(Registrieren)

Berliner Morgenpost: Vertrauen schaffen, um Sicherheit zu produzieren - Leitartikel

Geschrieben am 05-02-2010

Berlin (ots) - Mit der Fokussierung der Aufmerksamkeit von Politik
wie Öffentlichkeit auf die innenpolitischen Problemfelder gerät in
Deutschland die Gefährdung des Weltfriedens bedenklich aus dem
Blickfeld. Aber die Fortsetzung der längsten Friedensperiode unserer
Geschichte ist keine Selbstverständlichkeit. Die Sicherheitslage auf
dem gesamten Globus ist weit bedrohlicher, als es der politische
Diskurs außerhalb von Expertenrunden wahrhaben will. Der
internationale Terrorismus, die befürchtete atomare Aufrüstung des
Iran wie die von weiteren mittlerweile 40 Staaten, denen man den Bau
eigener Nuklearwaffen zutraut, sind keine regionalen
Friedensbedrohungen, sondern weltweite. Sie gefährden direkt oder
indirekt auch uns.
Reden ist besser als schießen, pflegte der frühere Bundeskanzler
Helmut Schmidt politisch zu predigen. Es kann also gar nicht genug
Gespräche und Konferenzen geben, in denen die existenziellen Probleme
der Menschheit thematisiert werden. In Berlin haben sich in dieser
Woche sieben "elder statesmen" (u. a. Helmut Schmidt, Richard von
Weizsäcker, Henry Kissinger und der frühere US- Außenminister George
Shultz) getroffen und für ihre Vision einer atomwaffenfreien Welt
geworben. In der Münchener Sicherheitskonferenz sitzen bis morgen
aktive Politiker zusammen, um über Abrüstung, Abwehr von Terrorismus
und Perspektiven für Afghanistan zu diskutieren. Informelle Treffen
wie diese lösen keine Probleme. Aber sie sind als offenes
Gesprächsforum weit besser als offizielle Konferenzen bis hin zu
ritualisierten Gipfeltreffen geeignet, Meinungen ehrlich
auszutauschen und neue Gedanken zu ventilieren.
München bietet dafür einmal mehr aufschlussreichen
Anschauungsunterricht. Mit der überraschenden Selbstanmeldung des
iranischen Außenministers Manuschehr Mottaki kann die Welt endlich
testen, ob es der Iran ernst meint, seinen Atomstreit mit dem Rest
der Welt zu entschärfen. Eine Bombe in den Händen der Mullahs in
Teheran würde Israel und damit zumindest indirekt auch Deutschland
bedrohen. Die Reden der Außenminister Russlands und Chinas lassen
Aufschluss darüber erhoffen, welche Erwartungen das wieder
selbstbewusste Moskau und das zum globalen Mitspieler aufgestiegene
Peking für eine gemeinsame Friedenssicherung mit dem Westen hegen.
Letzterer - in der Organisationsform der Nato selbst noch auf der
Suche nach einer neuen Strategie - muss seinerseits eine zentrale
Frage insbesondere der Russen und Chinesen beantworten: Wie ehrlich
ist der vom US-Präsidenten Barack Obama proklamierte Abschied vom
selbst ernannten Weltpolizisten?
Angesichts der veränderten weltweiten Bedrohungslage und neuer
globaler Mitspieler kann kein Land, kein Bündnis allein Terrorismus,
nukleare Erpressung und letztlich Kriege bezwingen. Das ist nur zu
erreichen durch gemeinsames, Vernunft gesteuertes Handeln der Großen
dieser Welt. Dafür ist mehr gegenseitiges Vertrauen als bislang
nötig. Konferenzen wie die in München bereiten dafür den Boden.

Originaltext: Berliner Morgenpost
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/53614
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_53614.rss2

Pressekontakt:
Berliner Morgenpost
Chef vom Dienst
Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

250409

weitere Artikel:
  • Mitteldeutsche Zeitung: zu Griechenland/Euro Halle (ots) - Griechenlands Finanzkrise war seit langem absehbar. Und die EU-Partner tragen Mitverantwortung an der Malaise. Schon in den 90er Jahren warnten viele Fachleute, es sei riskant, ein Land mit derartig krassen Wettbewerbsschwächen und so hoher Staatsverschuldung in die Währungsunion aufzunehmen. Im Fall Griechenlands kam erschwerend hinzu, dass sich die Athener Regierung den Zugang zur Eurozone mit geschönten Statistiken erschlich. Das war zwar schon seinerzeit ein offenes Geheimnis, doch die EU sah großzügig darüber hinweg. mehr...

  • RNZ: Rhein-Neckar-Zeitung, zu: FDP Heidelberg (ots) - Der Hysterie des demoskopischen Zahlenzaubers sind kleine Parteien stärker ausgeliefert als große. Im Falle der FDP ist die virtuelle Demontage durch die Momentaufnahmen der Wählerstimmungen so eklatant, dass sie den Zentralnerv der Westerwelle-Partei treffen. Der grandiose Übermut weicht dem flauen Gefühl beim Anblick davonschwimmender Felle. Was hat die FDP falsch gemacht? Sie hat politische Speckseiten ins Schaufenster gehängt, die sie nicht oder nur stückweise liefern kann. Aber dass die Partei hinsichtlich ihrer mehr...

  • Stuttgarter Nachrichten: zum Geschäft mit Steuerdaten Stuttgart (ots) - Jetzt rächt sich oder macht sich bezahlt - je nach Standpunkt -, dass die Bundesregierung einmal grundsätzlich Ja gesagt hat. Wer der Ansicht ist, dies sei der richtige Weg, um Steuersündern das kriminelle Handwerk zu legen, muss auch jetzt applaudieren. Wer hingegen den Standpunkt vertritt, die Politik habe sich auf eine abschüssige Bahn begeben, der erschrickt, wie schnell der Rechtsstaat erneut in eine kompromittierende Situation gebracht wird. Aus dem Einmalangebot entwickelt sich ein Wochenmarkt der Datendiebe. mehr...

  • Rheinische Post: Mindestrente ist keine Lösung Düsseldorf (ots) - Mit der Altersarmut verhält es sich wie mit dem Klimawandel. Es gibt viele eindeutige Prognosen, aber nur wenige Anzeichen, dass es eines Tages wirklich schlimm kommen wird. Das macht es schwierig, rechtzeitig auf die Bedrohung zu reagieren, dafür politische Mehrheiten und finanzielle Mittel zu finden. Die breite Mehrheit der Bevölkerung, die heute jung oder mittleren Alters ist, wird auch im Seniorenalter auskömmlich leben können. Dafür wurden viele sinnvolle und notwendige Reformen umgesetzt: die staatlich geförderte mehr...

  • Rheinische Post: Jugend von heute Düsseldorf (ots) - In Bochum hat jetzt ein 17-Jähriger Straßenräuber durch eine rekordverdächtige Rückfallgeschwindigkeit auf sich aufmerksam gemacht. Noch an dem Tag, als er in seiner Gerichtsverhandlung knapp an einer Gefängnisstrafe vorbeigekommen war, überfiel er zwei weitere Opfer. Meist sind es Nachrichten wie diese, die das schlechte Image der "Jugend von heute" prägen. Nun zeichnet der Kinder- und Jugendbericht der Landesregierung ein ganz anderes Bild. Fast alle Jugendlichen schaffen einen Schulabschluss, jeder dritte engagiert mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht