(Registrieren)

WAZ: Die vermurkste Gesundheitsreform - Rösler ist gescheitert - Leitartikel von Daniel Freudenreich

Geschrieben am 22-09-2010

Essen (ots) - Die Regierung findet die Gesundheitsreform
transparent, stabil und gerecht. Minister Rösler ist mit dem
Erreichten sehr zufrieden. Diese schönen Worte lassen eigentlich nur
einen Schluss zu. Offenbar gibt es eine zweite, bislang streng
geheime Gesundheitsreform. Denn das, was Rösler gestern vorgestellt
hat, ist ein vermurkster Kompromiss, der vor allem zu Lasten der
Versicherten geht. Freilich gelingt es Rösler so, das
Elf-Milliarden-Loch der gesetzlichen Kassen für 2011 weitgehend
zuzuschütten. Dafür gebührt Rösler Respekt - zumal er es nicht nur
mit beinharten Lobbygruppen zu tun hatte, sondern auch mit einer CSU,
die nur durch ihre sture Oppositionshaltung von sich reden machte.
Unter dem Strich aber ist Rösler gescheitert. Im Wahlkampf hat die
FDP versprochen, den Gesundheitsfonds abzuschaffen und dem
Kassensystem ein neues Fundament zur Finanzierung zu bauen. Daraus
wurde ein weiter entwickelter Zusatzbeitrag, den die Versicherten nun
als eine Art Mini-Kopfpauschale alleine bezahlen müssen. Eine
gerechte Lastenverteilung sieht nicht nur deswegen anders aus. Rösler
wälzt künftige Kostensteigerungen auf die Arbeitnehmer ab, indem er
den Arbeitgeberanteil für die Gesetzliche Krankenversicherung
einfriert. Das wäre noch vertretbar gewesen, wenn die Koalition einen
Gesundheitssoli eingeführt hätte. Dazu war die FDP nicht bereit.
Unter dem Strich zahlt so der Mittelstand den Löwenanteil an der
Reform. Zum einen über Steuergelder, die in den Sozialausgleich
fließen. Zum anderen erleichtert Rösler Gutverdienern die Flucht zu
den Privatkassen, in dem er den Wechsel erleichtert hat. Das entzieht
dem System der GKV Geld. Dass die Ärzte, Kliniken und Krankenkassen
bluten müssen, macht die Reform nicht viel gerechter. Schließlich
wird dort nicht gekürzt, sondern das künftige Plus knapper bemessen.
Einen großen Sieg hätte Rösler erringen können, indem er die
Pharmaindustrie an die Kandare nimmt. Danach sah es zunächst aus. Da
der Bund bei der Medikamentenzulassung, bei der es für die Konzerne
um immense Gewinne geht, unabhängigen Prüfern hineinreden möchte,
muss sich Rösler den Vorwurf gefallen lassen, dass er vor der
Pharmalobby eingeknickt ist. Ein großer Wurf ist die Reform nicht.
Damit findet sich Philip Rösler in guter Gesellschaft. Weder der
Regierung Schröder noch der Großen Koalition ist ein fundamentaler
Umbau im Gesundheitssystem gelungen. Die nächste Reform ist nur eine
Frage der Zeit.

Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/55903
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_55903.rss2

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

290919

weitere Artikel:
  • Mitteldeutsche Zeitung: zur Gesundheitsreform Halle (ots) - Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ist mit seinem Anliegen, die Finanzierung des Gesundheitssektors von den Arbeitslöhnen abzukoppeln und dem System mehr Wettbewerb sowie Durchschaubarkeit zu verleihen, weitgehend gescheitert. Das liegt zum Teil daran, dass es die CSU schon in den Koalitionsverhandlungen verstanden hatte, präzise Festlegungen zu vermeiden. Rösler scheitert aber auch an der eigenen Inkonsequenz. Der Wettbewerb wird keineswegs überall gestärkt. Eine Wahlfreiheit zwischen gesetzlichen Kassen mehr...

  • Weser-Kurier: Der Weser-Kurier (Bremen) zur Gesundheitsreform Bremen (ots) - Dass der "mündige Patient" es nun richten soll, dass Transparenz ins System kommt und durch Kontrolle der Arztrechnung ungerechtfertigte Kosten verhindert werden, ist nicht viel mehr als eine Träumerei des Ministers. Medizinisch Notwendiges von überflüssigen Untersuchungen zu unterscheiden, ist den meisten Menschen gar nicht möglich. Zudem wird das Kassendefizit so getilgt, dass diese in den nächsten Jahren mit dem festgesetzten Einheitsbeitrag auskommen. Wie aber soll Wettbewerb entstehen, wenn der Beitrag fast mehr...

  • Lübecker Nachrichten: Doku-Soap von RTL soll Tod von Uwe Barschel klären. TV-Experte nennt die Sendung "pure Volksverdummung". Lübeck (ots) - Der Privatsender RTL will mithilfe einer Hellseherin Licht ins Dunkel um den mysteriösen Tod des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel (1944-1987) bringen. "Das Medium" heißt eine 45-minütige Pilotsendung, in der Kim-Anne Jannes (38) versucht, mit dem toten Barschel Kontakt aufzunehmen. Unterstützt wird sie dabei von der 63-jährigen Witwe des CDU-Politikers, Freya Barschel, in deren Möllner Wohnhaus auch gedreht wurde. Das berichten die "Lübecker Nachrichten" (Donnerstag-Ausgabe). Ausgestrahlt mehr...

  • Ostthüringer Zeitung: Kommentar Ostthüringer Zeitung Gera Gera (ots) - Ostthüringer Zeitung Gera zu Gesundheitsreform: Das, was Rösler gestern vorgestellt hat, ist ein vermurkster Kompromiss, der vor allem zu Lasten der Versicherten geht. Rösler wälzt künftige Kostensteigerungen auf die Arbeitnehmer ab, indem er den Arbeitgeberanteil für die Gesetzliche Krankenversicherung einfriert. Das wäre noch vertretbar gewesen, wenn die Koalition einen Gesundheitssoli eingeführt hätte. Dazu war die FDP aber nicht bereit. Originaltext: Ostthüringer Zeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/74527 mehr...

  • Rheinische Post: Röslers Mini-Prämie Düsseldorf (ots) - Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat in der Debatte um seine erste große Reform viele Federn lassen müssen. Er hat sich von seinem Modell einer echten Gesundheitsprämie verabschieden müssen. Er wurde von der CSU gedemütigt und ist vom Hoffnungsträger der FDP zu einem unbeliebten Minister abgesunken. All das in nur knapp einem Jahr. Dennoch ist es ihm gelungen, die Reform ruhig und entschlossen über die Bühne zu bringen. Im Grunde hat er das Gesundheitssystem nach dem Prinzip seiner Vorgängerin Ulla Schmidt mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht