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Westdeutsche Zeitung: Große Koalition = von Alexander Marinos

Geschrieben am 16-09-2009

Düsseldorf (ots) - Wenn etwas zu Ende geht, erscheint es meist in
einem milderen Licht. Das gilt auch für die zweite Große Koalition in
der Geschichte der Bundesrepublik. Einige haben es sich in dieser
Koalition recht behaglich eingerichtet. Die Bundeskanzlerin zum
Beispiel: Dass sie die ihr vom Grundgesetz zugestandene
Richtlinienkompetenz in der Praxis nicht ausüben konnte, weil ihr im
Kabinett die SPD-Minister auf Augenhöhe gegenübersaßen, war ihr nicht
unrecht. Es entspricht einfach nicht ihrem Naturell, laute (Männer-)
Stimmen schrill zu übertönen. Sie wartet lieber ab, bis den anderen
die Puste ausgeht, um dann bestenfalls sanft nachzujustieren. In
einer schwarz-gelben Koalition müsste Angela Merkel viel deutlicher
führen. Will sie das? Kann sie das?
Auch der CSU-Chef trägt unter dem schwarz-gelben Trikot (heimlich?)
ein schwarz-rotes. Bei ihm geht es jedoch weniger um machtpolitische
Fragen als um knallharte Inhalte. Horst Seehofer hat sein ganzes
politisches Leben lang Sozialpolitik betrieben. Es ist kaum
vorstellbar, dass ein solcher "schwarz lackierter Sozialdemokrat",
wie FDP-Chef Guido Westerwelle sagen würde, einem neuen
Wirtschaftsliberalismus den Weg freimacht. Im Gegenteil: Seehofer
gefällt sich darin, aufzuzählen, wie er Westerwelles Programm
zerpflücken würde, sollte es im Bund zu Koalitionsverhandlungen mit
der FDP kommen. Dass er wie der Ober-Liberale die Steuern kräftig
senken will, ist die einzige Gemeinsamkeit. Aber reicht das für ein
Regierungsprogramm?
Ausgerechnet Seehofer fordert von der CDU nun mehr Abgrenzung von der
SPD. Dieses Manöver ist so durchschaubar wie die harsche Kritik von
Renate Künast an Peer Steinbrücks schwarz-roten Liebesschwüren.
Schließlich hat die Grünen-Spitzenfrau selbst erst vor wenigen Tagen
gesagt, Rot-Grün hätte keine Chance. Haben Seehofer und Künast
Probleme mit ihrem Kurzzeitgedächtnis? Das nicht. Aber sie
unterstellen es ihren Wählern.
Steinbrück tickt da anders. Er sagt, was er denkt, auch wenn er dem
eigenen Kanzlerkandidaten in die Beine grätscht. Denn mit der
Aussicht auf eine Große Koalition unter Merkel lassen sich
SPD-Anhänger wohl kaum mobilisieren. Je mehr Steinbrück also von
einer schwarz-roten Neuauflage träumt, desto unwahrscheinlicher wird
sie.

Originaltext: Westdeutsche Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/62556
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Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de


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