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Verbot für Tiermehl soll aufgehoben werden - BSE zurück auf deutschen Tellern?

Geschrieben am 07-08-2008

Frankfurt (ots) - Erst wenige Jahre ist es her, dass Tiermehl als
Auslöser von BSE in Verdacht geriet und als Futtermittel in der
Landwirtschaft verboten wurde. Nun aber soll dieses Verbot wieder
aufgehoben werden. Der Grund: Tiermehl wurde von den Landwirten
weitgehend durch Sojaschrot ersetzt, das von Billiganbietern aus dem
Ausland inzwischen jedoch überwiegend gentechnisch verändert angebaut
wird. Für diese "gentechnisch veränderten Organismen", kurz GVO
genannt, herrschen in der EU jedoch ebenfalls strenge
Einsatzbeschränkungen. Natürlich gibt es Alternativen zu Tiermehl und
GVO als Eiweißquelle für Rinder, Schweine und Geflügel. Die aber sind
nicht zu Billigpreisen und in ausreichenden Mengen zu haben. Der
Deutsche Bauernverband (DBV) befürchtet deswegen einen Rückgang der
deutschen Schweinefleischproduktion in den nächsten zwei Jahren um 35
%. Aber kann dies rechtfertigen, das Verbot für Tiermehl aufzuheben
und den Weg für neue BSE-Fälle zu ebnen? Stellt man damit nicht die
finanziellen Interessen der Landwirtschaft über die des
Verbraucherschutzes?

Kurz zur Erinnerung: Da Tiermehl als Infektionsquelle für BSE im
Verdacht steht, ist seit dem Jahr 2000 das Verfüttern von Tiermehl
und Tierfett an Nutztiere EU-weit sowie der Export dieses Materials
strengstens verboten. Denn an der Bovinen Spongiformen
Enzephalopathie (BSE), auch Rinderwahn genannt, erkrankten damals
massenhaft Rinder vor allem in Großbritannien, aber auch in
Deutschland. Darüber hinaus ist nicht auszuschließen, dass beim
Menschen der Verzehr von verseuchtem Rindfleisch zur
Creuzfeldt-Jakob-Krankheit führen kann. Auch fast zehn Jahre nach der
BSE-Krise gibt es immer noch BSE-Fälle. Allein in Deutschland sind in
den letzten acht Jahren mehr als 400 BSE-Krankheitsfälle bei Rindern
offiziell bestätigt, wobei die Dunkelziffer höher sein dürfte [1].
Erst im April 2008 starben in der Europäischen Union erneut zwei
junge Menschen an der menschlichen Variante des Rinderwahnsinns BSE,
der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit [2]

Noch vor drei Jahren hielt die Bundesregierung daher an dem Verbot
für Tiermehl fest. Sie schrieb auf eine kleine Anfrage der FDP: "Das
Verbot der Verfütterung von tierischem Fett an Nutztiere sollte nach
Auffassung der Bundesregierung bestehen bleiben, bis sichere
Erkenntnisse vorliegen, die ein BSE-Risiko ausschließen. [...] Auch
am Tiermehlverfütterungsverbot muss festgehalten werden." [3] Und
jetzt? Ist das Tiermehl nun plötzlich wieder unbedenklich? Nein, denn
bisher liegen keinerlei neue Erkenntnisse vor.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner
fordert die Regierung dennoch auf, das Verfütterungsverbot von
Tiermehl aufzuheben, zumindest für Schweine und Hühner [4]. Mit
dieser Forderung stößt er auf offene Ohren. Denn Deutschland sowie
die EU planen tatsächlich die Aufweichung des Verbotes noch in diesem
Jahr. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer sagte im Mai 2008: "Ich
trete dafür ein, dass wir beim Tiermehl, jedenfalls was
Nichtwiederkäuer betrifft, lockern" [5]. Das hieße, dass Tiermehle
wieder in die Nahrungskette kämen. Auch wenn sich diese Neuregelung
auf Schweine und Geflügel beschränken soll, erscheint das fragwürdig.
Denn jüngste Gammelfleischskandale zeigen, wie schwer es ist illegale
Machenschaften zu kontrollieren. Ist Tiermehl erst einmal offiziell
im Umlauf, ist damit zu rechnen, dass es als preiswerte Eiweißquelle
über dunkle Kanäle auch wieder unbemerkt an Rinder verfüttert wird.

Wieso also ist nun wieder eine Lockerung des Verbotes geplant?
Futterkrise hin oder her, muss der Verbraucherschutz nicht oberste
Priorität haben? Die Beschränkung der Zulassung auf Schweine und
Geflügel kann kein ausreichender Schutz sein. Erst kürzlich wieder
entdeckte die Organisation foodwatch e.V., dass die "SubsTrade GmbH"
500 Tonnen Tiermehl der "Kategorie 2" nach Malaysia verschifft hatte.
Offiziell war die Ware als Düngemittel deklariert, vor Ort aber
sollte das Material an Tiere verfüttert werden [6]. Und das, obwohl
Seehofer noch im April 2007 in einem Schreiben an foodwatch
versichert hat, dass Kategorie-2-Material "unter strengen
Sicherheitsvorkehrungen behandelt und beseitigt" werde [7].

Sollte es zu einer Aufhebung des Tiermehlverbotes kommen, können
nach den jüngsten Gammelfleisch-Skandalen wieder zunehmend BSE-Fälle
auftreten. Oft reichen wenige schwarze Schafe, um die Gesundheit von
Tier und Mensch zu bedrohen. Für den einen oder anderen vielleicht
mit fatalen Folgen. Denn die Creuzfeldt-Jakob-Krankheit endet für den
Menschen tödlich.

Quellen:

[1] Pressemitteilung DBV
( http://www.presseportal.de/go2/bauernverband )
[2] Focus online
( http://www.presseportal.de/go2/focusgesundheit )
[3] Dt. Bundestag ( http://www.presseportal.de/go2/bundestag )
[4] BMELV ( http://www.presseportal.de/go2/bmelv )
[5] Mitteilung dpa bei agrarheute
( http://www.presseportal.de/go2/agrarheute )
[6] foodwatch ( http://www.presseportal.de/go2/foodwatch )
[7] foodwatch ( http://www.presseportal.de/go2/foodwatch2 )

Originaltext: MK Food Management Consulting GmbH
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/72295
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_72295.rss2

Pressekontakt:
Klinksiek PR GmbH
Annedore Klinksiek
Telefon 069/430231
Fax 069/438786
info@Klinksiek-PR.de
Egenolffstr. 29
60316 Frankfurt

Herausgeber:
MK Food Management Consulting
Prof. Dr. Gert-Wolfhard von Rymon Lipinski
Schlesienstr. 62
65824 Schwalbach a.Ts.


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