Artikel:
  • Siebert: Konsequenter Schritt zur Bekämpfung der Piraterie Berlin (ots) - Zur Ankündigung des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, eine Beteiligung der Deutschen Marine an einem EU-Mandat zur Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika zu prüfen, erklärt der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Bernd Siebert MdB: Die Initiative des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Franz Josef Jung, eine Beteiligung der Deutschen Marine an einer EU-Mission zur Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika zu prüfen, ist zu begrüßen. Damit würde ein konsequenter mehr...

  • Die Bundesregierung will die Deutsche Post ein weiteres Jahr lang subventionieren Berlin (ots) - Florian Gerster: Die Privilegierung des marktbeherrschenden Konzerns durch das Umsatzsteuergesetz muss Ende dieses Jahres auslaufen Nach zuverlässigen Informationen des Arbeitgeberverbandes Neue Brief- und Zustelldienste e. V. (AGV-NBZ) will die Bundesregierung auf ihrer Kabinettsitzung am kommenden Mittwoch, 24. September 2008, für ein weiteres Jahr die Steuerprivilegierung der Deutschen Post beschließen. Danach plant die Bundesregierung, die Umsatzsteuerbefreiung der Post erst zum 1. Januar 2010 aufzuheben. mehr...

  • Der Tagesspiegel: Solms lehnt deutsche Beteiligung an US-Rettungspaket ab Berlin (ots) - Bundestagsvizepräsident Hermann-Otto Solms (FDP) hält nichts davon, der US-amerikanischen Bitte nach staatlichen Finanzhilfen aus Europa für das geplante Banken-Rettungspaket nachzukommen. "Die Ursachen der Krise sind einzig und allein in den USA zu suchen und müssen auch dort behoben werden", sagte Solms dem Tagesspiegel (Dienstagausgabe). Solms erhob zudem Vorwürfe gegen Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und auch die Aufsichtsgremien der Landesbanken. Über Monate hinweg habe die Fachaufsicht "restlos versagt", mehr...

  • Mittelbayerische Zeitung: "Werbekampagne für Weiterbildung" - Bayerns DGB-Chef Schösser will nach der Landtagswahl Staatsregierung und Arbeitgeber an den Verhandlungstisch holen Regensburg (ots) - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Bayern startet nach der Landtagswahl am 28. September eine Offensive im Bereich Weiterbildung. Dies kündigte dessen Vorsitzender Fritz Schösser im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung (Regensburg/Dienstagausgabe) an. Schösser will dabei den Gesprächsfaden aus dem "Beschäftigungspakt Bayern" aufnehmen, den der DGB 1994 mit Bayerns Staatsregierung unter Ministerpräsident Edmund Stoiber geknüpft hatte und der 2002 abgerissen ist. Der Schwerpunkt soll in Ausbau und Intensivierung mehr...

  • Neues Deutschland: zur Lage in Nahost Berlin (ots) - Diese Botschaft hätte aufhorchen lassen: Der israelische Premier Ehud Olmert sieht gute Chancen für ein Friedensabkommen - noch dieses Jahr! Die Betonung liegt leider nicht auf »dieses«, sondern auf »hätte«. Denn der Premier ist sehr bald ein ehemaliger, dessen Meinung interessant, aber nicht maßgeblich ist. Doch auch ohne diesen Makel sind Olmerts Erklärungen nicht sehr belastbar. Beispiel Flüchtlingsfrage. Olmert spricht jetzt davon, dass »mit Flexibilität und Kreativität« das Problem der 4,4 Millionen palästinensischen mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht