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Berliner Morgenpost: Ein neues Bündnis in Berlin - Kommentar

Geschrieben am 01-05-2010

Berlin (ots) - Mal angenommen, ein Marsmensch landete mit seinem
Raumschiff am Abend des 1. Mai irgendwo in Berlin. Der Außerirdische
wüsste nichts von den merkwürdigen Ritualen, die sich seit fast einem
Vierteljahrhundert alljährlich in der deutschen Hauptstadt abspielen.
Womöglich würde der Marsianer eine entwaffnend naive Frage stellen:
Wenn die Entscheider der Stadt wissen, dass es mit hoher
Wahrscheinlichkeit zu Gewalt kommt; wenn demokratiefeindliche Gruppen
nichts als Provokation im Sinn haben, den sie über Monate
generalstabsmäßig vorbereiten, wenn die Bürger die Nase voll haben
von der Randale - warum setzt die Stadt dann nicht alles daran, jede
Art von Krawall konsequent zu unterbinden? Für den 1. Mai 2010 haben
Bürger und Einsatzkräfte offenbar einiges aus den verunglückten
Operationen der vergangenen Jahre gelernt. Mit bemerkenswerter
Konsequenz wurden fast 300 Neonazis, die sich auf dem Kudamm, weit
abseits des genehmigten Wegs, versammelt hatten, festgenommen und
abtransportiert. Blockierfreudige Bürger assistierten eindrucksvoll
dabei, den geplanten Demonstrationsweg zu verbauen. Die große
Koalition aus Bürgern und Uniformierten schien auf der Gegenseite
Eindruck hinterlassen zu haben. Die Gegendemonstration in Kreuzberg,
die vergangenes Jahr noch Initialzündung für schwere Krawalle gewesen
war, verlief auch nach dem offiziellen Ende vergleichsweise ruhig.
Der gemeinsame Feind, die Glatze, war in Schach gehalten worden;
sämtlichen Verschwörungstheorien waren damit hinfällig. Trotz
vereinzelter Gewalttätigkeiten war es ein bemerkenswert ruhiger Tag.
Die vorläufige Bilanz eines 1. Mai, der vorab vielfach zur blutigen
Schlacht hochgeputscht worden war: Der großen Mehrheit der Berliner
schien der Sinn nicht nach Rabatz zu stehen, sondern nach einer
Demonstration entschlossener Gelassenheit. Keiner Gruppe gelang es in
diesem Jahr, die Stadt zu radikalisieren. Offenbar haben sich die
Frontstellungen verändert. Galt früher die Polizei vielen als der
große Feind, scheinen es inzwischen die, oftmals angereisten,
Krawallprofis zu sein, gegen die sich der Unmut der Mehrheit richtet.
Möglich, dass das absurde Gesellschaftsspiel der vergangenen Jahre,
als es vor allem darum ging, die Grenzen des Staats und seiner Bürger
auszutesten, so langsam seinen Reiz verliert. Schließlich hatte der
1. Mai seine politischen Traditionen längst eingebüßt; vielmehr
herrscht ein von der Mehrheit verabscheuter Ausnahmezustand. Dass
Tausende friedliche Blockierer den Marsch der Neonazis verhinderten,
illustriert den verbreiteten Überdruss eindrucksvoll. Ein breites
Bündnis aus Bürgern und Gesetzeshütern hat die Stadt verteidigt und
den Beweis erbracht, dass Radikale gegen Konsequenz, Besonnenheit und
Engagement keine Chance haben.

Originaltext: Berliner Morgenpost
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/53614
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_53614.rss2

Pressekontakt:
Berliner Morgenpost

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de


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