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Managementsysteme in Kernkraftwerken

Geschrieben am 10.09.2007 - [Nächster Artikel]

Köln (ots) - Bis vor wenigen Jahren wurde die Sicherheit der
Kernkraftwerke vornehmlich über die Sicherheit und Zuverlässigkeit
der eingesetzten Technik definiert. Ereignisse in deutschen
Kernkraftwerken haben jedoch Defizite im personell-organisatorischen
Bereich gezeigt.

Der jetzt veröffentliche GRS-Bericht "Managementsysteme in
Kernkraftwerken", der sich an die Aufsichtsbehörden und die Betreiber
von Kernkraftwerken richtet, beschreibt Anforderungen für den
sicheren Betrieb von Kernkraftwerken. Die Autoren empfehlen ein
prozessorientiertes, integriertes Managementsystem. Es organisiert
alle relevanten Aspekte des Unternehmens, die für den
Unternehmenserfolg wichtig sind, z. B. Sicherheit, Umweltschutz,
Wirtschaftlichkeit und Kundenzufriedenheit. Dadurch lassen sich
sicherheitsrelevante Belange reibungsfrei abwickeln und
Schnittstellenprobleme vermeiden.

Es ist gelungen, für die Aufsichtsbehörden und die Betreiber
detaillierte, umsetzbare und nachprüfbare Anforderungen zu
formulieren und in einem umfassenden Leitfaden zusammenzustellen. Sie
basieren auf den "Grundlagen für Sicherheitsmanagementsysteme", die
die GRS bereits 2004 im Auftrag des Bundesumweltministeriums
entwickelt hat.

"Managementsysteme in Kernkraftwerken", GRS - 229, August 2007,
134 Seiten, brosch. 24 x 16, Herausgeber: GRS bmH,
Schwertnergasse 1, 50667 Köln,
ein kostenloses Presseexemplar kann angefordert werden.

Fachlicher Hintergrund

Die Bedeutung einer systematischen Betriebsführung für die
Sicherheit von Kernkraftwerken ist in den letzten Jahren gestiegen.
Die Liberalisierung der Strommärkte erhöhte den Kostendruck auf die
Kernkraftwerksbetreiber. Die Betreiber bemühen sich, ihre Kosten
durch Straffung organisatorischer Abläufe und durch Reduzierung des
Personals zu senken.

Neben der zuverlässigen Technik hat die Betriebsführung einen
hohen Stellenwert für die Gewährleistung des sicheren Betriebs. Ein
wesentliches Element für eine sichere Betriebsführung ist nach
heutigem Verständnis ein wirkungsvolles Sicherheitsmanagementsystem.
Die Entwicklung und Einführung eines solchen
Sicherheitsmanagementsystems durch die Betreiber der Kernkraftwerke
wird von den Aufsichtsbehörden gefordert. Das deutsche kerntechnische
Regelwerk enthält lediglich Einzelanforderungen an
personell-organisatorische Aspekte. Daher beauftragte das
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
die GRS, geschlossene Anforderungen an ein
Sicherheitsmanagementsystem zu entwickeln. Bereits 2004 hat die GRS
mit den "Grundlagen für Sicherheitsmanagementsysteme" einen
Anforderungskatalog erarbeitet, den der BMU veröffentlicht hat.

Der Ansatz im aktuellen GRS-Bericht "Managementsysteme in
Kernkraftwerken" geht über ein Sicherheitsmanagementsystem hinaus.
Aus diesem Grund werden keine expliziten Anforderungen an ein
Sicherheitsmanagementsystem, sondern an sicherheitsrelevante Prozesse
formuliert, die auch bei einer isolierten Lösung in einem
Sicherheitsmanagementsystem zu erfüllen wären. Allgemeine
Anforderungen dazu lauten:

- Ein Managementsystem sollte nicht nur isoliert für eine
Zielrichtung etabliert werden. Stattdessen sollte ein
integriertes Managementsystem aufgebaut werden, mit dem alle
Unternehmensziele verfolgt werden können.

- Es ist insbesondere sicherzustellen, dass alle für die
Sicherheit bedeutsamen Tätigkeiten mit hoher Qualität
durchgeführt werden.

- Alle Tätigkeiten und Prozesse sind systematisch zu planen,
durchzuführen, zu überwachen und gegebenenfalls zu verbessern.
Durch die kontinuierliche Anwendung dieses Zyklus' ist eine
Optimierung der Betriebsführung zu erreichen.

- Aus der Unternehmenspolitik und übergeordneten
Unternehmenszielen sind Prozessziele abzuleiten. Dabei
auftretende Konflikte zwischen konkurrierenden
Unternehmenszielen sind zu identifizieren und zu lösen.

- Die Geschäftsleitung/Unternehmensführung muss die Umsetzung, den
Betrieb und die kontinuierliche Verbesserung des
prozessorientierten Managementsystems aktiv unterstützen.

Unter Berücksichtigung dieser allgemeinen Anforderungen wurde ein
beispielhaftes Prozessmodell für sicherheitsrelevante Prozesse eines
Kernkraftwerkes entwickelt. Den Prozessen werden die Anforderungen,
die zur Gewährleistung des sicheren Betriebes zu stellen sind,
konkret zugeordnet.

Zur GRS

Die GRS beschäftigt ca. 400 Mitarbeiter. Ihre Gesellschafter sind
der Bund, die Länder Nordrhein-Westfalen und Bayern sowie die
Technischen Überwachungs-Vereine und der Germanische Lloyd. Die GRS
finanziert sich über Projekte. Das jährliche Auftragsvolumen liegt
derzeit bei 50 Millionen Euro. Hauptauftraggeber sind das
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, das
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das Bundesamt für
Strahlenschutz sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Weiterhin bearbeitet die GRS Aufträge von Landesbehörden, dem
Umweltbundesamt und dem Auswärtigen Amt. Wichtigster ausländischer
Auftraggeber ist die Europäische Union.

Originaltext: GRS mbh
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/28425
Pressemappe via RSS : feed://www.presseportal.de/rss/pm_28425.rss2

Pressekontakt:
Horst May
Tel.: 0221-2068899
E-Mail: horst.may@grs.de
 
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