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Rheinische Post: 2007 - das Jahr der Deutschen

Geschrieben am 29-12-2006

Düsseldorf (ots) - Von Sven Gösmann

Ihr Handy ist schon museumsreif, doch ihren Platz in den
Geschichtsbüchern kann die Kanzlerin noch bestimmen: Jüngst übergab
Angela Merkel eines ihrer Mobiltelefone dem Bonner Haus der
Geschichte. Die Tasten des silbernen Siemens S 55 sind vor allem in
der Mitte arg abgegriffen von den vielen Kurzmitteilungen, die sie im
Laufe ihrer Kanzlerschaft in ihr zentrales Machtinstrument tippte
Krisen-Management by SMS.
Über die Adressaten ihrer Mitteilungen verrät die notorisch
misstrauische Kanzlerin nicht viel. Doch mancher Merkel-Vertraute
brüstet sich damit, wennx0e's bei ihm piept: Finanzminister
Steinbrück, Außenminister Steinmeier sowieso, und gerade meldete
EU-Kommissionspräsident Barroso stolz, dass auch er Handy-Post aus
Berlin erhält. Die Liste ließe sich nicht beliebig fortsetzen. Damit
wird klar, womit die Kanzlerin sich in den vergangenen Monaten
bereits eifrig beschäftigt hat: Europa.
Die Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft am 1. Januar ist, daran
lässt die Amtschefin im kleinen Kreis keinen Zweifel, ihre bisher
größte Herausforderung. Die Kanzlerin selbst beschreibt es
norddeutsch nüchtern: "Viele rote Teppiche, große Erwartungen."
Merkel ist trotz ihrer nur knapp eineinhalb Jahre Amtszeit und der
Würde und Bürde der Ratspräsidentschaft der politische Fixstern der
aufgeblähten Staatengemeinschaft: Frankreichs Staatspräsident Chirac
verabschiedet sich im Mai von der politischen Bühne; wie lange Tony
Blair noch Großbritanniens Geschicke bestimmt, ist ungewiss. Alle
Blicke richten sich also auf Merkel, die bisher mit einem eher
schwammigen EU-Begriff gearbeitet hat: Europa ist für sie Friedens-
und Freiheitsbündnis, sie muss jetzt daraus die Weltmacht schmieden,
die der Kontinent eigentlich ist.
Doch Merkel weiß auch, dass sie als Außenkanzlerin allein vor ihrem
heimischen Publikum nicht bestehen wird. So kam ihre Absage an den
von SPD-Chef Kurt Beck eingeforderten Reformstopp im Innern prompt.
Merkel setzt weiter auf viele kleine Schritte: bei der
Pflegeversicherung, aber auch bei der Gesundheit braucht es
Kompromisse, die wenigstens bis zur nächsten Wahl 2009 tragen. Ihre
Machtbasis in der eigenen Partei ist derweil seit dem Dresdner
Parteitag gefestigt, ihr bayerischer Widersacher Stoiber mit sich
selbst beschäftigt.
Die unbekannte Größe, siehe Beck, ist für Merkel der
Koalitionspartner SPD. Die Frage nach der besten Ausgangsposition für
einen möglichen Kanzlerkandidaten Beck befeuert die
Personalspekulationen über eine Kabinettsumbildung des
sozialdemokratischen Teils der Bundesregierung: Beck statt
Müntefering, Beck und Müntefering, dazu Gabriel statt Struck als
Fraktionschef?
Angela Merkel wird auch 2007 wieder viele SMS schreiben müssen. Gut,
dass sie gleich zwei neue Handys hat.

Originaltext: Rheinische Post
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=30621
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_30621.rss2

Pressekontakt:
Rückfragen bitte an:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2303


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