(Registrieren)

Berliner Morgenpost: Finanzielle Hilfe, aber auch hartes Durchgreifen (Leitartikel)

Geschrieben am 23-03-2010

Berlin (ots) - Die gestrige Senatspressekonferenz wirkte wie
bestellt. Am Vortag hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus
Wowereit (SPD) die Problemstadtteile Moabit und Wedding besucht.
Einen Tag später präsentiert seine Stadtentwicklungssenatorin
Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ein Programm, wie die sozial schwierigen
Kieze stabilisiert werden können. Das habe nichts mit der Bezirkstour
des Regierenden Bürgermeisters zu tun. Das Programm "Aktionsräume
plus" sei schon seit Langem in Planung, sagte Junge-Reyer.
Ungewollt machte sie damit auf eine Schwäche der Senatspolitik
aufmerksam. Denn seit Jahren sind die Problemzonen der Hauptstadt
bekannt. Kreuzberg, Teile von Spandau, die nördlichen Gegenden von
Marzahn und Hellersdorf, Moabit und Wedding sowie Nord-Neukölln haben
mit Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität zu kämpfen. Seit Jahren
versuchen Sozialarbeiter und Polizei, Schulen und Behörden dort Herr
der Probleme zu werden. Doch - wie es scheint - mit geringem Erfolg.
Erst Anfang des Jahres warnte der Stadtsoziologe Hartmut Häußermann
vor neuen Unterschichten, die in diesen Stadtteilen entstehen.
Nun soll also wieder Geld helfen. Viel Geld. 73 Millionen Euro, 20
Millionen mehr als geplant, will der Senat in die fünf besonders
belasteten Stadtteile stecken. In welche Projekte das Geld fließen
soll, will die Regierung bis Ende des Jahres festlegen. Wieder
verstreicht viel Zeit. Immer wieder postuliert der Senat, die Bildung
sei der Schlüssel zum sozialen Aufstieg. Die Sekundarschule und
Ganztagseinrichtungen sollen die Versäumnisse in den Elternhäusern
auffangen. Das ist ein richtiger Ansatz. Aber bis der Umbau greift,
droht eine verlorene Generation heranzuwachsen.
Bei seiner Kieztour musste Klaus Wowereit erfahren, wie es um die
Bildungseinrichtung Schule bestellt ist. Da liegt der
Altersdurchschnitt der Lehrer an einer Realschule bei 56,5 Jahren. Da
schaffen nur zehn von 70 Schülern den Sprung in die Berufswelt. Da
wundert sich ein Personalleiter über die schlechten Deutsch- und
Mathekenntnisse sowie mangelnde Pünktlichkeit der Schüler. Man hat
den Eindruck, dass trotz des Engagements der Lehrer die Schule in
ihren elementaren Aufgaben versagt. Wie kann es denn sonst sein, dass
ein Jugendlicher aus einer Einwandererfamilie nach zehn Jahren auf
deutschen Schulen kein richtiges Deutsch spricht?
Es gibt aber auch Ansatzpunkte, die schnell wirken. Auf dem
Leopoldplatz in Wedding muss der Staat durchgreifen. Dort macht eine
Trinker- und Drogenszene den Anwohnern das Leben schwer. Natürlich
muss man auch Angebote für die Süchtigen machen. Es kann nicht sein,
dass eine Minderheit die Mehrheit drangsaliert. Hier sind Polizei und
Ordnungsamt gefordert, den öffentlichen Platz wieder für Mütter mit
Kindern, für Anwohner und ältere Menschen sicher zu machen. Dafür
braucht man nicht Millionen Euro, sondern nur den politischen Willen.

Originaltext: Berliner Morgenpost
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/53614
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_53614.rss2

Pressekontakt:
Berliner Morgenpost

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

258811

weitere Artikel:
  • Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT zu Heinrich Boere Bielefeld (ots) - Ein 88 Jahre alter Mann, der im Rollstuhl sitzt, ist zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Muss das sein? Unbedingt. Als Mitglied eines SS-Mordkommandos hat er während des Zweiten Weltkriegs drei niederländische Zivilisten erschossen. Nach 66 Jahren hat ihn die Zeit eingeholt. Immerhin hat Heinrich Boere seine Taten vor Gericht gestanden. Seit seinen Morden fürchtete er den Prozess. Die Angst, sich eines Tages doch noch vor der Justiz verantworten zu müssen, hat ihn nach eigenen Angaben daran gehindert, eine mehr...

  • RNZ: RNZ: Die Zensur bleibt Heidelberg (ots) - Die Rhein-Neckar-Zeitung kommentiert den Schritt von Google, die Selbstzensur seiner Suchmaschine in China zu beenden: "Aus der Sicht chinesischer Internetnutzer ist der Umzug von Google nach Hongkong nur ein minimaler Gewinn: Statt um kritische Inhalte bereinigte Trefferlisten erhalten sie nun im Zweifel gar keine Suchergebnisse mehr, da China den Datenverkehr in die Sonderwirtschaftszone wie den ins Ausland scharf kontrolliert. Und wenn google.hk doch einmal den Link zu einer kritischen Seite ausspucken kann, führt mehr...

  • WAZ: Freiheit und Missbrauch - Wichtige Diskussionen. Kommentar von Birgitta Stauber-Klein Essen (ots) - Freiarbeit, Projektarbeit, jahrgangsübergreifender Unterricht: Das ist an vielen ganz normalen Schulen längst Realität. Die Gewalt an Schülern, ihre Unterdrückung und Bloßstellung gehören der Vergangenheit an. Wenn Kinder die Rohrstock-Geschichten ihrer Großeltern hören, überkommt sie im Wissen, dass ihnen das nicht passieren kann, allenfalls wohliges Grausen. Kurz: Die Auswirkungen der Reformpädagogik auf den ganz normalen Schulalltag sind enorm. Sie sind ein Segen. Die Reformpädagogik hat eine bemerkenswerte, 100 Jahre mehr...

  • WAZ: Gewalt von Extremisten - Langer Atem nötig. Kommentar von Dirk Hautkapp Essen (ots) - Die Zahlen zur politisch grundierten Kriminalität sind jedes Mal ein Schlag in die Magengrube. Jedes Jahr ein bisschen fester. Jedes Jahr brutaler. Der übliche Reflex, der folgt, lenkt ab und gleicht einer Kapitulation. Sich per Definition in die Gleichsetzung von Rechts- und Linksextremismus zu flüchten, verhindert weder neobraune Stiefeltritte ins Gesicht noch ultralinke Brandbomben auf Polizeiwachen. In beiden Fällen gründet der Exzess auf Menschenverachtung. Asoziales Verhalten im Wortsinn. Und das ist niemals hinnehmbar. mehr...

  • Schavan fordert Korrektur der Föderalismusreform / Bildungssenator Zöllner (SPD) befürchtet bei geplanter Grundschulförderung Berlin-Benachteiligung Bonn (ots) - Bonn/Berlin, 23. März 2010 - Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) fordert eine Korrektur der Föderalismusreform im Bereich der Schulpolitik. In der PHOENIX-Sendung UNTER DEN LINDEN SPEZIAL (Ausstrahlung heute, 22.15 Uhr) sagte Schavan: "Föderale Ordnung braucht kein Kooperationsverbot. Das ist heute nicht sinnvoll." Man habe sich vor vier Jahren nicht vorstellen können, dass mehr Kooperation in der Schulpolitik notwendig sei. "Es würde schon reichen, zu schreiben: 'Bund und Länder stellen die Leistungsfähigkeit mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Politiknachrichten

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

LVZ: Leipziger Volkszeitung zur BND-Affäre

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht