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Lausitzer Rundschau: Nordkoreas Raketentests brüskieren die Welt / Eine Diktatur pokert

Geschrieben am 26-05-2009

Cottbus (ots) - Das Regime in Nordkorea schirmt sich besser von
der Außenwelt ab als jeder andere Staat. So wird das Nachdenken über
die Motive für seine fortgesetzte nukleare Aufrüstung zwangsläufig
zur Spekulation. Mit dem jüngsten Atomtest und einer Serie von
Raketenstarts hat Pjöngjang aber mit Sicherheit auch die geballte
weltweite Aufmerksamkeit gesucht, die es jetzt findet. Ob und wie
weit dieses martialische Vorgehen auch oder vielleicht sogar in
erster Linie innenpolitische Gründe hat, lässt sich dagegen nur
schwer beurteilen. Denn auch die besten Kenner des Landes geben offen
zu, dass sie über die derzeitigen Machtverhältnisse zu wenig wissen.
Die Diktatur, die sich revolutionär gibt, tatsächlich eine der
grausamsten Familiendynastien der modernen Geschichte ist, sieht
jedenfalls in der Fähigkeit zu einem Atomschlag eine Chance für den
Machterhalt. Der unumschränkte Herrscher Kim Jong Il will sich nicht
der Gefahr aussetzen, wie Iraks früherer Diktator Saddam Hussein zu
enden. Und er pokert weiter um Anerkennung und Hilfe für seine
anfällige Volkswirtschaft.
Bislang hat ihm dabei vor allem die chinesische Führung geholfen. Sie
sah in Kim das kleinere Übel und hatte wenig Interesse an einer
Entwicklung, die mit der Wiedervereinigung des Landes enden könnte.
Aber auch in Peking setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass
das nordkoreanische Regime zu einem immer größeren Risiko wird.
Das nordkoreanische Waffenarsenal, bescheiden im Vergleich zu allen
anderen Atommächten, hat hinreichend abschreckende Wirkung, um jede
militärische Intervention von außen auszuschließen. Aber dies war
auch angesichts der konventionellen Aufrüstung Pjöngjangs sowieso
keine Option für den Süden des Landes und die USA. Sollten die Bomben
lediglich als eine Art zusätzliches Schutzschild für die
Familiendiktatur dienen, wäre es für die Außenwelt kaum mehr als ein
schreckliches Ärgernis. Tatsächlich aber ist das Regime nicht
berechenbar genug, als dass man andere Entwicklungen ausschließen
könnte. Nordkoreas Plutonium kann für jeden und jederzeit zur
tödlichen Gefahr werden. Insofern sind die Befürchtungen
gerechtfertigt, die aus Washington kommen.
Für den amerikanischen Präsidenten Barack Obama ist die jüngste
Entwicklung eine der schwersten Herausforderungen seit seinem
Amtsantritt. Er hat nur sehr bescheidene Möglichkeiten, die
Entwicklung zu beeinflussen, aber alle Welt erwartet von ihm eine
Reaktion.
Wenn Barack Obama seinen Wahlkampfreden treu bleibt, wird er
versuchen, andere Staaten wie China und Russland stärker in die
Verantwortung zu nehmen. In den USA wäre solch eine Politik
allerdings nur schwer zu erklären und würde von vielen als Zeichen
der Schwäche gedeutet, zumal ja nach wie vor amerikanische Truppen in
Korea stehen. Es wäre dennoch die klügste der möglichen Antworten.

Originaltext: Lausitzer Rundschau
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/47069
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Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481231
Fax: 0355/481247
lr@lr-online.de


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