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Pkw-Klimaziele ohne Beimischung von Agrosprit besser erreichbar. Die Beimischung schädigt nicht nur Autos, sie schädigt vor allem Klima und Umwelt

Geschrieben am 03.04.2008 - [Nächster Artikel]

Berlin (ots) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
(BUND) hat die Autoindustrie aufgefordert, die CO2-Emissionen neuer
Pkw bis 2012 auf durchschnittlich 120 Gramm pro Kilometer zu senken,
ohne dabei Agrospritanteile einzurechnen. Bundesregierung und
EU-Kommission müssten verhindern, dass die Autoindustrie auf Kosten
der Umwelt das Schlupfloch Agrosprit nutze, um ihr Versagen bei der
Verbrauchsminderung ihrer Modellflotten zu kaschieren, sagte der
BUND-Verkehrsexperte Werner Reh. Sowohl Anbau als auch Einsatz des so
genannten "Biosprits" verursachten eine Reihe ökologischer
Folgeschäden. Monokulturen, erhöhter Pestizideinsatz und die
Vernichtung von Regenwäldern für Palmölplantagen seien katastrophale
Nebenwirkungen einer falsch verstandenen "Biosprit"-Strategie.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger appellierte an
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, bei den auf EU-Ebene geplanten
Verbrauchsvorgaben für neue Pkw die Einberechnung von
Agrokraftstoffen auszuschließen. Dies sei eine entscheidende Frage
der Glaubwürdigkeit des Umweltministers. Weiger: "Die Beimischung von
Agrosprit darf auch nicht über das deutsche Biokraftstoffquotengesetz
durchgedrückt werden. Die geplante Anhebung des Agrospritanteils von
knapp sechs auf 20 Prozent im Jahr 2020 ist völlig kontraproduktiv.
Zum einen wird der Zwang zur Entwicklung sparsamer Fahrzeuge geringer
und zum anderen wird die Autoindustrie die Beimischungsquote künftig
weiter erhöhen wollen. Beides schadet dem Klima und der Umwelt."

Auch die von Umweltminister Gabriel und Agrarminister Horst
Seehofer angekündigte Nachhaltigkeitsverordnung, die dem Agrosprit
einen CO2-Minderungseffekt von mindestens 30 Prozent vorschreiben
solle, könne die Probleme nicht lösen. Sinnvoll könne Agrosprit nur
zur Stromerzeugung in stationären Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK)
eingesetzt werden, wenn die Energiepflanzen in der Region unter
Beachtung ökologischer Anbaukriterien produziert würden. In mobilen
Anwendungen wie Pkw, Lkw, oder Flugzeugen sei Agrosprit abzulehnen.

Berechnungen des BUND hätten ergeben, dass eine konsequente
Durchsetzung des 120-Gramm-Ziels plus Angleichung der Steuersätze für
Dieselsprit an die von Benzin, die Einführung einer CO2-bezogenen
Kfz-Steuer und die Abschaffung des steuerlichen Dienstwagenprivilegs
etwa 25 Millionen Tonnen CO2-Minderung mehr brächten als von der
Bundesregierung in ihrem Meseberger Klimaschutzpaket unter Einschluss
der Zwangsbeimischung von Agrosprit geplant. Würde auf den jetzigen
Anbauflächen für Agrosprit Biomasse nur für KWK-Anlagen erzeugt,
fiele die CO2-Reduktion sogar 50 Mio. Tonnen höher aus als im
Meseberg-Paket.

Reh: "Wir dürfen der Autoindustrie keinen einzigen Versuch
durchgehen lassen, ihr Versagen bei der Senkung des Verbrauchs ihrer
Fahrzeuge zu vertuschen. Schließlich hat die Industrie selbst
versprochen, bei neuen Pkw bis 2012 im Durchschnitt aller Hersteller
120 Gramm CO2 pro Kilometer zu erreichen. Insbesondere die deutschen
Autohersteller, aber auch manche politisch
Verantwortliche zeichnen sich dadurch aus, dass sie jedes noch so
irrwitzige Argument bemühen, um die Umweltziele zu unterlaufen. Das
war beim Bleiverbot im Benzin so, bei der Einführung des
Katalysators, beim Dieselrußfilter und das zeigt sich jetzt wieder
bei den auf EU-Ebene geplanten Verbrauchslimits für Neuwagen."

Erst nach Etablierung eines geeigneten unabhängigen Überwachungs-
und Zertifizierungssystems seien vorgeschriebene Beimischungsquoten
für Agrotreibstoffe überhaupt denkbar. Der BUND forderte, die
Beimischungsquote für Agrosprit abzuschaffen.

Weiger: "Allein die Ankündigung der Beimischungspflicht wirkt
verheerend. So werden in Indonesien und Kolumbien immer mehr
Palmölplantagen und Anbauflächen für Agrospritpflanzen angelegt. Der
exportierte Treibstoff von diesen Plantagen soll künftig auch dann
als nachhaltig eingestuft werden, wenn dafür Urwald abgeholzt worden
ist. Auf diese Weise bekommt selbst die Vertreibung der lokalen
Bevölkerung durch Agrarkonzerne und Ölfirmen noch ein
Nachhaltigkeits-Label."

Originaltext: BUND
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/7666
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_7666.rss2

Pressekontakt:
Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte,
Tel. 030-27586-435 bzw.
Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressestelle,
Tel. 030-27586-425/-489, Fax: -440,
Mobil: 0171-8311051,
E-Mail: presse@bund.net,
www.bund.net
 
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