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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Papstbesuch in den USA

Geschrieben am 18.04.2008 - [Nächster Artikel]

Bielefeld (ots) - »Keines meiner Worte kann den Schmerz und den
Schaden beschreiben, den solcher Missbrauch bringt. Es ist wichtig,
dass denen, die gelitten haben, liebende, seelsorgerische
Aufmerksamkeit zuteil wird.«
Erst ließ Benedikt XVI. mit ungewöhnlich klaren Worten im
Baseballstadion von Washington vor aller Öffentlichkeit aufhorchen,
dann folgten der Predigt Taten. Hinter verschlossenen Türen stellte
er sich den Opfern sexuellen Missbrauchs durch seine eigenen
Priester.
Der Mann an der Spitze von einer Milliarde Katholiken ging einen Weg,
zu dem seine Kirche lange nicht fähig war. Benedikt markiert damit in
einer kirchenhistorisch einmaligen Geste einen Punkt, hinter den kein
Kirchenführer mehr zurück kann. Nicht im weltumspannenden Apparat der
römisch-katholischen Amtskirche, aber auch nicht auf Seiten eifernder
Kritiker.
Lange war schamhaft verschwiegen worden, dass sich 5000 pädophile
Priester von 1950 bis 2002 an mehr als 13 000 Minderjährigen sexuell
vergangen hatten. Losgelöst von der schweren Sünde, die sie damit
gegenüber Gott begingen, steht jetzt vor allem das Leid und die nie
zu heilende seelische Verletzung der Opfer im Blickpunkt.
Nicht zu vergessen: US-Diözesen zahlten Schweigegelder in
Milliardenhöhe. Rom hielt lange still. Joseph Ratzinger selbst hatte
als Vorsteher der Glaubensbehörde tiefen Einblick in den Skandal.
Viele Fälle gingen über seinen Tisch. Man hat ihm das zu Recht
vorgehalten.
Aber erst jetzt sehen wir den Deutschen auf dem Stuhl Petri in seiner
Gesamtheit. Als Papst ist Ratzinger unumkehrbar in die Offensive
gegangen. Sein Schritt signalisiert aller Welt: Das Totschweigen des
Missbrauchproblems im Weinberg des Herrn muss ein Ende haben. Statt
vorrangig die Täter zu schützen, gilt für Benedikt, sich den Opfern
zuzuwenden.
Konsequent, wenngleich ganz anders gelagert, war dann auch seine
fromme Botschaft vor den Vereinten Nationen. Als Sprecher der
gesamten Christenheit, viellicht sogar aller Gläubigen dieser Welt,
verlangte er mehr Anstrengungen zum Schutz der Menschenrechte.
Auch wenn dies wiederum »nur« eine Rede war, so müssen die Worte
vielen Delegierten im weltumspannenden Parlament in den Ohren
geklungen haben. Ständig stattfindende Verletzungen der
Menschenrechte - mal in dieser, mal in jener Ausprägung - dürften
nicht zu einem »pragmatischen Ansatz« führen, sprach Benedikt den
Diplomaten ins Gewissen.
Ganz oder gar nicht: Die vor 60 Jahren beschlossene Erklärung der
Menschenrechte dürfe niemand selektiv in Anspruch nehmen, sagte
Benedikt, ohne China, USA oder einzelne Potentaten zu nennen. So
schlichte Sätze wie »Menschenrechte gelten für alle Menschen« können
eben doch ganz besonders klingen - nämlich dann, wenn sie ein Papst
ausspricht, der mit dieser USA-Reise einen Glanzpunkt seines
Pontifikats gesetzt hat.

Originaltext: Westfalen-Blatt
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/66306
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_66306.rss2

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
 
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