(Registrieren)

Westfalenpost: Menschen brauchen Ruhepunkte Das Fest, der Bundespräsident, die Arbeit

Geschrieben am 22-12-2006

Hagen (ots) - Von Bodo Zapp

Die Nachricht vom Verkauf "ihres" Betriebes an einen indischen
Konzern stimmt viele Menschen nachdenklich. Was bringt mir die
Zukunft, wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Weihnachten ist nicht frei
von Sorgen und Existenznöten, auch wenn im Fall der Hagener
Traditionsschmiede von kühler Geschäftemacherei zu Lasten der
Beschäftigten keine Rede sein kann.
Arbeitsplätze sollen gesichert, die Wettbewerbsfähigkeit soll durch
den Wechsel der Mehrheitsanteile nach Asien gestärkt werden, heißt
es. Firmenchef Harald Korte, Noch-Präsident der Südwestfalischen
Industrie- und Handelskammer, gehört nicht zu denjenigen, denen
persönlicher Vorteil über alles geht. Wie anderen Mittelständlern,
die sich wegen der Markt- und Globalisierungszwänge zur Anlehnung an
Konzerne und großes Kapital gewungen sehen, ist ihm der Verkauf nicht
leicht gefallen.
Ein Verbleib der Alt-Eigentümer in Führungspositionen soll
Sicherheit geben und Kontinuität gewähren. Und doch: Es ist ein
Unterschied, ob Entscheidungen an der Volme oder in Bombay fallen!
Die enge Beziehung von Eigentümern und Mitarbeitern,
Verantwortungsbewußtsein für das Gemeinwohl: Das war und ist die
besondere Stärke des heimischen Mittelstandes. Die Menschen haben das
verlässliche Miteinander stets als Fixpunkt in einer
unübersichtlicher und auch kälter gewordenen Arbeitswelt empfunden.
Kapitalspritzen, zunehmend aus dem Ausland, können im Einzelfall ein
Segen sein. Vor allem, wenn es sich um institutionelle Anleger
handelt, die nicht nur auf das schnelle Geld aus sind. Aber: Wer die
Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird! Ängste, Opfer einer
Beteiligungs- und Gewinnspirale zu werden, sind verständlich. Und
berechtigt, wie leidvolle Beispiele zeigen.
Internationale Analysten, die nie einen Industriebetrieb von innen
gesehen haben, bestimmen über Aufstieg und Fall, über Wohl und Wehe.
Selbst machtvoll scheinende Manager werden zu Getriebenen der
Milliarden-Jongleure, Finanzinvestoren sind die Gewinn-Herren.
Schwindelig machende Verdienste ganz oben sehen die Gewinn
Erarbeitenden mit Unverständnis und Unbehagen: Wo bleibe ich, wo ist
Halt? Der Mensch braucht Ruhepunkte. Und findet immer weniger.
Der Bundespräsident ist solch ein Ruhepunkt. Auch weil er
gelegentlich als politischer Unruhestifter den Parteien nicht zu
Munde redet. Da ist einer, der sagt, was er für richtig und wichtig
hält, ohne Rücksicht auf Empfindlichkeiten von
Regierungs-Amtsinhabern. Das tut gut, das ist eines Präsidenten
würdig.
Mit seiner Weihnachtsansprache legt Horst Köhler die Finger auf die
richtigen Stellen. Arbeit für die Menschen schaffen, das bleibe die
wichtigste Aufgabe. Mit aufrichtiger Politik müssten die
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft geschaffen werden.
Junge Menschen müssen mehr Chancen bekommen, der Erfahrungschutz der
Älteren solle mehr genutzt werden - hinter diesen Sätzen steckt keine
politische Brisanz, aber wohltuender Sinn für das Wesentliche. "Ich
wünsche mir, dass unsere Gesellschaft entschieden "Ja" zu Kindern
sagt": Danke, Herr Präsident!
Ruhepunkte braucht der Mensch, nicht nur zur Weihnachtszeit. Dazu
sollte auch künftig ein Luftholen am Sonntag gehören. Dazu gehört die
vorübergehend als ach so unmodern eingestufte Familie, die doch trotz
allem der Kern des Zusammenlebens und Zusammenhalts bleibt. Gerade in
einer Welt, in der alte Sicherheiten verloren gehen.
Ruhepunkt - das ist auch der Gottesdienst an den Feiertagen. Volle
Kirchen zum Fest, warum wohl? Es ist nicht nur Tradition.
Ruhepunkt - das ist für viele deutsche Soldaten die Heimat in der
Ferne. Das kann zu Hause die entspannende Fernsehsenduhg sein, in der
ausnahmsweise nicht geschossen und gemordet wird.
Ruhepunkt - das war das große Wir-Gefühl, die Freude und
Freundlichkeit während der Fußball-Weltmeisterschaft. Etwas davon
sollte erhalten bleiben.
Wir wünschen Ihnen ein ruhiges, erholsames, friedliches
Weihnachtsfest!

Originaltext: Westfalenpost
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=58966
Pressemappe via RSS : feed://presseportal.de/rss/pm_58966.rss2

Pressekontakt:
Rückfragen bitte an:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

46439

weitere Artikel:
  • Rheinische Post: Schäuble: Polizei muss private Computer kontrollieren dürfen Düsseldorf (ots) - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hält es für unabdingbar, dass Polizei und Verfassungsschutz die Möglichkeit haben müssen, private Computer per Internet zu kontrollieren. "In der Sache kann es keinen Zweifel geben, dass wir diese Möglichkeit brauchen", sagte der CDU-Politiker im Interview der "Rheinischen Post". (Samstagausgabe). "So, wie unter bestimmten Voraussetzungen aufgrund richterlicher Entscheidungen Telefone und Post kontrolliert werden können, so muss man natürlich auch die Chance haben, die neuen Kommunikationsformen mehr...

  • Rheinische Post: Arbeitgeber-Präsident Hundt fordert Basissicherung bei Rente und Gesundheit Düsseldorf (ots) - Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt hat wegen der hohen Lohnnebenkosten den Umstieg auf eine Basisversorgung bei Rente und Gesundheit gefordert. "Die hohen Lohnzusatzkosten sind für Deutschland ein echter Wettbewerbsnachteil", sagte Hundt der Rheinischen Post (Samstagausgabe). "Im Koalitionsvertrag versprochen ist eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge auf ein Niveau von unter 40 Prozent bis Ende 2009. Davon sind wir nach wie vor weit entfernt." Langfristig müssten daher die Sozialsysteme, voran Rente und Gesundheit, mehr...

  • Rheinische Post: Schäuble sieht beim Thema Illegale Handlungsbedarf Düsseldorf (ots) - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat eingeräumt, dass es für die Politik in Deutschland beim Thema "Illegale" Handlungsbedarf gibt. "Ich will nicht so tun, als gäbe es da kein Problem und keinen Handlungsbedarf. Ich würde aber nicht so weit gehen zu sagen, dass diese Menschen bleiben dürfen", sagte er im Interview der "Rheinischen Post". (Samstagausgabe) Er reagierte damit auf eine Forderung von Kardinal Karl Lehmann, der die Existenzsicherung von so genannten Illegalen in Deutschland gefordert hatte. Dabei mehr...

  • Berliner Morgenpost: Bischof Huber: Eltern sollen bis 6. Januar frei zwischen Elterngeld und Eriehungsgeld wählen können Berlin (ots) - Eltern, die zwischen dem 24. Dezember 2006 und dem 6. Januar 2007 ein Kind bekommen, sollen frei wählen können, ob sie das neue Elterngeld oder wie bisher Erziehungsgeld bekommen. Das fordert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in der "Berliner Morgenpost". Damit würde der Druck von vielen Müttern genommen, die Geburt hinauszuzögern. In einem Leitartikel für die Zeitung schreibt Huber: "Schwangere machen sich in diesen Tagen ihre eigenen Gedanken. Die Ärmeren unter ihnen mehr...

  • Der Tagesspiegel: Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul: Kein neues Geld für Sri Lanka ohne Friedensbemühungen Berlin (ots) - Zum zweiten Jahrestag des Tsunami hat Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die Geberländer aufgerufen, weitere Hilfszusagen an die Regierung von Sri Lanka davon abhängig zu machen, dass der Friedensprozess wieder in Gang komme. Ihr Ministerium habe neue Zusagen an die Regierung in Colombo so lange gestoppt, sagte die SPD-Ministerin dem in Berlin erscheinenden Tagesspiegel am Sonntag: "Es wäre schön, wenn andere westliche Regierungen auch so handeln würden." Weil neue Gelder wegen des wieder aufgeflammten mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht