(Registrieren)

Inflationsrate im September 2020 bei -0,2 %/Niedrigste Inflationsrate seit 2015

Geschrieben am 13-10-2020

Wiesbaden (ots) -

Verbraucherpreisindex, September 2020 -0,2 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt) -0,2 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Harmonisierter Verbraucherpreisindex, September 2020 -0,4 % zum Vorjahresmonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt) -0,4 % zum Vormonat (vorläufiges Ergebnis bestätigt)

Die Inflationsrate in Deutschland - gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat - lag im September 2020 bei -0,2 %. Damit fällt die Inflationsrate zum zweiten Mal in diesem Jahr unter Null (Juli 2020: -0,1 %). Eine niedrigere Rate wurde zuletzt im Januar 2015 mit -0,3 % beobachtet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, sanken die Verbraucherpreise auch im Vergleich zum Vormonat August 2020 um 0,2 %.

Senkung der Mehrwertsteuersätze zum 1. Juli 2020 dämpft weiterhin die Preisentwicklung

Ein Grund für die niedrige Inflationsrate ist weiterhin die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer, die als eine Maßnahme des Konjunkturpakets der Bundesregierung zum 1. Juli 2020 umgesetzt wurde und sich seitdem im Vorjahresvergleich dämpfend auf die Verbraucherpreise auswirkt.

Waren verbilligten sich binnen Jahresfrist um 1,7 %, der Preisrückgang bei Energieprodukten verstärkte sich

Waren insgesamt verbilligten sich von September 2019 bis September 2020 um 1,7 %. Ursächlich hierfür sind vor allem die Preisrückgänge bei Energieprodukten (-7,1 %), die sich noch einmal verstärkt haben (August 2020: -6,3 %). Im Vorjahresvergleich verringerten sich insbesondere die Preise für Heizöl (-39,6 %) und Kraftstoffe (-11,4 %). Die Preise für Nahrungsmittel hingegen erhöhten sich binnen Jahresfrist um 0,6 %. Teurer waren im September 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat vor allem Obst (+4,3 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+4,1 %), billiger insbesondere Gemüse(-5,2 %). Merklich teurer waren zudem Tabakwaren (+5,7 %). Günstiger waren auch einige Gebrauchsgüter wie Telefone (-6,1 %), Geräte der Unterhaltungselektronik (-4,4 %) und der Informationsverarbeitung (-3,7 %) sowie Bekleidungsartikel (-2,8 %).

Inflationsrate ohne Energieprodukte mit +0,6 % über der Gesamtteuerung

Die deutlichen Preisrückgänge bei Energieprodukten gegenüber dem Vorjahresmonat wirkten sich dämpfend auf die Inflationsrate aus: Ohne Berücksichtigung der Preise für Energieprodukte hätte die Inflationsrate im September 2020 bei +0,6 % gelegen.

Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist um 1,0 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt erhöhten sich im September 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,0 %. Bedeutsam für diese Preisentwicklung war die Erhöhung bei den Nettokaltmieten (+1,4 %), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Für Leistungen beim Friseur und für die Körperpflege (+4,8 %) und beim Besuch in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf (+2,1 %) mussten trotz Mehrwertsteuersenkung höhere Preise bezahlt werden. Noch stärker erhöhten sich die Preise unter anderem für Finanzdienstleistungen (+5,2 %) und für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+5,6 %), hier insbesondere Dienstleistungen der häuslichen Pflege (+6,8 %). Hingegen wurden Fahrkarten im Fernverkehr erheblich günstiger (-17,6 %). Dies ist vor allem auf die bereits seit Jahresbeginn abgesenkte Mehrwertsteuer für Bahnfernfahrten von 19 % auf 7 % zurückzuführen und nur zu einem geringen Teil auf die temporäre Senkung des ermäßigten Steuersatzes von 7 % auf 5 %.

Sinkende Heizölpreise, aber steigende Preise für Bekleidung im Vormonatsvergleich

Im Vergleich zum August 2020 sank der Verbraucherpreisindex insgesamt im September 2020 um 0,2 %. Saisonbedingt, zum Ende der Sommerferien, gab es unter anderem Preisrückgänge bei den Übernachtungen (-1,6 %). Zudem gingen die Preise für Energieprodukte um 0,7 % zurück, insbesondere mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher weniger für Heizöl (-6,9 %) bezahlen. Die Preise für Nahrungsmittel insgesamt gaben im Vergleich zum Vormonat leicht nach (-0,3 %). Die Preise sowohl für Bekleidungsartikel (+5,6 %) als auch für Schuhe (+3,6 %) stiegen hingegen deutlich. Hier wirkte sich vor allem die Umstellung auf die Herbst-/Winterkollektion aus.

Inflationsrate im Euroraum voraussichtlich bei -0,3 %

Der für den internationalen Vergleich berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland (HVPI) lag im September 2020 um 0,4 % unter dem Stand von September 2019. Nach der Schnellschätzung von Eurostat vom 2. Oktober 2020 lag die Inflationsrate im Euroraum bei -0,3 %. Nächster Veröffentlichungstermin für den HVPI ist der 16. Oktober 2020 (https://ec.europa.eu/eurostat/de/news/release-calendar). Die HVPI-Ergebnisse aller europäischen Länder finden Sie auf den Eurostatseiten (https://ec.europa.eu/eurostat/web/hicp/data).

Methodische Hinweise:

Die Inflationsrate wird seit Juli 2020 durch die Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung beeinflusst. Dies kann sich auf die Preisveränderung zum Vorjahresmonat insgesamt und unterschiedlich auf die einzelnen Gütergruppen auswirken. Siehe Pressemitteilung Nr. 215 vom 15. Juni 2020 beziehungsweise Nr. 305 vom 13. August 2020. Es ist allerdings nur schwer messbar in welchem Umfang die niedrigeren Steuersätze an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurden, da auch viele andere Faktoren die Preisentwicklung beeinflussen. Die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze stellt die Verbraucherpreisstatistik zudem vor besondere Herausforderungen, speziell aufgrund der unterschiedlichen Handhabung in den einzelnen Geschäften. Bei der Interpretation der Ergebnisse für September 2020 ist zu berücksichtigen, dass sich die Auswirkungen nicht mehr unmittelbar im Vormonatsvergleich ablesen lassen. Nähere Informationen zu den Verfahrensweisen während der Corona-Krise sowie deren Auswirkungen auf die Preiserhebung finden Sie in unserem Methodenpapier.

Krisenmonitor ermöglicht Vergleich zwischen Corona-Krise und Finanz- und Wirtschaftskrise

Der Verbraucherpreisindex ist auch Teil des "Krisenmonitors" (www.destatis.de/krisenmonitor), mit dem das Statistische Bundesamt die Entwicklung wichtiger Konjunkturindikatoren in der Corona-Krise und in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gegenüberstellt. Der Krisenmonitor ergänzt die Sonderseite Corona-Statistiken, die seit Anfang April statistische Informationen zu den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie bündelt.

Deutsche EU-Ratspräsidentschaft im Bereich Statistik

Seit dem 1. Juli leitet das Statistische Bundesamt im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft unter dem Vorsitz von Präsident Dr. Georg Thiel die Ratsarbeitsgruppe Statistik. Über unsere Aktivitäten im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft informieren wir auf der Sonderseite destatis.de/eu2020. Europäische Statistiken finden Sie in unserem Datenangebot "Europa in Zahlen" auf www.destatis.de/europa.

Die vollständige Pressemitteilung sowie weitere Informationen und Funktionen sind im Internet-Angebot des Statistischen Bundesamtes unter https://www.destatis.de/pressemitteilungen zu finden.

Weitere Auskünfte: Verbraucherpreisstatistik, Telefon: +49 (0) 611 / 75 47 77, www.destatis.de/kontakt

Pressekontakt:

Rückfragen an obigen Ansprechpartner oder an:
Statistisches Bundesamt

Pressestelle

Telefon: +49 611-75 34 44
www.destatis.de/kontakt

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/32102/4732128
OTS: Statistisches Bundesamt

Original-Content von: Statistisches Bundesamt, übermittelt durch news aktuell


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

751955

weitere Artikel:
  • IMX-Analyse von ImmoScout24 zeigt: Wohnimmobilienpreise steigen weiter - nur die Preisdynamik bei Einfamilienhäusern nimmt ab (FOTO) Berlin (ots) - 3. Quartal 2020: Wohnimmobilienindex IMX von ImmoScout24 Wohnimmobilienpreise steigen weiter - nur die Preisdynamik bei Einfamilienhäusern nimmt ab - Die Preise für Einfamilienhäuser im Bestand und Neubau verlieren nach deutlicher Steigerung im zweiten Quartal leicht an Dynamik. - In der gesamtdeutschen Betrachtung stiegen die Preise für Eigentumswohnungen im Bestand am stärksten. - Das Preiswachstum für neugebaute Wohnungen zum Kauf setzt sich fort. - Die Wohnungsmieten für Bestandsimmobilien zeigen sich weiterhin stabil. mehr...

  • Brexit und die Folgen für deutsche Sektoren: Stark verbunden, aber im Rückwärtsgang (Brexit Briefing #14 von Deloitte) München (ots) - - Seit dem Brexit-Votum hat der britische Markt für deutsche Firmen in vielen Sektoren an Bedeutung verloren - Export- und Umsatzrückgang v.a. in der Automobilindustrie, der Verkehr- und Logistikbranche, dem Finanz-und Versicherungswesen - Deutsche Automobilindustrie bleibt mit 48 Mrd. EUR umsatzstärkste Branche im Vereinigten Königreich, Tendenz stark rückläufig - Einzig der Groß-und Einzelhandel sowie die Informations- und Kommunikationsbranche haben ihre Umsätze seit 2015 steigern können - Absolute Export- und Umsatzrückgänge mehr...

  • SynBiotic SE: Pharma-Vertriebs Joint Venture Cannexo Pharma GmbH gegründet München (ots) - Neues Unternehmen vereint Experten der Pharma- & Vertriebsbranche mit den Cannabinoid-Spezialisten von SynBiotic. Lars Müller wird Geschäftsführer SynBiotic SE, eine auf Cannabinoid-Unternehmen fokussierte, börsennotierte Plattformgesellschaft, hat heute die Gründung eines Vertriebs Joint Venture bekannt gegeben. Mit der neugegründeten Cannexo Pharma GmbH werden Vertrieb, Marketing und Handel für pharmazeutische und Wellnessprodukte, insbesondere Produkte im Segment medizinisches Cannabis, Cannabinoide und Hanfprodukte organisiert. mehr...

  • PwC German Entertainment & Media Outlook 2020-2024 / Blitzlicht Buchmarkt: Trotz COVID-19 im Aufwärtstrend Düsseldorf (ots) - - Buchverlage melden Umsatzwachstum - Durchschnittliche Ausgaben pro Buch steigen - Innovative Konzepte locken Kunden in Läden - Kinder- und Jugendbücher zunehmend gefragt Der Umsatz mit Büchern ist im Jahr 2019 über das Niveau von 2018 gestiegen. So verzeichnete der Bücherverkauf an Privatpersonen (Consumer Books) ein Umsatzplus um 3,2 Prozent auf rund 4,6 Milliarden Euro. Auch im Segment Fachliteratur (Professional Books) legte der Umsatz zu - um 3,9 Prozent auf mehr als 3 Milliarden Euro. Wesentlicher Wachstumstreiber mehr...

  • EA288 - VW will neue Klagewelle beim Nachfolger des Skandalmotors verhindern - offenbar mit allen Mitteln Köln (ots) - Die nächste Klagewelle möchte man bei Volkswagen offenbar im Keim ersticken und startet eine Medienkampagne gegen die Verbraucher-Anwälte, die die Käufer gegen den Konzern vertreten und bedient sich dabei angestaubter Vorurteile. Nachdem man es in Wolfsburg nach dem Grundsatzurteil des BGH vom 25.05.2020, Az. VI ZR 252/19 trotz vollmundiger Bekundungen immer noch nicht geschafft hat, die noch in Klageverfahren befindlichen weiteren 60.000 Kläger wirklich vom Tisch zu bekommen, erscheint VW zunehmend unter Druck. Bezüglich des mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Wirtschaftsnews

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

DBV löst Berechtigungsscheine von knapp 344 Mio. EUR ein

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht