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"Die Kinder begreifen, dass lernen etwas Schönes ist" / 200 Lehrer tauschen sich beim Kongress Digitale Didaktik über die Zukunft des Unterrichts aus - Tablets verbessern die schulischen Leistungen (F

Geschrieben am 05-03-2014

Neubeuern (ots) -

Laptops und Tablet-PCs gehören zwingend in den Schulunterricht,
weil sie ihn abwechslungsreicher machen, weil die Schüler damit
motivierter lernen und weil ihre Resultate besser werden. Das ist
eines der Ergebnisse des zweiten Kongresses Digitale Didaktik am
Internatsgymnasium in Neubeuern/Chiemgau. Die 200 Lehrer aus 120
Schulen waren sich darüber einig, dass Kinder und Jugendliche bessere
Leistungen erzielen und engagierter arbeiten, wenn sie die Schule als
normale Lebenswelt begreifen und ihre Tablets, Laptops, ihre
Lernprogramme sowie das Internet im Unterricht einsetzen. Gemeinsam
will man Standards entwickeln, die dazu dienen, den Spaß und die
Freude am Lernen zu fördern.

"Wir haben deutlich bessere Abschlüsse mit Tablets. Am Anfang
sinken die Noten etwas - wegen der Umstellung. Aber der zweite und
der dritte Test in der siebten Klasse sind schon steil nach oben
gegangen. Die Erfolgserlebnisse steigen", berichtete Tobias
Schnitter, stellvertretender Leiter der Realschule Gauting. "Meine
Schüler sind dieses Jahr bei gleichen Klassenarbeiten 0,5 bis 0,8
Noten besser als vor drei Jahren ohne Tablets. Die Kinder begreifen,
dass Lernen etwas Schönes ist", ergänzte Martin Fritze, Seminarrektor
der Realschule Abensberg. Die Schüler wandelten sich in
Tablet-Klassen vom passiven Consumer zum aktiveren Prosumer, weil sie
multimediale Inhalte erstellen, selbst im Internet recherchieren und
vielfältige Erfahrungen in der digitalen Welt sammeln, z.B. bei der
Arbeit mit Datenbanken, interaktiven Büchern und Lernprogrammen.
Fritze: "Die Kinder beschäftigen sich mehr, intensiver und lieber mit
schulischen Dingen, auch am Nachmittag. Das kann man in solchen
Klassen sofort beobachten. Es findet eine Verschiebung von
Unterrichtsinhalten in die außerschulische Zeit statt. Das allein ist
schon ein sehr positiver Effekt." Bedenkenträger seien nicht die
Schüler, sondern meist Eltern und Lehrer.

Was einzelne Lehrer im Kleinen erleben, bestätigt die Wissenschaft
durch umfangreiche Studien. So präsentierte Professor Dr. André
Bresges, Direktor des Institutes für Physik und ihre Didaktik an der
Universität Köln, mehrere Untersuchungen, die belegen, dass die
Ergebnisse der Schüler durch die Arbeit mit I-Pad und Co. homogener
werden. In den Klassen mit Tablet-Einsatz verringere sich deutlich
die Zahl der Schüler mit schlechten Leistungen. "Es kommt seltener
vor, dass Schüler bei einem Gruppenarbeitsprojekt mit Tablets sagen:
'Physik verstehe ich nicht, das ist eben nichts für mich.' Auch die
schwächeren Schüler werden aktiviert und mitgenommen. Außerdem kommen
Schüler mit Sprachbarrieren wesentlich leichter ins Thema", so
Bresges. Beim kollaborativen Arbeiten mit der Technik kann sich jeder
einbringen: Der eine zeichnet, der andere recherchiert im Netz, der
dritte baut etwas, der vierte gliedert und so weiter. "Durch die
Medien ändert sich unser Wahrnehmungsraum. Was wir sehen, wollen wir
auch verändern können. Die digitalen Geräte geben uns die Möglichkeit
dazu, sie vermitteln uns ein Gefühl von Kompetenz. Daraus entstehen
Autonomie und soziale Anerkennung", meint der Bildungsforscher. Die
Tablets erhöhten die Kooperationen in Gruppen - durch ihre schiere
Anwesenheit.

Mit vielfältigen Hilfsmitteln können Schüler heute
eigenverantwortlich und auf ihre individuellen Bedürfnisse
ausgerichtet lernen. Und das sogar mit Spaß. Sie schneiden Videos,
Trickfilme und Trailer, produzieren Audiobücher und Hörspiele, setzen
Literatur szenisch um, entwickeln Grafiken und Collagen zur
Veranschaulichung von Sachverhalten, sie fotografieren und referieren
vor Mikrofon und Kamera. Manche haben überall ihren mobilen
W-Lan-Hotspot dabei. All das sind Mehrwerte bei der Arbeit mit
Texten, es schult die Kreativität, das Arbeiten in Teams und das
Präsentieren von Themen und Inhalten. Dabei ist alles haltbarer, weil
es digital gespeichert wird: Ob Rollenspiele, Standbilder oder
Kurzprojekte, die Lehrer und Schüler fotografieren und dokumentieren
ihre Leistungen und können sie in späteren Veranstaltungen erneut
nutzen. Das spart Zeit.

Gastgeber Jörg Müller, Stiftungsvorstand und Internatsleiter in
Neubeuern, bestätigte diese Erkenntnisse und ließ andere Schulen an
seinen Erfahrungen teilhaben. Beispielsweise musste er vier
hauptberufliche IT-Administratoren einstellen, um jederzeit eine
reibungslose technische Infrastruktur vorzuhalten. Rektoren, die
glaubten, es reiche aus, zwei Physiklehrer als Administratoren zu
benennen, die nebenbei die neue Unterrichtstechnik warteten, müssten
zwangsläufig scheitern. Müller erläuterte das Konzept des flipped
oder inverted classrooms, bei dem sich die Schüler ab der
Jahrgangsstufe 9 in digitalen Lernbüros einbuchen, wo sie
Arbeitsaufträge erhalten, die sie sich in Präsenz- und in
Freiarbeitsphasen selbst einteilen. Die Kinder erarbeiten Lerninhalte
eigenständig, sie planen ihre Übungszeit selbst und werden befähigt,
ihren Problemfächern mehr Aufmerksamkeit zu widmen. In einer von den
Schülern gegründeten Produktionsfirma stellen sie Lernvideos her, die
u.a. von der Schulstiftung gekauft und im Unterricht eingesetzt
werden. "Das Konzept mit dem Lehrer als Quelle der Weisheit können
wir über den Haufen werfen", so Müller.

In Rundgängen konnten sich die Kongressteilnehmer ein Bild von den
Besonderheiten von Schloss Neubeuern machen, der ersten papierlosen
Schule hierzulande (ab Jahrgangsstufe 9), wo im vergangenen Jahr 27
Schüler das erste digitale Abitur Deutschlands abgelegt haben.
Gegenwärtig arbeiten die Schüler mit 3-D-Projektoren, -Programmen und
-Druckern im Unterricht. "Wir setzen die Technik ausschließlich
lernfördernd ein, nicht um ihrer selbst willen", erklärt Müller: "Die
Schüler erarbeiten sich mit Freude und großer Neugier jene
technischen Befähigungen, die sie später an der Universität und im
Berufsalltag sowieso brauchen."

Die interessierten Pädagogen nutzten in 25 Workshops ihre
Smartphones, Tablets und Laptops, um sich über die Möglichkeiten der
digitalen Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung auszutauschen.
Praktiker und Wissenschaftler referierten über die Möglichkeiten der
Datenablage, der Projektgestaltung und vor allem der Motivation ihrer
Schüler mit Lern- und Organisationsprogrammen wie OneNote,
Itslearning, GeoGebra und Everload. Beispielsweise arbeiten die
Schüler mit Bettermarks in einem interaktiven Übungsheft, das es
ihnen erlaubt, selbstständig und in ihrem eigenen Tempo zu lernen.
Die Plattform Mebis bietet Lehrern in Bayern kostenfrei eine
umfassende Unterstützung für ihren Unterricht, beispielsweise eine
Infothek, eine Mediathek, ein Prüfungsarchiv und eine Lernplattform.
Die wichtigsten Apps für Schüler (Keynote, Pages und Numbers) sind
kostenfrei, andere, z.B. zur Trickfilmproduktion, kosten 5 Euro, die
von der Schule erstattet werden können.

Die Praktiker sprachen sich mehrheitlich für das Modell der selbst
finanzierten Schülertablets aus. Das sei sinnvoll, weil die Schüler
so mit ihren eigenen Geräten auch abends und an den Wochenenden
arbeiten können.

In der Schule des 21. Jahrhunderts werden Kreide und Papier
abgeschafft sein. Hier früher, dort später, aber die Entwicklung
lässt sich nicht umkehren. Die Zukunft des Lernens ist digital.
Recherche, Materialaustausch, Projektarbeiten, Prüfungsvorbereitung,
Lernprogramme und Evaluation - alles wird am Computer organisiert
werden und zunehmend weniger über Bücher und Hefte. Die
Kongressteilnehmer kamen überein, dass Schulbücher nicht mehr den
Anspruch auf Aktualität und Authentizität erfüllen, in denen die
Spice Girls noch als neue Mädchenband vorgestellt werden. Stattdessen
sollten in den weiterführenden Schulen Werkzeuge eingesetzt werden,
die heute zum Arbeitsalltag und zur Lebenswelt der Kinder und
Jugendlichen gehören.



Medienkontakt:

Prof. Dr. Matthias Michael
Engel & Zimmermann AG
Unternehmensberatung für Kommunikation
Schloss Fußberg
Am Schlosspark 15
82131 Gauting
Tel.: 089-893563-517
Fax: 089-89398429
m.michael@engel-zimmermann.de
www.engel-zimmermann.de


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