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Zukunft Luftverkehr Deutschland / BARIG und ADV ziehen an einem Strang

Geschrieben am 22-09-2008

Berlin (ots) - Passagier- und Frachtaufkommen trotzen den hohen
Ölpreisen und der Konjunkturflaute - Aktuelles Flughafenkonzept der
Bundesregierung vom September 2008 stößt auf positive Resonanz -
Bedarfsgerechter Ausbau, Verantwortung für Umwelt und Klimaschutz
sowie Sicherheit im Luftverkehr einige der Top-Themen beim ersten
gemeinsamen Pressegespräch in Berlin - Politik weiterhin stark
gefordert

Das Board of Airline Representatives in Germany e.V. (BARIG) und
der Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher
Verkehrsflughäfen) präsentieren sich heute zum ersten Mal gemeinsam
im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin bei einem Pressegespräch.
"Wir arbeiten bereits seit Jahren eng zusammen. Uns war es wichtig,
der Öffentlichkeit und besonders der Politik zu zeigen, dass zwei
unterschiedliche Verbände durchaus mit einer Stimme sprechen können",
so BARIG-Generalsekretär Martin Gaebges. Ralph Beisel,
Hauptgeschäftsführer der ADV ergänzt: "In der derzeitigen turbulenten
Marktlage müssen Flughäfen und Fluggesellschaften noch enger an einem
Strang ziehen, um die Zukunftsfähigkeit des Luftverkehrsstandortes
Deutschland zu sichern."

Deutschland weiterhin wichtigste Luftverkehrsdrehscheibe Europas

Trotz der dramatisch hohen Ölpreise und der schwächelnden
Konjunktur, die Airlines wie auch Airports zu Sparmaßnahmen und
Erhöhung der Ticketpreise zwingen, bleibt der Luftverkehr weiterhin
Wachstumsbranche und Deutschland wichtigste Luftverkehrsdrehscheibe
Europas. Dies belegen die aktuellen Passagier- und Frachtzahlen auf
deutschen Flughäfen: Das erste Halbjahr 2008, bis einschließlich
Juli, verweise mit 110 Millionen Passagieren im Vergleich zum Vorjahr
ein Wachstum von 4,2 Prozent. Das Luftfrachtaufkommen erlebte mit
über 2,2 Millionen Tonnen einen Aufschwung um 9,4 Prozent. Doch: Das
Wachstum gerät ins Stocken. "Wir erwarten für das zweite Halbjahr und
für den Winter ein Nullwachstum", prognostiziert Ralph Beisel. Erst
im Laufe des kommenden Jahres werde die Branche wieder auf den
Wachstumskurs zurückkehren.

Flughafenkonzept der Bundesregierung

BARIG und ADV begrüßen den aktuellen Entwurf des
Flughafenkonzeptes der Bundesregierung. "Wir sehen in dem
Konzeptpapier der Bundesregierung einen wichtigen Beitrag zur
Stärkung des Luftverkehrs und des Standorts Deutschlands insgesamt",
sagt Ralph Beisel. Der Bund bestätigt die Notwendigkeit eines
bedarfsgerechten Ausbaus der Flughäfen sowie für einen Betrieb in den
Tagesrandzeiten und in der Nacht. "Ein Flughafenkonzept muss
Planungssicherheit schaffen und die Leistungsfähigkeit der
bestehenden Flughäfen stärken. Vor dem Hintergrund des
prognostizierten Verkehrswachstums bis zum Jahr 2020 sind gezielte
Ausbau- und Erweiterungsmaßnahmen dringend erforderlich", sagt Ralph
Beisel. "Wir brauchen in Deutschland keine neuen Flughäfen, sondern
wir müssen den Kapazitätsengpässen an den bestehenden
Verkehrsflughäfen entgegenwirken."

Doch der Flughafenverband ADV äußert auch Kritik am
Flughafenkonzept der Bundesregierung: So hält Ralph Beisel den
Vorschlag, dass alle Flughäfen zusätzlich zu den bereits heute
umfänglichen Anforderungen im Rahmen der Planfeststellungsverfahren
noch weitere Kriterien und Nachweise zu erbringen haben, für
kontraproduktiv. "Wir appellieren dringend an die Bundesregierung,
die Ausführungen zur Konkurrenzanalyse zu streichen." Bereits heute
ist die Planrechtfertigung ausgiebig zu begründen. Ein umfassender
Bedarfsnachweis ist Bestandteil eines jeden
Planfeststellungsverfahrens. Weitere Kriterien und Nachweise wirken
lediglich komplexitäts- und Kosten steigernd.

Weiterhin sei die Bundesregierung aufgefordert, an ausgewählten
Flughäfen Nachtflugbetrieb zu ermöglichen. "Um international
konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Betriebszeiten auf deutschen
Flughäfen global ausgerichtet sein, vor allem für
Langstreckenverkehre, Frachtflüge, Expressdienste und Charterflüge",
so Martin Gaebges. "Dies gilt insbesondere für den Frankfurter
Flughafen, der als Europas größter Frachtflughafen, Deutschlands
Vernetzung mit den weltweiten Warenströmen sicherstellt."

Umwelt und Klimaschutz

Im Hinblick auf die Einbeziehung des internationalen Luftverkehrs
in den EU-Emissionshandel ab 2012 fordern BARIG und der
Flughafenverband ADV eine dringende Überarbeitung der Richtlinie.
Auch ist die Einbeziehung aller weltweiten Flüge notwendig. "Wir sind
auch strikt gegen eine Versteigerung der Zertifikate, die auf einen
Anteil von 15 Prozent angehoben wurde", sagt Gaebges. Dies verleihe
dem Emissionshandel den Charakter einer Steuer oder Abgabe und
entziehe den Fluggesellschaften finanzielle Mittel, die für
zielführendere Investitionen in neue Technologien einsetzbar wären.
Eine weitere Verteuerung der Flugtickets für Langstreckenflüge von
rund 30 bis 40 Euro pro Strecke wäre die Folge. Weitere
kontraproduktive Ideen seien die Einführung einer Kerosinsteuer oder
zusätzlicher Ticketabgaben.

Ein Erfolg versprechendes Umweltschutzprogramm im europäischen
Luftverkehr sei die Verordnung zum Single European Sky (SES). "Wir
postulieren eine schnelle Verabschiedung dieser Verordnung", sagt
Gaebges. Eine europaweite flugbetriebliche Neuordnung im Luftraum
würde dazu beitragen, die CO2-Emissionen pro Flug um bis zu zwölf
Prozent zu reduzieren. In diesem Zusammenhang sei auch eine
Optimierung und Effizienzsteigerung der Flugsicherung gewährleistet.
"Die nationalen Beschränkungen der Deutschen Flugsicherung müssen
aufgehoben werden, sonst verlieren wir auch hier den Anschluss an
Europa", so Gaebges. Es müssten schnell Gesetze zur Rechts- und
Strukturanpassung sowie Kooperation der DFS mit ausländischen
Flugsicherungen geschaffen werden. Auch eine Grundgesetzänderung sei
zwingend notwendig.

Beim Fluglärmschutzgesetz fordern BARIG und ADV eine baldige und
reibungslose Umsetzung des in 2007 aktualisierten Gesetzes. So lasse
eine gesetzeskonforme Erstellung des untergesetzlichen Regelwerks
durch das Bundesumweltministerium (BMU) immer noch auf sich warten.
Das Gesetz regelt für die Anwohner von Flughäfen wichtige Bereiche
des Schallschutzes, etwa die Berechnung des Fluglärms, die
Dimensionierung der Schallschutzmaßnahmen und die
Entschädigungshöhen. "Die betroffenen Anwohner wünschen sich schnell
Rechtssicherheit", sagt Beisel und ergänzt: "Jede weitere Verzögerung
durch das BMU als federführendes Ministerium ist untragbar."

Sicherheit im Luftverkehr

Auch bei der Sicherheitsfrage im Luftverkehr sind sich beide
Verbände einig. "Die Sicherheit der Bürger ist eine hoheitliche
Aufgabe und kann nicht allein den Airports oder Airlines auferlegt
werden", erklärt Beisel. Die Aufbürdung der Zuständigkeiten auf die
Unternehmen führe zu erheblichen Mehrkosten für Fluggesellschaften
auf deutschen Flughäfen. Obwohl das EU-Parlament eine 50-prozentige
Beteiligung der Mitgliedsstaaten empfohlen hat, lehnte der
Ministerrat ab. "Airlines und Airports sind bereit, einen Teil der
Kosten zu tragen, erwarten aber auch hier das Entgegenkommen der
Regierung", sind sich die beiden Verbandschefs einig.

Ausblick

Nach Auffassung beider Verbände geht der Trend im Luftverkehr in
Richtung eines ausgedünnten Streckennetzes, reduzierten
Flugplanangebotes und höherer Ticketpreise. "Die Airlines sehen sich
in einem Teufelskreis durch die vielen Flottenneubestellungen, die
unweigerlich zu Überkapazitäten führen", schlussfolgert Martin
Gaebges. Dadurch gehe auch die Konsolidierungswelle bei den
Fluggesellschaften weltweit weiter. Die Flughäfen sehen sich hingegen
einer stärkeren Übernahmerallye durch internationale Investoren
ausgesetzt, so der BARIG-Chef.

Nichtsdestotrotz bleibt die langfristige Prognose für das
Luftverkehrsaufkommen in Deutschland bis 2020 ungebrochen positiv. So
wird ein Anstieg der Passagierzahlen auf deutschen Flughäfen von
jährlich vier bis fünf Prozent prognostiziert. Die Zahl der
Passagiere im Linien- und Charterverkehr wird von heute 190 Millionen
auf über 300 Millionen steigen. Auch die Luftfracht ist mit einem
erheblichen Gesamtzuwachs von prognostizierten 117 Prozent und einer
mittleren jährlichen Zuwachsrate von 5,3 Prozent angesetzt.

"Doch zunächst steht der Branche ein harter Winter bevor. Die
aktuellen Zahlen lassen erkennen, dass wir wohl erst im kommenden
Jahr wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren werden", mahnt Ralph
Beisel. Martin Gaebges ergänzt abschließend: "Wie in jeder Krise,
wird es Sieger und Verlierer geben. Die, die überleben, werden viel
stärker sein als zuvor."

BARIG (Board of Airline Representatives in Germany) e.V. vertritt
und fördert die gemeinsamen Interessen von mehr als 100
Airline-Mitgliedern. Dazu gehören nationale wie auch internationale
Fluggesellschaften aus dem Bereich Linienflug, Ferienflug, Air Cargo
und Business Aviation, die im deutschen Markt tätig sind. Der Verband
mit Sitz in Frankfurt am Main setzt sich seit seiner Gründung 1951
für die Verbesserungen der vertrieblichen und operationellen
Bedingungen des Flugverkehrs in Deutschland ein. Im Rahmen des
Engagements als repräsentative Einrichtung nimmt BARIG
stellvertretend für die Fluggesellschaften Stellung zum Thema
Wirtschaftsfaktor Luftfahrt ebenso wie zu den Perspektiven im
Luftverkehr, zu Standortfragen für Flughäfen sowie zu Themen rund um
Fluglärm, Umwelt und Sicherheit. Weitere Einzelheiten auf
www.barig.org .

Die ADV - Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen wurde
1947 in Stuttgart gegründet und ist damit der älteste Verband der
zivilen Luftfahrt in Deutschland. Heute vertritt der Flughafenverband
ADV die Flughäfen in der Schweiz, Österreich und in Deutschland.

Der Flughafenverband ADV setzt sich für einen leistungsstarken und
wettbewerbsfähigen Luftverkehrsstandort Deutschland ein. Die ADV
unterstützt alle Maßnahmen, die den bedarfsgerechten Ausbau
ermöglichen, die optimale Nutzung der vorhandenen Kapazitäten
gewährleisten, die Intermodalität unterstützen sowie die
Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit des Luftverkehrs
fördern.

Originaltext: ADV Deutsche Verkehrsflughäfen
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/44169
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_44169.rss2

Pressekontakt:
BARIG e.V. - c/o C&C Contact & Creation GmbH, Nuray Güler,
Tel: +49-69-96 36 68 0, E-Mail: barig-PR@cc-pr.com

Der Flughafenverband ADV, Leif Erichsen, Tel: +49-30-310118-52,
E-Mail: erichsen@adv.aero


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