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Westdeutsche Zeitung: Das Duell, das gar keines sein konnte Von Friedrich Roeingh =

Geschrieben am 13-09-2009

Düsseldorf (ots) - Wahlbetrug!, möchte man rufen. Und dieses Mal
richtet sich der Schlachtruf der Enthüllung nicht nur an die
Verschleierer der Politik, sondern auch an jene vier TV-Sender, die
bei ihrer täglichen Jagd nach Zuschauer-Quoten noch mehr oder weniger
ausgeprägt an ernsthafter politischer Willensbildung mitwirken
wollen.

Rund 20 Millionen TV-Zuschauer sind gestern abend Zeugen einer Art
doppelten Wahlbetrugs geworden. An den ersten haben wir uns längst
gewöhnt: Obwohl wir in Deutschland das Parlament und eben nicht den
Kanzler wählen, sind uns die Duelle der Spitzenkandidaten von Union
und SPD zu einem lieben Ritual auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs
geworden. Allerdings hatten auch schon die vergangenen Begegnungen
zwischen Gerhard Schröder und Edmund Stoiber und Gerhard Schröder und
Angela Merkel größere Bedeutung für den medialen Deutungsstreit, wer
sich denn nun besser geschlagen habe, als für den tatsächlichen
Ausgang der Bundestagswahl.

So langweilig wie diesmal war das Duell allerdings noch nie. Und
das lag nicht nur an den hinlänglich bekannten Temperamenten von
Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Es lag am zweiten
Wahlbetrug. Alle Welt weiß: Steinmeier tritt - den Unzulänglichkeiten
der Demoskopie zum Trotz - längst nicht mehr als Kanzlerkandidat,
sondern als Kandidat zur Fortsetzung seiner Vizekanzlerschaft an. Das
haben gestern abend nicht nur er selbst, sondern auch die vier
Moderatoren von ARD und ZDF und RTL und Sat 1 konsequent zu
verschleiern versucht. Dass Steinmeier etwas lebhafter als die
Kanzlerin agierte und bei den Streitthemen Atomkraft,
Finanzmarktkontrolle und realistischer Steuerpolitik punktete, konnte
daran nichts ändern.

Die Wahlentscheidung 2009 lautet in Wahrheit nicht Merkel oder
Steinmeier. Die Wahlentscheidung 2009 lautet Schwarz-Gelb oder Große
Koalition II. Es hätte in dieser Runde schon einen Guido Westerwelle
gebraucht, um offenzulegen, wie sozialdemokratisch die CDU inzwischen
geworden ist. Und es hätte auch eines Oskar Lafontaine bedurft, um
den Wählern mit linker Grundüberzeugung ein Gefühl dafür zu geben, ob
jeder, der mehr Gerechtigkeit verspricht, auch vertrauenswürdig ist.

Originaltext: Westdeutsche Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/62556
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Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211 / 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de


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