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Börsen-Zeitung: Riskanter Goldrausch, Börsenkommentar "Marktplatz", von Christopher Kalbhenn.

Geschrieben am 13-11-2009

Frankfurt (ots) - So manches erinnert dieser Tage an den
legendären Goldrausch am Klondike River in Kanada. Ende des 19.
Jahrhunderts stürmten die Massen, die in einer Wirtschaftskrise ihre
Existenzgrundlage verloren hatten, jene unwirtliche Gegend, getrieben
von der Hoffnung, reich zu werden. Viele bezahlten ihren Wagemut mit
dem Leben. Ähnlich fürchterliche Ereignisse drohen dieser Tage zwar
nicht. Dennoch ist derzeit so etwas wie ein Goldrausch zu beobachten,
der durchaus gewisse Risiken für die Anleger birgt.

Ein neuerlicher Schub hat den Preis für die Feinunze Gold nicht
nur wieder über die Schwelle von 1000, sondern gleich auch noch über
die Marke von 1100 Dollar getrieben. Beinahe im Tagesrhythmus werden
Rekordpreise erreicht. Treibende Kraft sind derzeit Käufe von
Notenbanken und die Spekulation darauf, dass sich diese noch
erheblich ausweiten könnten. Um die Jahrtausendwende gehörten
Zentralbankverkäufe noch zu den Hauptgründen, die den Goldpreis auf
Tiefen von 250 drückten. Dieser Tage denken Währungshüter aus den
Schwellenländern, die über erhebliche, überwiegend auf Dollar
lautende Devisenreserven verfügen, dagegen über eine Diversifizierung
in das gelbe Metall nach, um sich gegen eine Abschwächung der
US-Währung abzusichern. Für Aufsehen sorgte jüngst die Nachricht,
dass Indien 200 Tonnen vom Internationalen Währungsfonds gekauft hat.
Da zudem die Notenbanken der Industrieländer kaum noch Gold anbieten,
sind die Zentralbanken insgesamt im Begriff, vom Nettoverkäufer zum
Nettokäufer zu mutieren.

Bis auf 1123 Dollar hat die Erwartung, dass Notenbankkäufe das
Angebot verknappen könnten, die Feinunze getrieben. Damit hat sie in
diesem Jahr bereits bis zu 28% gewonnen. Ein Teil der Analysten hält
nun erhebliche weitere Kurssteigerungen für möglich und die Schwelle
von 1500 Dollar im kommenden Jahr für erreichbar. Hintergrund ist die
Erwartung, dass die Anlegermassen nun einen neuerlichen Run auf Gold
starten könnten. Die Liquiditätsschwemme und die Goldfonds hatten den
Preis mit umfangreichen Käufen bereits in die Höhe getrieben, bevor
die Notenbank-Fantasie aufkam. Neben diffusen Ängsten vor
Währungsreformen und neuerlichen Finanzkrisen ist es insbesondere die
Angst vor stark steigenden Inflationsraten, die die Anleger in das
vermeintlich sichere Edelmetall treibt.

Dass Gold ein adäquates Mittel ist, um sich gegen Geldentwertung,
Währungsreformen und ökonomische Auflösungserscheinungen à la
Argentinien zu schützen, ist unbestritten. Allerdings sollten
Anlageberater in der derzeitigen Lage davon absehen, das gelbe Metall
als sicheres Investment anzupreisen. Das verbieten allein schon die
im Vergleich zu früher wesentlich heftigeren Preisschwankungen des
Metalls. Die Kehrseite möglicher weiterer Gewinne aufgrund der
Liquiditätsschwemme sind Rückschlagsrisiken. Denn die Voraussetzungen
der Gold-Hausse könnten sich unter Umständen schnell wieder auflösen.

Das größte Risiko ist das Ende der ultralockeren Geldpolitik und
damit verbunden ein Anstieg des Dollar sowie auch der Zinsen. Gold
würde damit nicht nur die Hauptantriebskraft seiner gegenwärtigen
Rally verlieren, sondern erhielte auch im Zinsbereich Konkurrenz als
Anlageform. In einem solchen Szenario könnte die Feinunze in Bereiche
deutlich unterhalb von 1000 Dollar fallen. Auch sind einige der
Grundannahmen, mit denen der Optimismus für Gold begründet wird, zu
hinterfragen. Es scheint alles andere als sicher zu sein, dass die
Zentralbanken auf deutlich erhöhten Preisniveaus ihre Goldkäufe
kräftig hochfahren. Auch die Spekulation auf eine dramatische
Verknappung hat ihren Haken. Mit jeder 100-Dollar-Schwelle, die die
Feinunze überschreitet, werden zuvor unbrauchbare Vorkommen für die
Förderung immer lukrativer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das
Angebot aus der Förderung wieder anziehen wird.

Dass die Güterinflation in absehbarer Zeit stark steigen wird, ist
außerdem bislang nur eine Vermutung. Wird sie bei schwachem Wachstum
wirklich kräftig anziehen können? Zu sehen ist derzeit keine
Güterinflation, sondern ausschließlich eine Asset-Inflation, und
diese hat unter anderem auch den Goldpreis erfasst.

(Börsen-Zeitung, 14.11.2009)

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
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Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
Weitere Informationen: www.boersen-zeitung.de


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