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ARD-Sportschau: Gravierende Lücken bei Dopingtests Internationaler Sportverbände

Geschrieben am 13-03-2011

Köln, 13.03.2011 (ots) - Pechstein in Hamar 2009 nicht auf EPO
getestet - in großen Sportverbänden kaum Tests auf Wachstumshormon -
bei Wettkampfkontrollen nur wenige Epo-Tests - WADA-Generaldirektor
Howman fordert "Einblick in Verträge der Verbände mit Laboren",
Howman: "wenig Epo-Tests besorgniserregend: ein Freifahrtschein für
Doper" // Ein Beitrag von Hajo Seppelt und Robert Kempe zum Thema
weltweite Dopingkontrollen in der ARD-Sportschau vom 13. März (Das
Erste, 18.00 Uhr)

Nach Recherchen der ARD-Sportschau und des WDR-Magazins Sport
Inside (Meldung zur Sendung morgen folgt) weisen die Dopingkontrollen
großer internationaler Sportverbände gravierende Lücken auf. Danach
lassen mehrere internationale Dachorganisationen offenbar
Dopingproben in Laboren offenbar gar nicht oder nur in geringen
Mengen auf die klassischen Dopingmittel Epo und Wachstumshormon
untersuchen. In der heutigen ARD-Sportschau (18.00 Uhr, Das Erste)
bestätigte zudem die Vorsitzende der Medizinischen Kommission der
Internationalen Eislaufunion (ISU), Jane Moran (Kanada), dass der
Weltverband den Urintest der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein am
7. Februar 2009 bei der Mehrkampfweltmeisterschaft in Hamar
(Norwegen) nicht auf das Blutdopingmittel Epo hatte testen lassen:
"Ja, das stimmt", sagte Moran gegenüber der Sportschau . Am selben
Tag wurden bei Pechstein erhöhte Blutwerte gemessen, die später eine
zweijährige Sperre durch die ISU nach sich zogen. In den
Sportgerichtsurteilen im Fall Pechstein hatte es stets geheißen, dass
alle Urinkontrollen bei Pechstein ausnahmlos negative Ergebnisse
erbracht hätten.

Jane Moran führte weiter aus, dass die ISU nur "in ein bis zwei
Prozent" der Urinproben bei Wettkämpfen auf Epo suchen lässt. "Wir
vermuten, dass Athleten so intelligent sind, die EPO-Einnahme kurz
vor dem Wettkampf zu stoppen. Wir fanden daher nicht, dass wir unser
Geld richtig einsetzen, wenn wir während der Wettkämpfe auf Epo
testen", sagte die ISU-Funktionärin. Der Generaldirektor der
Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), David Howman, erklärte der
Sportschau, er halte die Praxis von Sportverbänden, nur wenige
Epo-Tests zu machen, für "besorgniserregend": "Es gibt einen
Freifahrtsschein für die, die mit Epo dopen wollen", so der
WADA-Spitzenfunktionär.

Die ARD-Recherchen förderten weitere große Lücken bei den von
Internationalen Sportverbänden organisierten Dopingtests zutage. Jim
Carrabre, Vizepräsident Medizin der Internationalen Biathlon-Union
(IBU) räumte gegenüber der Sportschau ein, dass ein Test auf
Wachstumshormon in "weniger als ein Prozent" der bei Biathleten
abgenommenen Blutproben erfolge. Als Begründung führte der
IBU-Funktionär an, dass Wachstumshormon vermutlich kaum
leistungssteigernden Effekt bei Biathleten habe.

Der Weltleichtathletikverband IAAF hat zudem im Jahr 2010 laut
eigener Statistik keine der in Wettkämpfen genommenen Blutproben auf
Wachstumshormon oder das Blutdopingmittel CERA untersuchen lassen.
Jiri Dvorak, Chef der Medizinischen Kommission des
Weltfußballverbandes FIFA, räumte ebenso ein, dass die FIFA den für
den Nachweis von Wachstumshormon notwendigen Dopingtest mit Blutserum
kaum durchführe. Außerdem erklärte der FIFA-Funktionär, dass bei der
WM in Südafrika bei nicht mehr als 20 % der Dopingkontrollen ein
Epo-Test gemacht worden sei. "Wir haben bei den Epo-Tests ein
ähnliches System wie das Internationale Olympische Kommittee", sagte
Dvorak. Er erklärte: "Es zeigt sich, dass das Dopingproblem im
Fußball sehr, sehr gering ist."

WADA-Generaldirektor David Howman sieht in der derzeitigen Praxis
mancher Internationaler Sportverbände einen erheblichen Missstand und
fordert nun, dass die WADA Einblick in die von Sportverbänden mit
Laboren abgeschlossenen Verträge erhalte. "Wir wissen gar nicht,
welcher Sport was für Kontrollen macht. Wir bekommen keinen Einblick
in die Verträge, die die Sportverbände mit den Laboren haben. Das
Problem gehen wir jetzt an."



Pressekontakt:
Rückfragen: Barbara Feiereis, WDR-Pressestelle; Tel. 0172 253 7961


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