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Lausitzer Rundschau: Zum Tode Jörg Haiders: Charismatisch, skrupellos

Geschrieben am 12-10-2008

Cottbus (ots) - Er war ein Ausnahmepolitiker. Gut aussehend,
charismatisch, skrupellos. Brillant und gefährlich. Gefährlich
brillant. Das musste auch der ehemalige Spiegel-Chef Erich Böhme
erkennen, als er den braun gebrannten Österreicher im Februar des
Jahres 2000 in der TV-Sendung Talk in Berlin zu entlarven versuchte.
Es wurde ein Desaster für Böhme und ein Triumph für Jörg Haider.
Es war nicht der einzige in der Laufbahn des Kärntner
Landeshauptmanns, der in der Nacht zum Samstag in Klagenfurt bei
einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Wie kein anderer hat Haider
in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Politik in Österreich geprägt
- und ein Stück weit auch das Bild der Alpenrepublik im Ausland, wo
die regelmäßigen Entgleisungen eines Rechtsaußens deutscher Zunge
naturgemäß für Aufsehen und Empörung sorgten. Zumal es sich eben
nicht um "missverständliche Äußerungen" handelte, wie Haider gerne
anführte. Wenn der Sohn zweier früherer NSDAP-Mitglieder die
ordentliche Beschäftigungspolitik des Dritten Reiches lobte,
Konzentrationslager als "Straflager" verharmloste oder positive Worte
für die Waffen-SS fand, dann ließ das an Klarheit nichts zu wünschen
übrig - und hatte sicher etwas mit kalkuliertem Tabubruch, aber eben
auch mit innerer Überzeugung zu tun. Haider hat oft an die
niedrigsten Instinkte der Menschen appelliert und dafür erschreckend
viel Zustimmung erfahren - wenn es etwa, wie zuletzt, gegen
Asylbewerber oder die slowenische Minderheit in seinem Bundesland
ging. Gerade die Lausitzer Sorben werden nachempfinden können, welch
unverantwortliches Spiel mit dem Feuer der erbitterte Kampf des
Landeshauptmanns gegen die zweisprachigen Ortsschilder in Kärnten
bedeutete.
Gerade weil er bewusst mit den Ressentiments und Ängsten der
Bevölkerung spielte, hat Haider die Übernahme bundespolitischer
Verantwortung stets verweigert. Er wusste wohl, dass er sich selbst
entzaubert hätte, wenn er seinen populistischen Forderungen Taten
hätte folgen lassen müssen. Da war es schon einfacher, von Klagenfurt
aus weiter über die "Altparteien" oder die eigenen Mitstreiter zu
schimpfen, die in Wien die mühsame Regierungsarbeit machten. In
diesem Sinne hat der Publizist und Holocaust-Überlebende Ralph
Giordano mit seiner Einschätzung aus dem Jahr 2000 am Ende wohl recht
behalten: "Haider ist ein politischer Bösewicht. Aber er hat nicht
das Zeug zu einem großen politischen Bösewicht."

Originaltext: Lausitzer Rundschau
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/47069
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Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481231
Fax: 0355/481247
lr@lr-online.de


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