(Registrieren)

Kommentar / Bayer verfängt sich im Dickicht der US-Justiz = Von Antje Höning

Geschrieben am 07-07-2020

Düsseldorf (ots) - Das Aufatmen im Juni war groß: Mit einem milliardenschweren Vergleich schien Bayer das Thema Glyphosat endlich hinter sich zu lassen. Anleger mussten nicht länger um ihre Depots bangen, Mitarbeiter keine Sorge mehr vor weiteren Sparprogrammen haben. Und Bayer-Chef Werner Baumann hoffte, endlich zeigen zu können, warum der Kauf von Monsanto ein genialer Schachzug war. Doch er hat die Rechnung ohne Vince Chhabria gemacht. Der kalifornische Richter stellt nun ausgerechnet den Teil des Vergleichs infrage, auf den man in Leverkusen besonders stolz war: Über künftige Glyphosat-Klagen sollten, so sah es der Vergleich vor, nicht mehr Gerichte, sondern Wissenschaftler entscheiden. Und genau das will Chhabria nicht hinnehmen. Eine böse Überraschung für Bayer.

Zu Beginn der Übernahmeschlacht 2018 hatten die Anleger Zweifel, ob Bayer den 59-Milliarden-Deal stemmen kann. Schließlich war es die teuerste Übernahme, die je ein deutscher Konzern gewagt hatte. Doch Finanzierung und Integration klappen erstaunlich gut. Verfangen hat sich Bayer im Dickicht der US-Justiz. Der Konzern ist zwar erfahren in Haftungsklagen bei Arzneien. Der Streit um den verbreiteten Unkrautvernichter hat aber eine andere Dimension. Man mag die Anwaltsindustrie der USA abstoßend finden, doch ein Weltkonzern muss damit umgehen können. Nun muss Bayer sich fragen, ob die Idee, künftige Klagen Wissenschaftlern zu überlassen, nicht doch zu blauäugig war. Und wieso der erfahrene Mediator Ken Feinberg glaubte, mit dieser Beschneidung richterlicher Autorität vor Gericht durchzukommen. Noch ist nichts endgültig entschieden, doch Bayers Glyphosat-Albtraum geht weiter. Die Sorge, dass der Monsanto-Deal den Leverkusener Konzern nicht befreit, sondern zu seinem Fluch wird, ist zurück.

www.rp-online.de

Pressekontakt:

Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2627

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30621/4645797
OTS: Rheinische Post

Original-Content von: Rheinische Post, übermittelt durch news aktuell


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

740072

weitere Artikel:
  • Kommentar / Merkels Männerpartei = Von Kristina Dunz Düsseldorf (ots) - Das gab es in Deutschland noch nie: Eine Bundespräsidentin, eine Außenministerin, eine Innenministerin, eine Finanzministerin, eine Verkehrsministerin im Bund. Diese Ämter haben immer Männer bekommen. Dabei zieht die Behauptung, es gäbe gar keine geeigneten oder willigen Kandidatinnen, schon lange nicht mehr. Parteien, die im Jahr 2020 noch den Geruch haben, dass Frauen bei ihnen doppelt so viel können und leisten müssen wie Männer, um voranzukommen, haben ein Zukunftsproblem. Die CDU ringt darum, das mit einer verbindlichen mehr...

  • In der Diskussion um die Seenotrettung zeigen sich die alten Muster / Kommentar von Sebastian Kaiser Freiburg (ots) - (...) Nun haben die EU-Innenminister am Dienstag über das Thema Seenotrettung gesprochen. Und wieder zeigen sich die altbekannten Muster. Nach wie vor ist nur eine Handvoll Staaten dazu bereit, Ländern wie Italien und Malta unter die Arme zu greifen. Mit der viel zitierten Wertegemeinschaft ist es bei einigen europäischen Partnern jedenfalls nicht weit her. Wer auf ein substanzielles Entgegenkommen aus Warschau oder Budapest wartet, ist ähnlich verlassen, wie die Flüchtlinge an Bord der Ocean Viking. Nur dass es bei denjenigen, mehr...

  • Kommentar zu der Kanzler-Frage bei der CDU: Stuttgart (ots) - Schon wieder ploppt die Kanzlerkandidaten-Frage in der Union hoch. Obwohl das Thema im Moment nicht drängt, werden CDU und CSU es nicht mehr los. Schließlich steht fest, dass die Wieder-mal-Umfragequoten-Königin Angela Merkel nicht mehr kandidieren wird und dass Noch-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer verzichtet. Wer aber soll es für die Christdemokraten richten? Einer aus dem nordrhein-westfälischen Dreigestirn Laschet-Merz-Röttgen, das sich um den CDU-Vorsitz bewirbt, oder der CSU-Chef Markus Söder? Nicht nur auf die CDU mehr...

  • Ab September höhere Maskenproduktion in Deutschland Düsseldorf (ots) - Ab September sollen Produktionsstätten in Deutschland in der Lage sein, binnen eines Jahres zusätzlich 2,5 Milliarden Masken zu produzieren. Das teilte das Wirtschaftsministerium auf Anfrage der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Mittwoch) mit. Bis Ende Juni 2021 sollen die Unternehmen hierzulande dann bis zu sieben Milliarden Masken jährlich in zertifizierter Qualität zusätzlich herstellen können. Dazu zählen FFP2, FFP3 und medizinische Gesichtsmasken. Das Wirtschaftsministerium investiert 60 Millionen Euro an Fördermitteln, damit mehr...

  • Kriminologe wirbt für Studie über Racial Profiling als Grundlage für Verständigung Düsseldorf (ots) - Der Bochumer Kriminologe Tobias Singelnstein hat die Absage einer Studie zum Racial Profiling bedauert und die Bedeutung einer solchen Untersuchung als Basis für eine neue Verständigung in Deutschland hervorgehoben. "Die Erstellung der Studie wäre für alle Seiten vorteilhaft", sagte Singelnstein der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Mittwoch). Auf der einen Seite gebe es jede Menge Betroffene, die sagten, ihnen passiere es, und zwar regelmäßig, erläuterte Singelnstein. Auf der anderen Seite habe die Polizei von sich das Bild, mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht