(Registrieren)

Berliner Morgenpost: Zusatzhypotheken für die Generation Übermorgen - Leitartikel

Geschrieben am 01-12-2009

Berlin (ots) - Wie das Ganze ausgeht, wussten die Haushälter der
schwarz-gelben Koalition schon, als es die schwarz-gelbe Koalition
noch nicht einmal gab. Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, das damals
noch Steuersenkungsversprechen hieß, werde dem Bund schon noch ein
paar Zusatzausgaben bescheren. Diejenigen nämlich, die anfielen, um
den Ländern ihre Zustimmung zu diesem Gesetz abzukaufen. Bis in den
späten Abend des Tages vor der Bundesratssitzung werde dann
entsprechend gefeilscht auf Teufel komm raus. Die Rechnung gehe an
die Allgemeinheit, vorzugsweise an den Steuerbürger der übernächsten
Generation. Und so kommt es nun auch.
Unser künftiger Steuerzahler hat damit allerdings ein doppeltes
Handicap: Er wird einer unübersehbaren Armee von Leistungsempfängern
gegenüberstehen, deren Bedarf er ebenso zu finanzieren hat wie jene
Schulden, die der Großteil genau dieser Leistungsempfänger, die
zukünftigen Rentner, ihm hinterlassen hat. Aus dieser Falle wird dann
kein Wachstumsbeschleunigungsfolgegesetz der Welt mehr helfen können.
Dies bedenke, wer in diesen dunkelwarmen Dezembertagen den
Mehrwertsteuersatz für Hotelübernachtungen senken, ein Betreuungsgeld
einführen oder vergleichbar zweifelhafte Präsente unter die Leute
bringen möchte.
"Ihr habt sie doch nicht mehr alle", soll der schleswig-holsteinische
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen seinen politischen Kumpanen
in diesem Zusammenhang wörtlich bescheinigt haben. Das ist ein
Tonfall, der nicht unbedingt dem Komment des Berliner Politik-Adels
entspricht, aber der emotionale Ausruf des finanziell ohnehin schon
bewegungsunfähigen Nordfriesen trifft den Nagel womöglich sehr viel
präziser auf den Kopf als die nüchternen Analysen jener
schwarz-gelben Regierungsökonomen, die Bund, Länder und Gemeinden
derzeit um Kopf und Kragen rechnen.
Das Verdikt des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Rüttgers
zum Beispiel, man müsse jetzt unbedingt in Wachstum investieren, um
rauszukommen aus der Abwärtsspirale, gleicht jenem eines
Wettspekulanten, der sich zwangsläufig auf der Siegerseite wähnt,
indem er jede verlorene Wette mit doppeltem Einsatz bei der nächsten
ausgleicht. Das geht eine Weile gut, aber irgendwann ist Schluss mit
lustig und die Pleite unvermeidbar. Dass Rüttgers dieses Fazit ein
halbes Jahr vor seiner Landtagswahl nicht ziehen möchte, ist
verständlich, wird aber auch für alle anderen teuer.
Man liest viel in diesen Tagen darüber, dass Angela Merkel sich
streitet mit Bankern und Bankiers über die Unfähigkeit dieser, aus
der Finanzkrise des vergangenen Jahres die passenden, ein ähnliches
Desaster vermeidenden Konsequenzen zu ziehen. Die kommenden Tage
wären der richtige Zeitpunkt, in diesen Streit auch mit Politikern
einzutreten, die Klientelpolitik immer noch mit Wirtschaftspolitik zu
verwechseln scheinen. Und die drauf und dran sind, dem Land in sehr
schwierigen Zeiten Zusatzhypotheken aufzuladen, die auch die
Generation Übermorgen nicht mehr wird abtragen können.

Originaltext: Berliner Morgenpost
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/53614
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_53614.rss2

Pressekontakt:
Berliner Morgenpost

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

240086

weitere Artikel:
  • Neue Westfälische: Neue Westfälische (Bielefeld): Schwerverbrecher Peter Paul Michalski gefasst Ein Lob der Polizei HUBERTUS GÄRTNER Bielefeld (ots) - Das Ende sah harmlos aus. Es hätte auch einem Road-Movie entstammen können: Der flüchtige Schwerverbrecher Peter Paul Michalski (46) strampelt auf einem gestohlenen Fahrrad eine triste Bundesstraße am Niederrhein entlang. Die Elitepolizisten folgen hartnäckig seiner Spur. Sie holen den erschöpften Killer, der vor Kälte bibbert, schließlich aus dem Sattel und legen ihm Handschellen an. Das Bild ist geeignet, den Schrecken zu verdrängen, den Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski seit ihrem Gefängnisausbruch über das mehr...

  • Südwest Presse: Kommentar zum Thema Sonntagsverkauf Ulm (ots) - Salomonisch - so lässt sich das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Sonntagsverkauf in Berlin am besten charakterisieren. Die Karlsruher Richter schützen zwar den Sonntag überraschend deutlich als einen besonderen Tag, an dem nicht der Kommerz dominieren soll. Aber sie haben gleichzeitig so viele Ausnahmen zugelassen, dass es klingt, als würden sie ihrem eigenen Mut nicht trauen. Für die evangelische und die katholische Kirche ist das Urteil nur auf den ersten Blick ein Triumph. Zwar haben ihnen die Richter Recht gegeben, mehr...

  • Kölnische Rundschau: Kölnische Rundschau Kommentar zum Arbeitsmarkt Köln (ots) - Aufbäumen Stefan Wolff zum Arbeitsmarkt Das vermeintliche Jobwunder in Deutschland scheint sich fortzusetzen. Die Krise belastet den Arbeitsmarkt nicht so stark, wie Experten es befürchtet hatten. Natürlich hat sich die Lage auch wegen der statistischen Rechenkünste in Nürnberg so gut gehalten. Und auch die massenhafte Kurzarbeit stabilisiert den Arbeitsmarkt. Doch die dürften in den kommenden Monaten enden. Außerdem schließen Karstadt-Filialen, das Ende der Abwrackprämie stellt Autohersteller und -verkäufer vor mehr...

  • Kölner Stadt-Anzeiger: Vorsitzender des Bundeswehrverbands fordert juristische Klarheit für Soldaten im Auslandseinsatz Köln (ots) - Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hat juristische Klarheit für Soldaten im Auslandseinsatz gefordert. "Die Politik und das Verteidigungsministerium stellen nicht genug Rechtssicherheit her", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Mittwoch-Ausgabe) mit Blick auf den Luftangriff von Kundus sowie einen Oberfeldwebel, der an einem ebenfalls bei Kundus gelegenen Checkpoint im August 2008 mehrere Zivilisten erschoss und gegen den die Ermittlungen erst nach einem dreiviertel Jahr eingestellt wurden. "Wenn es mehr...

  • Rheinische Post: Ein Lichtlein der Vernunft Düsseldorf (ots) - In unserer Gesellschaft nimmt "Shopping" zunehmend den Status einer Ersatzreligion ein. Gleichzeitig klagen viele Menschen über Stress und vermissen den Sinn in ihrem Leben. Deshalb schon ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu begrüßen, das sich gegen die Öffnung aller Berliner Geschäfte an den Adventssonntagen ausspricht. Erneut beweisen die Richter mehr Menschenverstand als viele Politiker. In diesem Fall war es ausgerechnet der rot-rote Berliner Senat, der die Axt an eine der Wurzeln unseres Gemeinwesens mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht