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80 000 Kinder in Deutschland gefährdet wie Kevin oder Mehmet

Geschrieben am 18-10-2006

Hamburg (ots) - In Deutschland sind rund 80 000 Kinder im Alter
bis zehn Jahre von Verwahrlosung und extremer Vernachlässigung durch
ihre Eltern bedroht. Diese Zahl nennt der Bielefelder
Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann in der ZEIT. "Etwa ein Prozent
der Eltern sind sozial völlig aus dem Ruder gelaufen, alkoholkrank,
drogenabhängig, psychisch schwerst defizitär - das sind die, über
deren Kindern täglich eine Katastrophe hängt. Bei rund 800 000
Kindern pro Geburtsjahrgang sind das 8000 pro Jahrgang, ergo 80 000
hoch gefährdete Null- bis Zehnjährige bundesweit. Hinzu kommen rund
15 Prozent Eltern mit massiven Erziehungsproblemen, die vor allem
infolge materieller Armut sehr schlecht zurechtkommen. Und rund ein
Drittel aller Eltern hat erhebliche Schwierigkeiten mit der eigenen
Mutter- oder Vaterrolle, mit vernünftigem Erziehungsverhalten und
Haushaltsführung", sagt Hurrelmann angesichts von Todesfällen wie
Kevin aus Bremen oder Mehmet aus Zwickau.

Hurrelmann fordert ein beherzteres Eingreifen des Staates in
Problemfamilien: "Wenn der Staat seine Fürsorgepflicht wahrnehmen
will, muss er direkt in private Lebensverhältnisse eingreifen."
Gegenüber überforderten Eltern sollten staatliche Stellen mit sanftem
Zwang Hilfe anbieten: "Mit Freiwilligkeit kommen Sie bei den Eltern,
über die wir hier die ganze Zeit reden, nicht weit ... Das Einfachste
wäre, den Besuch des Kindergartens, vielleicht auch den
Schuleintritt, an, sagen wir, fünf Abende zu knüpfen, die alle Eltern
besuchen müssen. Da würden einfach die Standards des Privatraums
Familie und der öffentlichen Institution Kindergarten angeglichen:
'Im Kindergarten werden die Kinder nicht geschlagen, wie sieht es zu
Hause aus?' An solchen Abenden kann man den Eltern konkrete
Vorschläge für kritische Erziehungssituationen anbieten."

Auch am Geldbeutel sollen es nach Ansicht von Hurrelmann Eltern
aus der Unterschicht spüren, wenn sie sich nicht genug um den
Nachwuchs kümmern: "Ich plädiere außerdem dafür, die Zahlung des
Kindergeldes vom Besuch ärztlicher Vorsorgeuntersuchungen abhängig zu
machen. Ich glaube, wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir
sozialstaatliche Leistungen an ein bestimmtes Wohlverhalten des
Empfängers koppeln dürfen. Zumal dieses ausschließlich dem Wohl des
Kindes zugute kommt."

Das komplette ZEIT-Interview der ZEIT Nr. 43 vom 19. Oktober 2006
senden wir Ihnen gerne zu.


Originaltext: DIE ZEIT
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=9377
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_9377.rss2

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Elke Bunse, DIE ZEIT Presse-
und Öffentlichkeitsarbeit (Tel.: 040/3280-217, Fax: 040/3280-558,
E-Mail: bunse@zeit.de)


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