(Registrieren)

Börsen-Zeitung: Ein bitterer Vorgeschmack, Kommentar zu den Finanzmärkten von Frank Bremser

Geschrieben am 11-07-2008

Frankfurt (ots) - Wohin der Anleger an den Finanzmärkten auch
schaut: ein Bild des Jammers. Von Aktien, besser noch Finanztiteln,
heißt es derzeit am besten die Finger lassen. Seit Jahresbeginn gab
es heftige Verluste, am Freitag markierte der deutsche Leitindex Dax
dann den tiefsten Stand seit Oktober 2006. Aussicht auf Besserung?
Fehlanzeige. Und von Analysten, die noch vor wenigen Monaten eine
Erholung der Aktienmärkte spätestens zur Jahresmitte prognostiziert
haben, ist nichts mehr zu hören.

Es sind vor allem die immer neuen Schreckensmeldungen infolge der
Subprime-Krise, die für Verkaufsdruck sorgen. Denn inzwischen haben
auch die größten Optimisten erkannt, dass es sich nicht nur um eine
kleine begrenzte Krise im Hypothekenbereich handelt. Betroffen sind
nicht nur die Banken, betroffen sind auch Konsumenten und Unternehmen
weltweit. Auch die Stars der vergangenen Jahre, die Emerging Markets,
hat die Krise ergriffen. War lange Zeit von einer Abkopplung dieser
Märkte die Rede, hat sich diese als Trugschluss erwiesen. Denn wenn
ein Investor sein Geld aus Aktien abzieht, tut er dies, egal ob die
Titel in London oder in Buenos Aires gehandelt werden. Wohl dem, der
seit Jahresbeginn auf fallende Kurse gesetzt hat. Und auch am
Bondmarkt hat sich die Stimmung deutlich eingetrübt. Vor allem die
deutlich angestiegenen Inflationsraten haben die Renditen
zurückfallen lassen.

Wenig Freude

Eine Verbesserung der Situation in den kommenden Wochen und
Monaten ist nicht in Sicht. Zum einen stehen die schon traditionell
schwachen Sommermonate auf dem Programm. Und so abgegriffen das
Aktienmarkt-Bonmot "Sell in May" auch ist - bisher hat es sich auch
im Jahr 2008 mehr als bestätigt. Außerdem wird nun die Quartalssaison
die Investoren beschäftigen. Und was dort zu erwarten ist, darauf
haben Alcoa oder Wachovia in der zurückliegenden Woche einen bitteren
Vorgeschmack geliefert. So waren die Alcoa-Zahlen zwar "besser als
erwartet" - nichtsdestotrotz waren sie schlecht. Und Wachovia
überraschte mit einem Quartalsverlust. Da macht das Warten auf die
Ergebnisse von AMD, JPMorgan oder Nokia in der neuen Handelswoche
wenig Freude. Und auch von Konjunkturseite stehen die Zeichen eher
auf bedrückte Stimmung. Denn nur die wenigsten rechnen mit
erbaulichen Nachrichten, wenn die amerikanische Notenbank ihr
Protokoll der jüngsten Zinssitzung oder ihre Projektionen zu
Wachstum, Inflation und Arbeitslosenquote veröffentlicht.

Nur ein Segment scheint für Anleger, die auf Preissteigerungen
setzen, eine Insel der Glückseligen zu sein: die Rohstoffe. Allein
seit Jahresbeginn gab es hier durchweg zweistellige, teils
dreistellige Zuwachsraten. Am Freitag markierte etwa der Ölpreis
erneut ein Rekordhoch. Mittlerweile müssen manche Analysten
eingestehen, dass ihre Preismodelle dem Anstieg nicht mehr gewachsen
sind. Und die Hausse scheint unbeeindruckt von Subprime-Krise,
Wertverfall des Dollar und Inflationssorgen weiterzugehen. Als
Argument wird von allen Seiten die solide Fundamentalsituation
angeführt - Stichwort: China-Faktor.

Warnung angebracht

Doch auch auf der Insel der Glückseligen ist eine Stimme der
Warnung angebracht. Denn ein Großteil der Gelder, die zuletzt in den
Rohstoffsektor geflossen sind, kommt von enttäuschten Aktienanlegern,
die sich in die vermeintlich sicheren Renditen von Gold und Kupfer
retten wollen. Doch so schnell wie diese in den Markt gegangen sind,
so schnell können sie ihn auch wieder verlassen. Und eine deutliche
Korrektur ist zumindest am Ölmarkt mehr als fällig.

Ein Auslöser dafür könnte schon in der neuen Handelswoche
anstehen: Eben mit genau den Unternehmens- und Konjunkturdaten, die
auch die Aktienmärkte weiter belasten sollten. Denn sollte sich das
düstere Bild der Weltwirtschaft verfestigen, dann könnten Investoren
erkennen, dass eine Abkopplung der Rohstoffmärkte vom Rest der Märkte
nicht vollständig gelingen kann. So wichtig China etwa für die
weltweite Ölnachfrage ist: Das Land allein kann einen Rückgang des
weltweiten Wirtschaftswachstums nicht auffangen, vor allem dann, wenn
es selbst unter einer Wirtschaftsabschwächung zu leiden hat. Auch die
Insel der Glückseligen könnte also bald von der Subprime-Krise
erobert werden.

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

147882

weitere Artikel:
  • Harley-Davidson übernimmt die MV Agusta Group und baut Präsenz in Europa weiter aus Milwaukee (ots/PRNewswire) - - Das italienische Unternehmen ist für erstklassige, leistungsstarke Motorräder bekannt Harley-Davidson, Inc. (NYSE: HOG) gab heute die Unterzeichnung einer endgültigen Vereinbarung über den Erwerb des italienischen Motorradherstellers MV Agusta Group (MVAG) bekannt. Die Vereinbarung sieht vor, dass Harley-Davidson 100 Prozent der Anteile an der MV Agusta Group für einen Gesamtbetrag von ca. 70 Mio. Euro (109 Mio. USD) erwirbt. Hierin enthalten ist die Begleichung vorhandener Bankschulden in Höhe von ca. mehr...

  • Silence Therapeutics gibt erfolgreichen Einspruch gegen Glover-Patent bekannt London (ots/PRNewswire) - Silence Therapeutics plc (London AIM: SLN), ein führendes, europäisches, auf RNA-Interferenz (RNAi) ausgerichtetes Biotechnologie-Unternehmen, gab heute den erfolgreichen Einspruch gegen ein grundlegendes, europäisches Patent von Alnylam Pharmaceuticals, Inc. bekannt, der dazu führte, dass das Patent insgesamt widerrufen wurde. Die Einspruchsabteilung des Europäischen Patentamts gab nach einer dreitägigen Anhörung seine Entscheidung bekannt, das europäische Patent EP 1 230 375, das exklusiv an Alnylam Pharmaceuticals mehr...

  • Stammaktie von Eastern Goldfields, Inc. für Notierung am OTC Bulletin Board freigegeben San Diego (ots/PRNewswire) - Eastern Goldfields, Inc. (OTC Bulletin Board: EGDD) ("EGI") freut sich, heute bekannt zu geben, dass am 7. Juli 2008 die Financial Industry Regulatory Authority ("FINRA") dem Antrag der World Trade Financial Corporation ("WTFC"), einem eingetragenen Broker-Dealer, stattgegeben hat, die Stammaktien des Unternehmens am ausserbörslichen Bulletin Board (OTC BB) zu notieren. "Dies stellt für unsere laufenden Anstrengungen zur Schaffung von Mehrwert für unsere Aktionäre einen weiteren Meilenstein dar", sagte Michael mehr...

  • "Capital Investor"-Interview mit Nicholas Field vom Investmenthaus Schroders: Inflation ist in Schwellenländern das größere Risiko als die Finanzkrise Köln (ots) - Notenbanken müssen dringend die Geldmenge reduzieren / China bleibt kein Billiglohn-Land / Brasilien steht von den Bric-Staaten mit am besten da Köln, 12. Juli 2008 - Die Inflation ist in den Schwellenländern das größere Risiko als die Finanzkrise. In einem Interview mit dem wöchentlichen Finanzdienst "Capital Investor" sagte Nicholas Field, Leiter Emerging Markets-Aktien bei Schroders: "Die Inflation wird das entscheidende Thema der kommenden zwölf Monate. Wie schlimm es letztlich wird, hängt davon ab, wie schnell Politik mehr...

  • Der Tagesspiegel: Wirtschaftsforscher fordert Börsenumsatzsteuer in Deutschland Berlin (ots) - Der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, Gustav A. Horn, hat die deutsche Politik aufgefordert, die Börsen stärker zu regulieren. An den Finanzmärkten gehe es zunehmend weniger um die Absicherung unsicherer realwirtschaftlicher Geschäfte, gegen die nichts einzuwenden sei, sondern um Preisspekulation, schrieb er in einem Beitrag für den Tagesspiegel am Sonntag. Horn kritisierte in diesem Zusammenhang etwa die Energiekonzerne, die wegen mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Wirtschaftsnews

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

DBV löst Berechtigungsscheine von knapp 344 Mio. EUR ein

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht