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Leipzig (ots) - Von Thilo Boss Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes war absehbar. Jedenfalls haben die Kapitalmärkte sie schon seit Wochen vorweggenommen und die Aktie von Europas größtem Automobil-Produzenten auf eine Kursrallye geschickt. Denn das Regelwerk, das keinem Aktionär wegen Arbeitnehmerschutzinteressen einen beherrschenden Einfluss auf den Konzern gewährt, ist ein Relikt aus der Aufbauphase der Bundesrepublik. In einem europäischen Binnenmarkt mit freiem Waren- und Kapitalverkehr hat das VW-Gesetz spätestens seit den Maastrichter Verträgen seine Existenzberechtigung verloren. Oder anders herum argumentiert: Wenn es bestätigt worden wäre, besäße es theoretisch eine Allgemeingültigkeit, die bei jedem auf dem Parkett notierten europäischen Unternehmen angewandt werden könnte. Ganz nach dem Prinzip: Gleiches Recht für alle - im protektionistischen Sinne. Das ist ein Grund, warum die Luxemburger Richter den Sonderstatus gekippt haben. Volkswagen ist ein börsennotiertes Unternehmen. Doch das VW-Gesetz hat die Aktie bislang für Großanleger weitgehend uninteressant gemacht. Warum auch sollte ein Großinvestor bei den Wolfsburgern einsteigen, wenn die Stimmrechtsausübung nur auf 20 Prozent des Grundkapitals begrenzt ist? Und warum haben die Bundesrepublik und das Land Niedersachsen das Recht, jeweils zwei Mitglieder in das Kontrollgremium abzuordnen, unabhängig von der Höhe ihrer Anteile am Konzern? Dafür gibt es fast 50 Jahre nach Einführung des Sonderstatus in einem zusammenwachsenden Europa keine Rechtfertigung mehr, zumal dies auch noch jedem Grundsatz der Ordnungspolitik widerspricht. Doch das ist Vergangenheit. Die Zeiten ändern sich. Mit erheblichen Konsequenzen. Tatsache ist jetzt, dass der Wind in Wolfsburg bald wesentlich rauer weht. Spätestens, wenn Porsche die Mehrheit an dem Autobauer erwirbt. Die Zuffenhausener, die für ihr effizientes Management bekannt sind, werden den Konzern umkrempeln. Nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens kann das nur gut tun. VW spielt in der Weltliga und muss sich gegen hochproduktive Konkurrenten wie Toyota behaupten, auf einem Markt, der sich durch einen gnadenlosen Konkurrenzkampf auszeichnet. Nur wer mit guten Produkten die Nase vorn hat und preislich mithält, kann auf Dauer bestehen. Die angeschlagenen US-Autobauer General Motors und Ford lassen grüßen. Bleibt trotzdem die Frage, ob nun ein Ausverkauf der Arbeitnehmerinteressen droht. Ob Arbeitsplätze verloren gehen werden? Kann sein, ja ist sogar wahrscheinlich. Das gilt aber auch für jeden anderen Dax-Wert. Und gerade die VW-Affäre um Peter Hartz hat gezeigt, dass das Biotop in Wolfsburg schon lange gekippt ist und wieder renaturiert werden muss. Im Sinne sicherer Jobs. Denn nur ein produktives Unternehmen sichert Arbeitsplätze - eine Binsenweisheit, die natürlich auch auf VW zutrifft.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/6351 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_6351.rss2
Pressekontakt: Leipziger Volkszeitung Redaktion Telefon: 0341/218 11558
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