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Zahlungsmoral laut Inkasso-Umfrage weiterhin gut - Verbraucher zahlen besser als Unternehmensschuldner - Zahlungstrend für 2020 zum ersten Mal seit 10 Jahren negativ

Geschrieben am 19-11-2019

Berlin (ots) - Trotz der schwachen Konjunktur ist die Zahlungsmoral im Herbst
2019 weiterhin gut. Das melden jetzt die Inkassounternehmen. In ihrer aktuellen
Umfrage antworten 55 Prozent: Rechnungen werden jetzt genauso gut wie im
vergangenen Jahr bezahlt. Grund sind die zahlungskräftigen und konsumfreudigen
Verbraucher. Deren Zahlungsverhalten hat sich sogar leicht verbessert, wie 23
Prozent der Inkassodienstleister sagen. Für gewerbliche Schuldner bestätigen das
nur 18 Prozent.

Dennoch warten Gläubiger auf Zahlungen von Verbrauchern etwas länger
(Durchschnitt: 80,82 Tage) als auf das Geld von B2B-Schuldnern (72,34 Tage).
Problematisch ist vor allem das Zahlungsverhalten jüngerer Verbraucher zwischen
18 und 24 Jahren. Sie haben häufig Konsum-schulden bei Onlinehändlern (89
Prozent der Inkassounternehmen bestätigen das) sowie Telekomfirmen (80 Prozent).
Ältere Schuldner stehen dagegen eher bei Banken und Kreditinstituten in der
Kreide.

Am meisten unter laxen Zahlern leidet derzeit der Onlinehandel - 54 Prozent der
Inkassounternehmen berichten, dass E-Commerce-Kunden Rechnungen aktuell
besonders schlecht bezahlen. Probleme haben ebenfalls Energieversorger (38),
Vermieter (37), das Handwerk (36), Fitnessstudios (34) sowie die
Dienstleistungsbranche allgemein (laut 28 Prozent der Umfrageteilnehmer).

Die Gründe, warum Verbraucher Rechnungen nicht bezahlen, haben sich stark
gewandelt. Inzwischen beobachten nur noch 31 Prozent der Inkassounternehmen
dafür Arbeitslosigkeit als ursächlich. Vor einigen Jahren war das stets die
Top-Antwort. Jetzt dagegen stellen drei von vier Inkassounternehmen (73 Prozent)
fest: Privatschuldner gehen zu sorglos und oft unüberlegt
Konsumverbindlichkeiten ein. Zweithäufigster Nichtzahlgrund (60 Prozent) ist
Überschuldung. Allerdings hatten noch vor zwei Jahren 76 Prozent eine
entsprechende Angabe in der Umfrage gemacht.

Geplantes Inkassogesetz würde Zahlungsmoral verschlechtern - "Bedrohung für die
Wirtschaft"

Druck auf die Zahlungsmoral kommt aktuell durch die Politik.
Bundesjustizministerin Christine Lambrecht will per Gesetz die vom Schuldner als
Verursacher zu tragenden Inkassokosten um fast die Hälfte reduzieren. Betroffen
wären vier Fünftel aller der rund 20 Millionen jedes Jahr neu ins Inkasso
übergebenen Forderungen. Alleine 2018 führten die Inkassodienstleister 5,8
Milliarden Euro in den Wirtschaftskreislauf zurück. Rund eine halbe Million
Auftraggeber aus allen Branchen sowie die öffentliche Hand arbeitet mit
Inkassounternehmen zusammen. Sie müssten künftig länger auf ihr Geld warten.
BDIU-Präsidentin Kirsten Pedd: "Die Halbierung der Inkassokosten ist eine
Bedrohung für die Wirtschaft."

Pedd kritisiert eine "Kürzung der Inkasso-Einnahmen nach dem Rasenmäherprinzip.
Damit würde sowohl der Schuldner bessergestellt, der einfach nur eine Rechnung
vergessen hat, als auch derjenige, der eine Forderung verursacht hat, obwohl er
nie vorhatte, sie zu bezahlen, zum Beispiel absichtliche Schwarzfahrer. Das ist
ungerecht." Nicht die Verbraucher würden dadurch geschützt, sondern
ausschließlich Schuldner, und das zulasten der Gläubiger. "Das scheint mir kaum
zu rechtfertigen. Schuldner haben vor der Übergabe eines Falls ins Inkasso
wochen-, oft monatelang Rechnungen und Mahnungen ignoriert."

Zum Schutz der Verbraucher müssten die bestehenden Gesetze durchgesetzt werden.
"Wir brauchen eine bundesweite Bündelung der Aufsicht, wie sie vor kurzem ja
auch die Verbraucherschutz- und Justizminister der Länder gefordert haben", sagt
Pedd. Als koordinierende Stelle schlägt sie das Bundesamt für Justiz vor. Zudem
arbeitet der BDIU derzeit an einem Code of Conduct. Er konkretisiert die
Verhaltenspflichten für Inkassounternehmen. Im April 2020 soll die
Mitgliederversammlung des Inkassoverbands den dann fertigen Code beschließen.
"Damit setzen wir Standards für die gesamte Branche."

Weniger Verbraucherinsolvenzen - weil viele auf Gesetz zur schnelleren
Restschuldbefreiung warten

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen nimmt aktuell weiter ab. Für dieses Jahr
erwartet der BDIU 66.000 Verfahren (67.597 in 2018). Es könnten aber viel mehr
sein. Fast jeder zehnte Erwachsene ist überschuldet. "Es gibt einen großen
Rückstau bei den Beratungsstellen", berichtet BDIU-Präsidentin Kirsten Pedd.

Der Grund: Justizministerin Lambrecht will die Verfahrenslaufzeiten von jetzt
sechs auf bald nur noch drei Jahre halbieren. Auf dieses neue Gesetz hoffen
viele Überschuldete - und warten deshalb mit einem Insolvenzantrag.

Kirsten Pedd sieht Lambrechts Vorhaben kritisch: "Gläubiger werden viel Geld
verlieren. Denn in den Jahren vier bis sechs fließen rund 70 Prozent der
Rückzahlungen." Die Verbandschefin sieht in einer schnelleren
Verbraucherinsolvenz falsche Anreize. "Es gibt unredliche Schuldner, die sich
dadurch in ihrem schlechten Zahlungsverhalten bestärkt fühlen." Die Zahl der
Verbraucherinsolvenzen wird daher bald wieder steigen, nächstes Jahr seien bis
zu 70.000 Verfahren möglich. Pedd befürchtet auch, dass es vermehrt zum
Drehtüreffekt kommt, also dass Verbraucher nach einer ersten Insolvenz gleich
eine zweite oder dritte beantragen. Besser - auch für die Allgemeinheit - seien
dagegen außergerichtliche Einigungen, mit denen sich langwierige und teure
gerichtliche Verfahren vermeiden ließen.

Dominoeffekt bei B2B-Zahlungsmoral

Bei gewerblichen Schuldnern beobachten die Inkassounternehmen aktuell den
sogenannten Dominoeffekt: 72 Prozent melden, dass Zahlungsausfälle bei eigenen
Kunden in dieser Gruppe der häufigste Nichtzahlgrund sind. Überschuldung bzw.
Insolvenz fällt hier dagegen kaum ins Gewicht. Nur 30 Prozent beobachten dieses
als Nichtzahlgrund (letztes Jahr: 39 Prozent). Die Zahl der
Unternehmensinsolvenzen bleibt niedrig. Sie wird sich etwa auf dem
Vorjahresniveau einpendeln. Der BDIU erwartet bis Jahresende rund 19.500 Fälle.

Scharfe Kritik üben die Inkassodienstleister am Zahlungsverhalten öffentlicher
Auftraggeber. Deren Rechnungstreue verharrt auf sehr schlechtem Niveau (89
Prozent bestätigen das). BDIU-Präsidentin Kirsten Pedd kann das nicht
nachvollziehen: "Die Einnahmen durch Steuern und Abgaben sind gut, das Geld ist
also da. Teilweise fehlt schlicht das Personal in den Behörden, um Aufträge
abzunehmen und Rechnungen freizugeben. Es kann aber nicht sein, dass Handwerker
oder Baubetriebe ein halbes Jahr oder länger auf das Geld aus öffentlichen
Aufträgen warten müssen, gleichzeitig aber die Finanzämter sofort die Vorsteuer
aus diesen Verträgen kassieren. Manchen Auftragnehmer treibt dieses Verhalten
der öffentlichen Hand sogar in die Insolvenz. Das ist ein Skandal."

Für die Zukunft sind die Inkassounternehmen pessimistisch gestimmt. "Es wird im
Moment zu viel für den Schuldnerschutz getan, die Belange der Wirtschaft und der
Gläubiger werden vernachlässigt", kritisiert Kirsten Pedd. "Das funktioniert bei
guter Konjunktur, aber nicht mitten in einem Abschwung." Schlechte
Wirtschaftsdaten, Exporthemmnisse etwa durch den Brexit und
Gesetzesregulierungen werden dafür sorgen, dass sich die Zahlungsmoral 2020 zum
ersten Mal seit zehn Jahren wieder verschlechtert. Damit rechnet eine Mehrheit
von 59 Prozent in der Inkasso-Umfrage.

Weitere Infos und Grafiken zur Zahlungsmoral und Inkasso-Branchenstudie unter
www.inkasso.de



Pressekontakt:
Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V., Pressesprecher:
Marco.Weber@inkasso.de, presse@inkasso.de

Original-Content von: Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen BDIU, übermittelt durch news aktuell


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