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Börsen-Zeitung: Ackermanns großes Kino, Kommentar von Bernd Wittkowski zur Jahrespressekonferenz der Deutschen Bank

Geschrieben am 04-02-2010

Frankfurt (ots) - Jahrespressekonferenzen der Deutschen Bank sind
traditionell großes Kino. Vor allem natürlich dann, wenn der
Hauptdarsteller einen guten Tag hat. Josef Ackermann hatte am
Donnerstag einen guten Tag. Der Vorstandsvorsitzende hat seine
anspruchsvolle Aufgabe mit Schweizer Bierruhe und Präzision erledigt
und die Agenda, die bei diesem Event über Geschäftszahlen, Strategie,
Regulierung oder volkswirtschaftliche Themen hinaus stets auch Fragen
von Kultur, Moral oder Weltpolitik umfasst, souverän abgearbeitet.

Banker sind geborene Buhmänner. In besseren Zeiten werden die
"Wucherer" wegen ihres Erfolges angefeindet, in weniger guten Zeiten
wegen ihres Misserfolges. Und in Krisenzeiten wie heute ist es für
maßgebliche Teile der Politik und der Öffentlichkeit sowieso die
allerleichteste Übung, sie für alle Übel dieser Welt verantwortlich
zu machen. Auch insofern nehmen der Branchenprimus und sein
Spitzenmann eine herausgehobene Stellung ein. Im aktuellen Umfeld, in
dem es für den Boulevard nur wenige Themen zu geben scheint, die
spannender sind als die Vergütungsstrukturen von Investmentbankern
und Führungskräften der Kreditwirtschaft, bedeutet das eine ganz
besondere Herausforderung für den Chef einer Bank, die 30 Monate nach
Beginn der säkularen Weltfinanzkrise einen Jahresgewinn von 5Mrd.
Euro erzielt hat und vor Kapitalkraft kaum laufen kann. Denn wohl nie
zuvor war es schwieriger, auf die konträren Interessen sämtlicher
Stakeholder zumindest einzugehen; zu aller Zufriedenheit gerecht
werden lässt sich ihnen ohnehin nicht. Zu diesen Anspruchsgruppen
gehören ja aus gegebenem Anlass mehr denn je nicht zuletzt Politik
und Regulatoren.

An der Gewinnverteilung wird der Konflikt beispielhaft deutlich.
Ihre 580000 Aktionäre speist die Deutsche Bank, die im
zurückliegenden Geschäftsjahr beim Vorsteuergewinn einen Swing von
fast 11 Mrd. Euro hingelegt hat, mit einer Ausschüttungsquote von
weniger als 10% ab. Im Moment stehe nicht die Erfolgsbeteiligung der
Anteilseigner im Fokus, sondern die Kapitalstärkung, sagt Ackermann.
Wie wahr! In BaFin und Bundesbank wird man es sehr gerne gehört
haben. Was den vernünftigen Umgang mit knappen finanziellen Mitteln
zumal in Krisenzeiten angeht, können sogar schwäbische Hausfrauen und
Berliner Politiker vom Chef der Deutschen Bank noch etwas lernen.
Dass ihre Bank nach herkömmlichen Maßstäben eher überkapitalisiert
erscheint, sollte aber auch aus Sicht der Aktionäre kein Grund für
Wehgeschrei sein. Niemand weiß, was aus Basel und anderen Kapitalen
der Regulierung noch auf das Bankgewerbe zukommt - auch auf
Krisengewinner, die bisher ohne unmittelbare Staatshilfe über die
Runden kamen.

Ebenso wie diese Gratwanderung gelingt Ackermann jene beim Thema
Boni. Logisch: Gute, gar leidenschaftliche Leistungen müssen
angemessen honoriert werden, übrigens auch für Vorstandsmitglieder.
Die Leute wollen für weitere besondere Anstrengungen motiviert werden
und sollen nicht zur Konkurrenz überlaufen. Andererseits löst in der
aufgeheizten Diskussionsatmosphäre dieser Tage alles, was auch nur
entfernt nach Vergütungsexzess riecht, nicht nur einen öffentlichen
Aufschrei der Empörung, sondern womöglich auch neue hektische
Aktivitäten von Aufsichtsseite aus. Ein Anstieg der Personalkosten um
18% bei verdoppelten Erträgen und eine Personalaufwandsquote von gut
40% mögen da nach innen hinreichend Anerkennung und Ansporn sein,
während sie nach außen dabei helfen, den Anschein einer Provokation
zu vermeiden.

Einen weiteren überzeugenden Beleg dafür, dass jedenfalls die
Deutsche Bank in der neuen Welt angekommen ist, liefert das
Eindampfen der Bilanz um ein Drittel. 700 Mrd. Euro, großteils
Handelsaktiva, haben sich 2009 in Luft aufgelöst. Auch dies war eine
Art von "Kreditersatzgeschäften", wie sie Ackermann einigen "etwas
naiv" agierenden Landesbanken vorwirft. Der entscheidende Unterschied
besteht darin, dass die Deutsche Bank in aller Regel wusste, was sie
tat. Unabhängig davon hat dieses Geschäftsmodell, das sich durch
große Volumina und kleine Kapitalunterlegung "auszeichnete", in einer
Zeit, in der alle Welt auf den Faktor des Hebels schaut, ausgedient.
Hohen Respekt verdient, wie es der Bank gelingt, den Wegfall dieses
riesigen Ertragspotenzials durch mindestens ebenso renditeträchtige,
aber offenbar nachhaltigere Aktivitäten zu kompensieren.

Die zeitgemäße Balance hat Ackermann auch auf dem weiten Feld der
Regulierung gefunden: klares Bekenntnis zur Notwendigkeit einer
effektiveren Kontrolle des Finanzsektors und nicht einmal ein Verriss
britisch-französischer Boni-Sondersteuern oder potenziell
einschneidender Obama-Pläne - aber zugleich eine in diplomatische
Worte verpackte, dennoch vernehmliche Warnung vor nachteiligen Folgen
für Finanzsystem und Volkswirtschaft, sollte der Bankensektor durch
übertriebene Konsequenzen aus der Krise allzu stark in seiner
Leistungsfähigkeit eingeschränkt werden.

Das alles vorgetragen in einem ausgewogenen Verhältnis von
nonchalanter Sachlichkeit, gebremstem Stolz auf das Erreichte,
demonstrativer Zuversicht in die künftigen Chancen sowie authentisch
wirkender Demut vor der höheren Macht von Politik und Regulatoren:
Nicht nur von der Handlung her, auch hinsichtlich der Art der
Darbietung war für alle relevanten Stakeholder etwas dabei. Großes
Kino eben.

(Börsen-Zeitung, 5.2.2010)

Originaltext: Börsen-Zeitung
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Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
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