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Westdeutsche Zeitung: Die Politik muss den Zerfall der Mittelschicht stoppen Von Christoph Lumme =

Geschrieben am 15-06-2010

Düsseldorf (ots) - Schade, dass die Gewerkschaften die
Sozialstudie des DIW auf die Sparpläne der Bundesregierung verkürzen.
Richtig ist zwar, dass Schwarz-Gelb mit diesem Programm, sollte es
realisiert werden, die sozialen Gräben vertiefen würde. Doch die
Ursachen der Misere liegen nicht in der Gegenwart einer hilflos
agierenden Bundesregierung. Zielführender wäre eine vielschichtigere
Schadensanalyse: Wie kommt es, dass die ehemalige
Mittelschichtsgesellschaft Deutschland im ersten Jahrzehnt des 21.
Jahrhunderts zu zerfallen droht?

Woran liegt es, dass immer mehr Menschen aus der Mitte in die
Unterschicht abrutschen, weil ihre Lebensläufe brüchig werden? Woran
liegt es, dass die Angst vor dem Abstieg in diesem Land so
übermächtig wird?

Da sind zunächst einmal die Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt: das
Verschwinden traditioneller Industrien mit ihren berechenbaren Jobs,
die digitale Revolution und der Langzeit-Trend der Unternehmen, immer
mehr Arbeit auf immer weniger Schultern zu verteilen.

Aber nicht nur feste Jobs sichern die Existenz von Menschen - auch
Familienstrukturen tun dies. Wenn in deutschen Großstädten fast jede
zweite Ehe scheitert, verliert auch diese Säule der Stabilität ihre
Zuverlässigkeit.

Der Zerfall der Mittelschichtsgesellschaft wurde vor allem durch
einen veränderten politischen Zeitgeist beschleunigt. Dieser
rechtfertigte in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends jeden neuen
Eingriff in die Arbeitnehmerrechte mit dem Totschlagsargument der
Globalisierung und gab sich ansonsten der Illusion hin, die
marktliberalen Staaten Großbritannien und Amerika befänden sich auf
einer höheren zivilisatorischen Entwicklungsstufe als Deutschland
oder die Länder Skandinaviens.

Die Stimmung in der Bevölkerung deutet nun darauf hin, dass die
bereits abgeschriebene soziale Marktwirtschaft deutscher Prägung vor
einer Renaissance steht; nicht zuletzt deshalb stürzen die
Freidemokraten in Meinungsumfragen so drastisch ab.

Die Politik muss erkennen, dass es sich nicht um belanglose
eiddebatten handelt, wenn der Souverän einen Wert in den Mittelpunkt
rückt, der für jede Nation von existenzieller Bedeutung ist -
Gerechtigkeit. Jenen Kitt, der unsere Gesellschaft (noch)
zusammenhält.

Originaltext: Westdeutsche Zeitung
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Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211 / 8382-2370
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de


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