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Westdeutsche Zeitung: Weltbank warnt vor Armut in der dritten Welt = von Eberhard Fehre

Geschrieben am 10.04.2008 - [Nächster Artikel]

Düsseldorf (ots) - Es scheint, als höben wir unseren Hintern immer
erst dann vom Stuhl, wenn schon die Hosen brennen. Es musste wohl
erst zu den Hungerrevolten in Haiti kommen, um die Folgen der
Preisexplosion von Lebensmitteln für weite Regionen in der Dritten
Welt zur Kenntnis zu nehmen. Und auch wenn jetzt Weltbank und
Welthungerhilfe Alarm schlagen, sagt uns doch jede Erfahrung, dass am
Ende nur wieder eine Kombination aus dringend notwendiger Soforthilfe
und fruchtlosen Konferenzen die Folge ist. Armut - und hier ist nicht
von relativ kommoder mitteleuropäischer, sondern von bitterernster
und lebensbedrohender Armut in weiten Teilen Afrikas, Asiens und
Amerikas die Rede - begleitet uns seit Jahrzehnten. Ohne dass die
Lage tatsächlich wesentlich besser geworden wäre. Trotz oder
vielleicht auch wegen all der Konferenzen.
Ein durchaus nachdenkenswertes Beispiel sind die ehrgeizigen und so
gefeierten "Milleniumsziele" der Uno: Bis 2015 sollte die extreme
Armut weltweit halbiert werden. Tatsächlich ist diese Quote von
ehemals 28 Prozent der Weltbevölkerung auf nun 23 Prozent gesunken.
Doch dieser Erfolg verdankt sich allein der Entwicklung in China, dem
es in kurzer Zeit gelungen ist, mehrere hundert Millionen aus dieser
Armut zu befreien - ohne jede "Entwicklungshilfe". Im südlichen
Afrika stieg im gleichen Zeitraum die Quote der extremen Armut von 46
auf 50 Prozent - obwohl wir viele Millionen an Hilfe dorthin pumpen.
Wie komplex und fast schon paradox das Problem der Armutsbekämpfung
ist, zeigt ebenfalls die Rolle Chinas: Weil das Riesenreich
inzwischen die Mittel hat, sein Milliardenvolk anständig zu ernähren,
ist die chinesische Nachfrage auf dem Weltmarkt ein wesentlicher
Faktor für die Preissteigerungen, die nun andernorts das
Armutsproblem so verschärfen.
Heute ist klar, dass die UN-Ziele Makulatur sind. Extreme Armut ist
weltweit nicht auf dem Rückzug, sie steigt wieder. Wer wollte deshalb
widersprechen, wenn nun der britische Premier Brown die Armut zum
Thema des nächsten G8-Gipfels machen will. Aber vielleicht erinnert
sich tatsächlich noch jemand daran, dass Angela Merkel dem Gipfel in
Heiligendamm vor einem Jahr den "Schwerpunkt Armutsbekämpfung"
verordnet hatte?

Originaltext: Westdeutsche Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/62556
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_62556.rss2

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de
 
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