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LVZ: Binsenweisheit

Geschrieben am 23.10.2007 - [Nächster Artikel]

Leipzig (ots) - Von Thilo Boss
Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes war absehbar.
Jedenfalls haben die Kapitalmärkte sie schon seit Wochen
vorweggenommen und die Aktie von Europas größtem
Automobil-Produzenten auf eine Kursrallye geschickt. Denn das
Regelwerk, das keinem Aktionär wegen Arbeitnehmerschutzinteressen
einen beherrschenden Einfluss auf den Konzern gewährt, ist ein Relikt
aus der Aufbauphase der Bundesrepublik.
In einem europäischen Binnenmarkt mit freiem Waren- und
Kapitalverkehr hat das VW-Gesetz spätestens seit den Maastrichter
Verträgen seine Existenzberechtigung verloren. Oder anders herum
argumentiert: Wenn es bestätigt worden wäre, besäße es theoretisch
eine Allgemeingültigkeit, die bei jedem auf dem Parkett notierten
europäischen Unternehmen angewandt werden könnte. Ganz nach dem
Prinzip: Gleiches Recht für alle - im protektionistischen Sinne. Das
ist ein Grund, warum die Luxemburger Richter den Sonderstatus gekippt
haben.
Volkswagen ist ein börsennotiertes Unternehmen. Doch das VW-Gesetz
hat die Aktie bislang für Großanleger weitgehend uninteressant
gemacht. Warum auch sollte ein Großinvestor bei den Wolfsburgern
einsteigen, wenn die Stimmrechtsausübung nur auf 20 Prozent des
Grundkapitals begrenzt ist? Und warum haben die Bundesrepublik und
das Land Niedersachsen das Recht, jeweils zwei Mitglieder in das
Kontrollgremium abzuordnen, unabhängig von der Höhe ihrer Anteile am
Konzern? Dafür gibt es fast 50 Jahre nach Einführung des Sonderstatus
in einem zusammenwachsenden Europa keine Rechtfertigung mehr, zumal
dies auch noch jedem Grundsatz der Ordnungspolitik widerspricht.
Doch das ist Vergangenheit. Die Zeiten ändern sich. Mit erheblichen
Konsequenzen. Tatsache ist jetzt, dass der Wind in Wolfsburg bald
wesentlich rauer weht. Spätestens, wenn Porsche die Mehrheit an dem
Autobauer erwirbt. Die Zuffenhausener, die für ihr effizientes
Management bekannt sind, werden den Konzern umkrempeln. Nach
betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens kann das nur gut tun. VW
spielt in der Weltliga und muss sich gegen hochproduktive
Konkurrenten wie Toyota behaupten, auf einem Markt, der sich durch
einen gnadenlosen Konkurrenzkampf auszeichnet. Nur wer mit guten
Produkten die Nase vorn hat und preislich mithält, kann auf Dauer
bestehen. Die angeschlagenen US-Autobauer General Motors und Ford
lassen grüßen.
Bleibt trotzdem die Frage, ob nun ein Ausverkauf der
Arbeitnehmerinteressen droht. Ob Arbeitsplätze verloren gehen werden?
Kann sein, ja ist sogar wahrscheinlich. Das gilt aber auch für jeden
anderen Dax-Wert. Und gerade die VW-Affäre um Peter Hartz hat
gezeigt, dass das Biotop in Wolfsburg schon lange gekippt ist und
wieder renaturiert werden muss. Im Sinne sicherer Jobs. Denn nur ein
produktives Unternehmen sichert Arbeitsplätze - eine Binsenweisheit,
die natürlich auch auf VW zutrifft.

Originaltext: Leipziger Volkszeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6351
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6351.rss2

Pressekontakt:
Leipziger Volkszeitung
Redaktion

Telefon: 0341/218 11558
 
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