(Registrieren)

Westdeutsche Zeitung: Die Drohnen-Affäre bringt Thomas de Maizière in Not - Ein aufrechter Minister sitzt in der Falle Ein Kommentar von Martin Vogler

Geschrieben am 26-05-2013

Düsseldorf (ots) - Eine halbe Milliarde Euro für
Aufklärungsdrohnen, die bald keiner mehr will? Oder genügt die Summe
gar nicht? Denn allein für Erprobungen sollen monatlich weitere 3,3
Millionen fällig werden. Das sind unglaubliche Summen zulasten der
Steuerzahler. Zudem irritieren die widersprüchlichen Informationen,
wann das Verteidigungsministerium über welche Art von Problem mit dem
unbemannten Fluggerät informiert wurde. Das klingt nach erheblichem
Ärger für Verteidigungsminister Thomas de Maizière.

Noch halten sich die Angriffe auf ihn in Grenzen. Die Opposition
fordert Aufklärung, attackiert bevorzugt Staatssekretär Stéphane
Beemelmanns - einen langjährigen Vertrauten. Doch de Maizière weiß,
mit dem Mitarbeiter als Bauernopfer wäre es nicht getan. Er selbst
würde dann schutzloser. Zudem entspräche so etwas nicht dem Stil des
gradlinigen und aufrechten Politikers, den er schon als
Kanzleramtschef und Innenminister pflegte und deshalb auch nie unter
Druck geriet. Nachteil: Er hat nicht gelernt, mit harten Anfeindungen
umzugehen.

Er wird sich aber in nächster Zeit Angriffen stellen müssen, weil
er stets vehement pro Drohne plädierte. Deshalb wird es ihm wenig
helfen, wenn Entscheidungen und auch Warnungen in Sachen "Euro Hawk"
in Phasen liegen, in denen Franz Josef Jung beziehungsweise
Karl-Theoder zu Guttenberg das Ministerium führten. Die Irritationen
sind zu groß, etwa wegen des fehlenden Kollisionsschutzes oder des
untersagten direkten Zugriffs auf das Gerät durch
Bundeswehr-Mitarbeiter.

Der Verteidigungsminister sitzt erstmals in seiner Karriere in
einer bösen Falle. Er hatte lautere Absichten, als er mit seinem
Eintreten für unbemannte Aufklärungsflugzeuge das Leben von Soldaten
schützen wollte. Im Gegensatz zu Drohnen im Kampfeinsatz ist das ein
zutiefst menschlicher Plan. Allerdings sind bei der Umsetzung
offenbar unglaubliche Dummheiten passiert, die de Maizière nicht
persönlich, aber politisch verantworten muss. Noch steht die
Kanzlerin zu ihm, doch schon andere Politiker haben spüren müssen,
wie rasch Angela Merkel in solchen Fällen ihre Position verändern
kann. Wenn es in einem Wahljahr um den Machterhalt geht, gilt das
ganz besonders.



Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
redaktion.nachrichten@wz.de
www.wz-newsline.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

465817

weitere Artikel:
  • Kieler Nachrichten: Steinbrücks Internet-Expertin Joost will Recht auf Netzzugang Kiel (ots) - Die SPD will im Falle einer Regierungsübernahme ein Recht auf Netz für alle Bürger schaffen. Das kündigte Gesche Joost, Internet-Expertin im Kompetenz-Team von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, im Interview mit den Kieler Nachrichten (Montagausgabe) an. In ländlichen Gebieten gebe es teilweise immer noch kaum Netzzugang. "Den Breitbandausbau werden wir deshalb sofort angehen - bis in den entferntesten Winkel unseres Landes", sagte die parteilose Professorin für Designforschung. "Wir haben uns eine Universaldienstverpflichtung mehr...

  • Märkische Oderzeitung: zur Beratung der Afrikanischen Union über Internationalen Strafgerichtshof Frankfurt/Oder (ots) - Kenia wendet sich gegen den Internationalen Strafgerichtshof (...). Das ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, denn mit 34 Staaten stellt Afrika die größte Unterzeichnergruppe. Und bisher wurden in Den Haag auch nur afrikanische Fälle verhandelt. Das ist ein Grund, warum dem Gericht Einseitigkeit vorgeworfen wird - nicht völlig zu unrecht. Allerdings hat Afrika noch nicht bewiesen, dass es Verbrechen gegen das Völkerrecht selbst angemessen verfolgt. Regierung und Justiz vieler Staaten machen eher durch mehr...

  • DER STANDARD-Kommentar "Den Libanon draußen lassen" von Gudrun Harrer "Tripoli zahlt den Preis für die gemeinsamen Siege von Hisbollah und Assad-Armee" - Ausgabe 27.5.2013 wien (ots) - Die Art der Umsetzung, die der Chef der libanesischen Hisbollah, Hassan Nasrallah, für die "Baabda-Erklärung" vorschlägt, ist skurril: "Wir kämpfen in Syrien, ihr kämpft in Syrien, kämpfen wir weiter dort. Lassen wir den Libanon draußen." Während Nasrallah sprach, wurde in der nordlibanesischen Stadt Tripoli gekämpft: Nicht nur sunnitische und alawitische Freischärler starben, sondern auch Mitglieder der nationalen libanesischen mehr...

  • Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Afrikanischen Union Bielefeld (ots) - Die Afrikanische Union ist 2002 aus der Organisation für afrikanischer Einheit hervorgegangen. Die AU sollte besser werden als die OAU. Sie sollte aus dem Club der Diktatoren eine Kraft formen, die den Fortschritt voranbringt und auch militärisch eingreift, wenn ein Mitgliedsstaat aus den Fugen gerät wie beim Genozid in Ruanda. Dennoch kam es noch 2004 zum Völkermord in Sudans Westprovinz. Es gibt weitere Beispiele für ein katastrophales Scheitern der aus europäischer Sicht gar nicht so hohen Ansprüche. Außerdem: mehr...

  • Westfalenpost: Westfalenpost zum Bundesrechnungshof Hagen (ots) - Die Welt ist mehr als ein Wembley-Stadion. Während sich in den Nachrichten am Wochenende alles um Fußball dreht, laufen Meldungen ein, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Man lese und staune: Bei der Kontrolle von 40 000 Maßnahmen stellt der Bundesrechnungshof in fast 85 Prozent der Fälle das Fehlen der gesetzlich vorgeschriebenen Wirtschaftlichkeitsprüfung fest. Eine Zahl, die man sacken lassen muss.

    Projektplanungen und Kostenpläne sind offenbar nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Das ist eine Erklärung, mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht