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Börsen-Zeitung: Euro-Karren im Dreck, Kommentar zu Griechenland von Bernd Wittkowski

Geschrieben am 25-06-2015

Frankfurt (ots) - Sie malträtieren uns also weiter, sich selbst
natürlich auch: Am Wochenende soll weiterverhandelt werden in Sachen
Griechenland. Womöglich ist sogar dann noch nicht Schluss.
Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert eine Lösung bis Montagmorgen.
Sollte man nicht noch den Dienstag dazu nehmen? Erst dann, am 30.
Juni, läuft doch das aktuelle europäische Hilfsprogramm aus, und die
Rückzahlung der Hellenen von 1,6 Mrd. Euro an den Internationalen
Währungsfonds wird fällig.

Die Commerzbank hatte jüngst schon mal den 20. Juli als jenen
Termin genannt, an dem es für Athen "ernst" werden könnte, weil dann
die von der EZB gehaltenen Staatsanleihen von 3,4 Mrd. Euro zur
Tilgung anstehen. Die gut drei Wochen müssten sich doch mit
Eurogruppentreffen, Sondergipfeln und bei Bedarf mit dem in der EU
erprobten Anhalten der Uhren überbrücken lassen, oder? Sorry, auf der
nicht nur bei den Unterhändlern in Brüssel, sondern längst auch beim
Publikum erreichten Eskalations- und Frustrationsstufe fällt es
schwer, sich dem Thema allweil mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zu
nähern.

Jetzt aber ganz im Ernst: Das Spiel, das hier vor allem auch von
der neuerdings nebenbei für Bankenaufsicht zuständigen EZB gespielt
wird, indem sie die eben nicht nur an vorübergehenden
Liquiditätsproblemen krankenden griechischen Zombiebanken künstlich
am Leben hält, ist ein Skandal, wenn nicht Schlimmeres.
Bundesbankpräsident Jens Weidmann und Sparkassenpräsident Georg
Fahrenschon weisen - in etwas wohltönenderen Worten - zu Recht darauf
hin, dass die Hüter des Euro mit den auf 89 Mrd. Euro
hochgeschraubten ELA-Notfallkrediten den Bogen längst überspannen.
"Statt einer kurzfristigen Liquiditätshilfe werden marode Banken
dauerhaft an den Tropf gelegt", analysiert Fahrenschon treffend, es
seien in Wahrheit die Kapitalflucht aus Hellas und Bargeldabhebungen
der Griechen in großem Umfang, die diese Kredite notwendig machten.
Wie weit will sich die unabhängige EZB noch in den Dienst der Politik
stellen respektive sich von den Staats- und Regierungschefs
instrumentalisieren lassen?

Der flagrante Interessenkonflikt der Währungswächter steht
exemplarisch dafür, wie tief der ganze Euro-Karren in den Dreck
gefahren wurde. Glaubt irgendjemand allen Ernstes, da würde man ihn
noch einmal herausziehen können mit einem faulen Kompromiss am
Wochenende, am Montag oder wann auch immer? Wer nach monatelangen,
für alle Beteiligten und Beobachter zermürbenden Verhandlungen in
offensichtlich vergiftetem Klima nicht zu Potte gekommen ist, der
will sich nicht einigen.



Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


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