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Boersen-Zeitung: Börsenfusion ohne Synergien, Kommentar von Dieter Kuckelkorn zu den betriebswirtschaftlichen Aspekten von Börsenzusammenschlüssen

Geschrieben am 18-05-2006

Frankfurt (ots) - In der aktuellen Diskussion um die Neugestaltung
der globalen Börsenlandschaft gibt es einen beunruhigenden Aspekt. Im
Hype um die Börsenfusionen wird die Frage, ob diese
betriebswirtschaftlich sinnvoll sind, sträflich vernachlässigt. An
diesem zentralen Punkt sind jedoch beispielsweise die Mega-Merger der
Jahrtausendwende letztlich gescheitert.

Die bisher erörterten Kombinationen sehen nicht sehr überzeugend
aus. Eine Fusion von Euronext und Deutscher Börse wäre zum Beispiel
aufgrund von Kosten-Synergien durch die Vereinheitlichung der
IT-Systeme noch am vielversprechendsten.

Wesentlich differenzierter hingegen wäre eine Liaison von Nyse und
Euronext zu beurteilen. Anders als bei Zusammenführung der Börsen von
Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon unter einem Konzerndach ließen
sich jetzt kaum Synergien im Bereich der Handelssysteme und der
Abwicklung heben, weil das Umfeld der Märkte in Europa und den USA
einschließlich der rechtlichen Rahmenbedingungen einfach zu
unterschiedlich ist. So stellen die Euronext-Aktienbörsen in sich
abgeschlossene nationale Monopole dar, während die Nyse im Wettbewerb
zur Nasdaq und zu elektronischen Handelsplattformen steht, wobei eine
einheitliche Preisbildung auf allen Handelsplätzen gefordert wird.

Damit bleiben die strategischen Aspekte übrig. Hier lassen sich
zwar gewisse Vorteile ausmachen. Diese lägen aber eindeutig bei der
Nyse. CEO John Thain würde sein Haus zum weltweit führenden
Börsenkonzern ausbauen und die notorische Schwäche der Nyse bei den
Derivaten beseitigen. Die französische Seite hätte freilich das
Nachsehen. Dass die Amerikaner zulassen, dass ein CEO Jean-François
Théodore den neuen Konzern möglicherweise sogar von Paris aus führt,
ist unwahrscheinlich. Théodore hätte sich mit der unattraktiven Rolle
des Juniorpartners abzufinden.

Zu den wenigen mahnenden Stimmen gehören die Ratingagenturen. So
kann beispielsweise Standard & Poor's der Annäherung der Nasdaq an
die London Stock Exchange (LSE) wenig Positives abgewinnen. Von der
hinter dem Deal stehenden Strategie ist die Agentur, die die Nasdaq
auf Junk-Niveau herabgestuft hat, nicht überzeugt: Die Beteiligung an
der LSE biete der Nasdaq kaum Synergien und nur geringes
Cash-flow-Potenzial. Dem kann man nur zustimmen.

(Börsen-Zeitung, 19.5.2006)

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=30377
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