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Westdeutsche Zeitung: Hilfe per Zwang funktioniert nicht = Von Stefan Küper

Geschrieben am 13.05.2008 - [Nächster Artikel]

Düsseldorf (ots) - Zwei entsetzliche Naturkatastrophen, zwei
Regierungen, zwei völlig unterschiedliche Reaktionen. Während in
China das Krisenmanagement weitgehend funktioniert und westliche
Hilfsorganisationen willkommen geheißen werden, sind in Birma
Hunderttausende vom Tode bedroht. Auch erste Seuchenmeldungen ändern
nichts an der zynischen Haltung der Junta. Die Zeit rennt den
verhinderten Helfern davon, die Forderungen nach einem Eingreifen des
Weltsicherheitsrats werden lauter. Die Junta soll gezwungen werden,
die Helfer ins Land zu lassen. Emotional sind solche Forderungen
verständlich, rational betrachtet sind sie Unsinn.
Es ist schwer erträglich, dem entsetzlichen Leid in Birma tatenlos
zusehen zu müssen, aber es ändert nichts an den Fakten: Der Westen
kann Hilfe anbieten, er kann dem Regime die benötigten Hilfsgüter
übergeben, er kann das Leid mit einer Luftbrücke lindern - aber Hilfe
mit Gewalt durchsetzen kann er nicht.
Völkerrechtlich ließe sich ein militärisches Eingreifen zwar durchaus
begründen, doch dem müsste ein klares Votum des Weltsicherheitsrates
vorausgehen. Es gibt mindestens zwei gute Gründe, dieses Gremium
besser nicht einzuschalten. Erstens benötigt der Sicherheitsrat für
wirkungsvolle Beschlüsse in erster Linie das, was die Menschen in
Birma nicht mehr haben: Zeit. Zweitens wird auch die Erfahrung
eigenen Leids China kaum dazu bewegen, eine Resolution gegen die
Junta mitzutragen. Der Streit um humanitäre Hilfe würde vollends zu
einem politischen Konflikt und damit mit Machtinteressen aufgeladen,
die eine Verbesserung der Situation auf absehbare Zeit unmöglich
machen würden. Es ist sicher verständlich, der Junta besser heute als
morgen ihr Ende zu wünschen. Doch im Angesicht einer
Jahrhundert-Naturkatastrophe wäre es ein für hunderttausende Menschen
tödlicher Fehler, den offenen Konflikt mit der Regierung gerade jetzt
zu suchen.
Die internationale Gemeinschaft ist an den Grenzen des Machbaren
angelangt. Die großen Hilfsorganisationen aber sollten eine Lehre aus
dem Desaster ziehen: Wer in diesen Tagen auf einheimische Fachleute
und Helfer in Birma zurückgreifen kann, hilft am effektivsten. Wer
also global helfen will, muss vor allem global vernetzt sein.

Originaltext: Westdeutsche Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/62556
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_62556.rss2

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de
 
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