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Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) schreibt zum Ergebnis der Klimadebatte auf Bali:

Geschrieben am 16-12-2007

Bielefeld (ots) - Der Bali-Blamage entgangen, den Klima-Kollaps
weiter auf der Agenda, die Fakten-Festlegung einmal mehr vermieden:
Statt der Zielflagge setzte die am Wochenende zu Ende gegangene
Mammutkonferenz in Fernost das Startsignal für weitere Verhandlungen.
187 Teilnehmerstaaten mit 11000 Delegierten haben in Bali weniger
erreicht, als die Öffentlichkeit weltweit erwartet hatte. Zu hoch
gesteckte Erwartungen und von der Politik professionell geschürte
Hoffnungen ließen einmal mehr das Wünschbare mit dem Machbaren
kollidieren.
Für andere, realistischere Betrachter ist es schon ein Erfolg, dass
es nicht zur Konferenz-Katastrophe gekommen ist. Der Abbruch drohte,
und auch nach Bali ist keinesfalls gesichert, dass das 2012
auslaufende Kyoto-Protokoll verlängert wird.
Immerhin einigten sich die Delegierten darauf, den neuen Vertrag in
den kommenden beiden Jahren auszuhandeln. Bis April müssen die
Vorbereitungen stehen. In genau zwei Jahren soll das Abkommen in
Kopenhagen unterzeichnet werden. Und wenn nicht? Keiner kann den
Zeitplan garantieren. Dann sollen sogar die USA, China und Indien
einbezogen sein. Aha!
Größtes Manko: Keine festen Grenzwerte für den Ausstoß von
klimaschädlichen Gasen, Wortgeklingel statt Fakten. Im Bali-Protokoll
ist allein von »tiefen Einschnitten bei den weltweiten Emissionen«
die Rede. Auch wird, wenig trennscharf, zwischen »reichen« und
»armen« Ländern unterschieden. Wo liegt die Schwelle zwischen
Sozialfall und neureich?
Die Industriestaaten werden lediglich dazu aufgerufen, Ziele zur
Treibhausgas-Reduzierung »in Erwägung« zu ziehen. Was die
Entwicklungsländer angeht, bleiben die Forderungen noch unbestimmter
- sie sollen über »mildere Maßnahmen« nachdenken.
Und dann das »Zuckerl«: Gern einigten sich die Delegierten auf einen
UN-Fonds, der die Folgen des Klimawandels wie Dürre, Überschwemmung
und sonstige Plagen bei den Ärmsten lindern soll. Bislang sind
bescheidene 24 Millionen Euro in der Katastrophenkasse. Die richtig
großen Summen - man ahnt es - werden für die Zukunft versprochen. Von
jährlich bis zu fünf Milliarden Dollar um 2030 ist die Rede. Sie
sollen in den Entwicklungsländern Investitionen in umweltfreundliche
Technologien fördern.
Verlockend klingt das Angebot zum Tropenwalderhalt: Von 2013 an
sollen ärmere Länder Emissionszertifikate an reiche Länder verkaufen
können, wenn sie dafür ihre Regenwälder nicht abbrennen.
Problematisch bleibt, dass es nicht mal einen halbwegs verbindlichen
Rahmen für die Minderung der Klimagase gibt. Außerdem: Nach welchem
Schlüssel werden die Lasten verteilt? Auch vom Aufbau eines
weltweiten Kohlenstoffmarktes sind die Beteiligten noch meilenweit
entfernt.
Bleibt festzuhalten: Auch die Europäer wollten weder wirklich CO2
sparen noch die Konferenz scheitern lassen. Letzteres wäre ehrlicher
gewesen.

Originaltext: Westfalen-Blatt
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/66306
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_66306.rss2

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261


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