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Börsen-Zeitung: Ein bisschen Hoffnung, Börsenkommentar "Marktplatz", von Thorsten Kramer.

Geschrieben am 13-07-2012

Frankfurt (ots) - Mit ihrer Senkung des Dax-Ziels für das
Jahresende auf 7000 Punkte hat die Landesbank Baden-Württemberg vor
dem Wochenende einen weiteren Anhaltspunkt dafür geliefert, dass die
Perspektiven an Europas Finanzmärkten auf Sicht der nächsten Monate
eher trübe sind. Auch am deutschen Aktienmarkt. Die Politik kommt im
Kampf gegen die Schuldenkrise nicht entscheidend voran, stattdessen
rufen etwa die Griechen schon wieder nach einem neuen Zeitplan für
die Einlösung ihrer Sparzusagen. Konjunkturzahlen und Frühindikatoren
signalisieren rezessive Tendenzen in der gesamten Peripherie der
Eurozone, und nicht zuletzt steht eine weitere Anpassung der
Schätzungen für die Firmengewinne bevor. Dies lässt die günstige
Bewertung an den Börsen in einem anderen Licht erscheinen. Woher
sollen da also ermutigende Impulse kommen, die für einen Anstieg von
Dax und EuroStoxx50 oder eine Stabilisierung des Euro sprechen?

Aufhorchen lässt da die Reaktion der Märkte auf die mit Spannung
erwarteten Wachstumsdaten aus China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft
ist im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,6% gewachsen und
somit mit dem geringsten Tempo seit drei Jahren. Sowohl an den
Aktienmärkten als auch an den Rohstoffmärkten atmeten Investoren
dennoch auf. Dies liegt erstens daran, dass die Erwartungen vieler
Volkswirte damit erfüllt worden sind. Zweitens allerdings spiegelt
die Reaktion der Märkte die Hoffnung wider, dass die Notenbank
People's Bank of China und die Regierung in Peking durch weitere
Zinssenkungen oder gezielte Infrastrukturhilfen dazu beitragen, dass
die chinesische Wirtschaft neue Dynamik entwickelt. Dies würde sich
positiv auf die Perspektiven der gesamten Weltkonjunktur auswirken
und konkret nicht zuletzt auf die Gewinnaussichten der exportstarken
europäischen Firmen.

In den zurückliegenden Wochen hatte Chinas Notenbank bereits
zweimal den Leitzins gesenkt. Die schnelle Abfolge beunruhigte manche
Beobachter, die darin einen Beleg dafür sahen, dass sich die dortige
Konjunktur nun doch stärker abkühlen könnte als befürchtet.
Inzwischen mehren sich jedoch die Kommentare, in denen Volkswirte
kenntlich machen, dass sie in der zweiten Jahreshälfte mit der
erhofften Stabilisierung rechnen. Die beiden Schweizer Großbanken
Credit Suisse und UBS beispielsweise gehören zu den Adressen, die von
Juli bis Dezember wieder ein Wachstum mit einer Acht vor dem Komma
prognostizieren. Das offizielle Wachstumsziel der Regierung in Peking
in Höhe von 7,5% wäre somit also nicht gefährdet.

Mut macht Beobachtern dabei, dass einige Indikatoren die Hoffnung
auf eine wirtschaftliche Stabilisierung verstärken. So legte der
Einzelhandelsumsatz nun den zweiten Monat in Folge mit einer Rate von
annähernd 14% zu, und das Wachstum der Investitionen nahm - in
Reaktion auf die erste Zinssenkung - bereits wieder Fahrt auf. Anlass
zur Sorge bietet indes weiterhin der Gewinnrückgang in der Industrie.
Die Furcht vor einer harten Landung Chinas dürfte gleichwohl im Laufe
des dritten Quartals nachlassen und sich positiv auf die
Risikobereitschaft der Anleger auswirken.

Bleibt eine weitere Verschärfung der Schuldenkrise aus, besteht
also durchaus die Chance, dass sich die Lage an den Finanzmärkten im
Verlauf des zweiten Halbjahres beruhigt. Gerade recht kommt es da,
dass Italien nach der erfolgreichen Auktion von Geldmarktpapieren am
Donnerstag auch am Freitag bei der Platzierung von Staatsanleihen
weniger Zinsen als zuvor bezahlen musste - und dies, obwohl die
Ratingagentur Moody's das Land in der Nacht auf Freitag um zwei
Stufen auf "Baa2" heruntergestuft hatte. Ob die jüngsten
Reformbeschlüsse der Regierung in Rom nachhaltig Eindruck machen,
muss sich allerdings erst noch beweisen.

Für eine Rückkehr der Risikobereitschaft gilt es freilich auch als
Voraussetzung, dass die US-Konjunktur an Dynamik gewinnt. Weil damit
- ebenso wie mit der Entwicklung in China und der Schuldenkrise -
nach wie vor viele Unwägbarkeiten verbunden sind, wird die
Volatilität an den Finanzmärkten über den Sommer hoch bleiben - und
vermutlich auch darüber hinaus. Sollten in den nächsten Monaten die
Frühindikatoren für die amerikanische und die chinesische Wirtschaft
nach oben zeigen, spricht indes einiges dafür, dass die Dax-Prognose
der LBBW erreichbar ist.

(Börsen-Zeitung, 14.7.2012)



Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


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