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Deutsches Kinderhilfswerk stellt Forschungsbericht zu gesellschaftlicher Vielfalt in Kitas vor

Geschrieben am 07-03-2018

Berlin (ots) - Kindertageseinrichtungen sind nach eigener
Auffassung auf gesellschaftliche Vielfalt gut vorbereitet und
weitgehend in der Lage, alle Kinder unabhängig von
Migrationshintergrund, Religion, Behinderung oder Familienform zu
inkludieren. Dabei erschweren eng bemessene Personalschlüssel und
Probleme bei der Gewinnung von Fachkräftenachwuchs die Umsetzung
gewünschter pädagogischer Aktivitäten wie einer verbesserten und
intensiveren Zusammenarbeit mit Eltern, individuellen pädagogischen
Angeboten für Kinder und Teamentwicklung. Unter engen räumlichen
Bedingungen und defizitärer personeller Ausstattung leiden
insbesondere Kinder, die auch aus dem familiären Umfeld weniger
Bildungsressourcen mitbringen. Kinderarmut wirkt sich so doppelt
negativ aus. Das sind die zentralen Ergebnisses des
Forschungsberichts "Herausforderungen von Kindertageseinrichtungen in
einer vielfältigen Gesellschaft" der Hochschule Rosenheim im Auftrag
des Deutschen Kinderhilfswerkes.

"Zuwanderung, demografische Veränderungen und familialer Wandel
betreffen alle gesellschaftlichen Bereiche und Akteure.
Kindertageseinrichtungen als erste und wichtigste Bildungs- und
Sozialisationsinstanzen nach den Eltern sind davon nicht ausgenommen.
Im Gegenteil: Kinderarmut, Zeitknappheit von Familien, Migration und
soziale Ungleichheiten kommen hier zuallererst an und stellen die
Einrichtungen vor neue Herausforderungen. Hinzu kommen
gesellschaftliche Bewegungen, wie der neu erstarkte Rechtspopulismus,
gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Abwertung bis zu
Rechtsextremismus. Hier muss mit verstärkter Demokratieförderung,
Demokratiebildung und Partizipation entgegen gehalten werden", sagt
Prof. Dr. Sabina Schutter von der Hochschule Rosenheim.

"Abstiegsängste und Ehrgeiz der Eltern bezogen auf ihre Kinder
dringen direkt zu den Kitas durch, die Angst der Eltern vor dem
Scheitern wächst und äußert sich als Druck auf die pädagogischen
Fachkräfte. Zudem haben viele Einrichtungsleitungen Erfahrungen mit
rechtsradikalen Familien. Da diese sich meist unauffällig verhalten
gibt es insbesondere Unsicherheiten im pädagogischen Umgang mit deren
Kindern. Mit den daraus resultierenden Anforderungen dürfen die Kitas
nicht alleine gelassen werden", so Schutter weiter.

"Wir brauchen ein Kita-Programm der frühen Förderung von
Demokratiebildung, Partizipation sowie eines wertschätzenden Umgangs
mit Vielfalt. Dabei muss es insbesondere darum gehen, auf Grundlage
der UN-Kinderrechtskonvention partizipative Prozesse sowie ein
vielfalts- und vorurteilsbewusstes Miteinander in
Kindertageseinrichtungen zu verankern. Dazu werden wir als
Kinderrechtsorganisationen mit unseren Partnern einen Beitrag
leisten", betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen
Kinderhilfswerkes.

Der Forschungsbericht zeigt auch das mehrdimensionale
Spannungsfeld auf, in dem sich die Fachkräfte in
Kindertageseinrichtungen befinden: Die Erwartungen von Eltern mit
hohen Bildungsansprüchen stehen in Spannung zu den
Bildungserfordernissen von Kindern mit weniger Ressourcen.
Gleichzeitig stehen die Erwartungen der Grundschulen an die
abrufbaren Bildungsleistungen von Kindern im Widerspruch zu einer
offenen situationsorientierten Pädagogik. In diesem doppelten
Spannungsverhältnis sind Einrichtungsleitungen gefordert, den
Bedürfnissen gerecht zu werden und gleichzeitig ihren Konzepten treu
zu bleiben. Zugleich äußern die Kita-Fachkräfte Fortbildungsbedarf im
Bereich Kinderrechte, Partizipation und Umgang mit Vielfalt. Die
Untersuchung hat darüber hinaus Fortbildungsbedarfe im Bereich der
pädagogischen Qualität mit engen Ressourcen und im Bereich Umgang mit
Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit
identifiziert.

Der Forschungsbericht hat 94 Leitungen von
Kindertageseinrichtungen in Sachsen und Thüringen nach ihren
Umgangsweisen mit gesellschaftlicher Vielfalt gefragt. Hierzu wurde
spezifisch der Umgang mit benachteiligten Gruppen und mit Diversität
untersucht. 10 qualitative Experteninterviews mit
Einrichtungsleitungen wurden ergänzend dazu durchgeführt, um
spezifischen und sensiblen Fragestellungen auf den Grund zu gehen.
Die Ergebnisse des Forschungsberichts "Herausforderungen von
Kindertageseinrichtungen in einer vielfältigen Gesellschaft" sind in
großen Teilen bundesweit übertragbar. Der Forschungsbericht und eine
Zusammenfassung können unter www.dkhw.de/vielfalt-in-kitas
heruntergeladen werden.



Weitere Informationen und Rückfragen:
Uwe Kamp, Pressesprecher
Telefon: 030-308693-11
Mobil: 0160-6373155
Fax: 030-308693-93
Mail: presse@dkhw.de
Internet: www.dkhw.de und www.facebook.com/dkhw.de
Twitter: @DKHW_de

Original-Content von: Deutsches Kinderhilfswerk e.V., übermittelt durch news aktuell


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