(Registrieren)

BERLINER MORGENPOST: Abklemmen von der Schuldendroge

Geschrieben am 28-09-2010

Berlin (ots) - Nicht wenige in der Berliner SPD und beim
Koalitionspartner von der Linkspartei dürften insgeheim ganz froh
sein, wenn der Kelch erst einmal an ihnen vorüberginge. Rot-Rot muss
ja, wenn die Wahlprognosen stimmen, eh nicht mehr umsetzen, was die
Senatoren heute in der Finanzplanung bis 2014 festgelegt haben: Die
Stadt soll ihr Defizit, sofern es nicht aus Einnahmeausfällen wegen
einer Wirtschaftskrise herrührt, bis 2020 komplett abbauen. Neue
Kredite aufzunehmen, um in normalen Jahren laufende Ausgaben zu
bezahlen, wird in weniger als zehn Jahren tabu sein. Die
Schuldenhauptstadt Berlin wird von ihrer Droge abgeklemmt. Der Senat
hat gestern dargestellt, wie er fast den halben Weg auf dieser
Entziehungskur zurückzulegen gedenkt, indem er die bisherige
Ausgabeplanung um 600 Millionen Euro pro Jahr bis 2013 eindampft.
Auch Kritiker der Schuldenbremse wie die Linke oder der Regierende
Bürgermeister Klaus Wowereit kommen aus dieser Verpflichtung zu
solider Finanzpolitik nicht mehr raus. Vom Denken zum Handeln ist es
jedoch ein großer Schritt und darin gründet der schale Beigeschmack
des gestrigen Beschlusses. Der stößt nicht nur den Grünen auf, die
sich größte Hoffnungen machen, im nächsten Jahr in die Regierung
aufzurücken. Dann müssten sie und ihre möglichen Koalitionspartner
nämlich ernst machen mit dem Sparen und in einem Haushalt das
umsetzen, was der parteilose Finanzsenator Ulrich Nussbaum jetzt
vorgeschlagen hat. Die Oppositionsfraktionen fordern einen
Nachtragshaushalt, damit auch Rot-Rot noch ein paar unpopuläre
Beschlüsse fassen muss. Diesen eigenen Beitrag zu den jährlich
notwendigen Sparanstrengungen, wie sie das Verfahren zum Erreichen
der Schuldenbremse vorsieht, verweigern SPD und Linke. Der Verweis
auf fehlende Zeit ist vorgeschoben, denn natürlich ließen sich in den
kommenden drei, vier Monaten Kürzungsbeschlüsse fassen, ohne gleich
dem neuen Abgeordnetenhaus zu weit reichende Vorgaben zu machen. Das
könnte man erwarten, wenn sie es ehrlich meinten. Der finanzielle
Rahmen für die nächsten Jahre ist jedoch nicht in Frage zu stellen.
Das Grundgesetz, das demnächst neue Schulden verbietet, gilt für
alle. Daran sollten alle Politiker im Wahlkampf denken. Teure
Versprechen sind zu unterlassen, wenn nicht gleichzeitig gesagt wird,
wie Wohltaten an die eigene Klientel bezahlt werden sollen. Es muss
einen Wettkampf geben um intelligente Konzepte, wie die Verwaltung
das vorgegebene Geld einsparen und dabei gleichzeitig effizienter und
leistungsfähiger werden kann. Den Subventionsempfängern muss klar
gesagt werden, wer noch Zuweisungen erwarten kann und wer nicht. Die
Politiker müssen sich entscheiden, ob sie lieber ein saniertes ICC,
eine Kunsthalle, zurück gebaute Straßen um die Autobahn A 100 oder
eine Bibliothek wollen. Denn alles wird nicht gehen. Für die Bürger
ist das nicht nur schlecht: Politik ohne die leichte Ausflucht in
neue Schulden kann spannend werden, weil endlich zwischen Wichtig und
Unwichtig entschieden werden muss.

Originaltext: BERLINER MORGENPOST
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/53614
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_53614.rss2

Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST
Chef vom Dienst
Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

291977

weitere Artikel:
  • Neue OZ: Kommentar zu Luschkow / Russland Osnabrück (ots) - Am Führungsduo gescheitert Den politischen Abgesang auf Juri Luschkow erlebte das russische Volk bereits vor einigen Wochen, als die Allianz der staatlich gelenkten Fernsehsender ihn zur besten Sendezeit öffentlich demontierte. Bürger wie Beobachter fragten sich seither: Geht Moskaus Bürgermeister von selbst, oder wird er gefeuert? Schließlich wird ihm im Zusammenhang mit den Bau- und Immobiliengeschäften seiner milliardenschweren Ehefrau Korruption im großen Stil zur Last gelegt. Da lässt der Kreml bekanntlich mehr...

  • Neue OZ: Kommentar zu Gesundheitsreform Osnabrück (ots) - Die alten Frontstellungen Über Monate haben sich die Koalitionsparteien mit internem Streit selbst blockiert, nicht zuletzt in der Gesundheitspolitik. In diesen Wochen dagegen fasst die Regierung viele Beschlüsse und zeigt sich einig. Und so präsentiert Schwarz-Gelb endlich auch bei der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung ein deutlicheres Profil. Dagegen formiert sich nun ein breiter Protest. Hartnäckig und erbittert kämpft ein linkes Bündnis von Parteien, Verbänden und Gewerkschaften gegen mehr...

  • Neue OZ: Kommentar zu Minderheitskabinett Holland Osnabrück (ots) - Klima nicht weiter vergiften Ministerpräsident der Niederlande wird Mark Rutte von den Rechtsliberalen, doch der heimliche Premier heißt Geert Wilders. Der Islamgegner will mit seiner Partei für Freiheit die Minderheitenregierung von Rechtsliberalen und Christdemokraten tolerieren. Noch fehlt zwar die Zustimmung von Königin Beatrix zu dieser fragilen Konstruktion, aber es dürfte ihr keine Wahl bleiben, als Wilders hoffähig zu machen. Angesichts der Verweigerungshaltung des linken Lagers gibt es keine mehr...

  • Neue OZ: Kommentar zu Energiekonzept der Bundesregierung Osnabrück (ots) - Faule Eier in der Wundertüte Die Wünsch-dir-was-Koalition hat eine wuchtige Wundertüte gepackt. Das Energiekonzept ist zwar ein Paket mit ehrgeizigen Klimazielen. Sie sind allerdings leicht zu formulieren: Wenn in 20 Jahren und später Bilanz gezogen wird, genießen diejenigen, die jetzt am politischen Ruder sitzen, längst ihre Pension. Zur Rechenschaft gezogen werden dann andere. Genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Energiepolitik, wie sie bislang von den politischen Akteuren betrieben wird, ist zu kurzfristig mehr...

  • Lausitzer Rundschau: Wann, wenn nicht heute Zum Energiekonzept der Bundesregierung Cottbus (ots) - Sie wirken, die Nachrichten zuerst aus Schwedens Hauptstadt Stockholm und jetzt aus Berlin. Da wird der Abschied vom Kohlezeitalter beschworen und die grüne Zukunft ausgemalt. Dass die Regierenden im Norden wie hier an der Spree damit auch ihre Nuklearpläne schönreden wollen, ist offenkundig. Denn gleichzeitig als Klimakiller und als Atommüllproduzent zu agieren, ist wohl kaum noch möglich. Also wurde Vattenfall in den grünen Mantel gedrängt und hat Angela Merkel sich als Vorreiterin der erneuerbaren Energie positioniert. mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht