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Tag 2 der MEDIA CONVENTION Berlin - Die Zukunft des Journalismus (FOTO)

Geschrieben am 07-05-2014

Berlin (ots) -

Am zweiten und letzten Kongresstag der neuen MEDIA CONVENTION
Berlin kamen wieder rund 2000 Besucher in die Station-Berlin.
Zentrale Themen am Mittwoch waren die Zukunft des Journalismus und
die Demokratisierung der Medien: Wie gewinnt man Leser oder
Zuschauer? Wie werden Artikel künftig rezipiert? Wie lassen sich
journalistische Angebote finanzieren? Dazu waren führende
Medienmacher, Unternehmer und Journalisten eingeladen, um über die
Chancen und Herausforderungen von morgen zu diskutieren.

Die Highlights von Tag 2:

Out of the Dark

Was hat der Fall Snowden mit der Pressefreiheit gemacht? Auf der
MEDIA CONVENTION Berlin sprachen Ole Reißmann (Spiegel Online) und
Jacob Appelbaum, freier Journalist (Der Spiegel), über die
Machenschaften der Geheimdienste und Sicherheitsbehörden. Nach den
Snowden-Leaks zum globalen Überwachungs- und Spionageangriff empfand
Appelbaum die staatlichen Einschüchterungsmethoden in den USA als
massiv und zog nach Berlin. Appelbaum hat in Deutschland eine
Aufenthaltsgenehmigung beantragt und will nach eigener Aussage nicht
in die USA zurückkehren. "Der deutsche Journalismus dient dem
öffentlichen Interesse, der amerikanische den politischen
Institutionen," so das Fazit von Appelbaum. Der Umgang mit
Journalisten sei aber ein grundlegendes Zeichen für den Zustand eines
Staates. "Wie Journalisten von der Verfolgung betroffen sind,
betrifft auch die Presse insgesamt und das betrifft die ganze
Gesellschaft."

The Future of News - The Crowd versus The Editor?

Richard Porter von der BBC, Rowan Barnett von Twitter, Benjamin
Ruth von VICE Media sowie Måns Adler, Gründer von Bambuser, sprachen
bei "The Future of News - The Crowd vs. the Editor?" über die Vor-
und Nachteile des Bürgerjournalismus.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es nicht um ein
gegeneinander, sondern um ein miteinander in der Zukunft geht. "Die
Journalisten und die 'Crowd' arbeiten miteinander, ergänzen sich,
profitieren voneinander. Das Wichtigste sei das Vertrauen der
Zuschauer, Hörer und User in die Informationen. [...] Deshalb
verbringen unsere Redakteure sehr viel Zeit damit, Informationen zu
überprüfen. Also im Prinzip das, was Journalisten schon immer getan
haben," so Richard Porter von BBC Global News.

Auch für Rowan Barnett, Deutschland-Chef von Twitter, arbeiten die
'Crowd' und die Journalisten nicht gegeneinander, sondern ergänzen
sich. Für Journalisten sei es ein wichtiges Tool, um Informationen zu
bekommen und Inhalte für Breaking News zu kreieren. "In den letzten
Jahren waren viele Breaking News aus der ganzen Welt zuerst auf
Twitter und wurden dann von Journalisten aufgegriffen," so Barnett.
Benjamin Ruth, Chef von VICE Media Deutschland, betont ebenfalls den
Informationsvorsprung, den Journalisten durch die News von Usern
bekämen. "Durch die sozialen Netzwerke und Plattformen haben wir
Millionen von neuen Mitarbeitern. Die Aufgabe der Journalisten ist
es, die Informationen zu prüfen und in einen Kontext einzuordnen. Nur
wenn wir das Gesehene und Gelesene in einen Kontext einordnen,
entsteht ein Mehrwert."

Måns Adler, der mit seiner Firma Bambuser eine App geschaffen hat,
die Video-Streams in Echtzeit ermöglicht, spricht von den Vorteilen,
die auch große Medienunternehmen durch diese Form der News-Produktion
hätten: "Die Kosten für journalistisch produzierte Filme gerade aus
dem Ausland sind für die meisten Redaktionen zu hoch. Auf Grundlage
des Materials der Crowd können sie weiterarbeiten." Das bestätigt
auch Richard Barnett von Twitter: "The crowd is everwhere. The media
companies are not." Für Benjamin Ruth sind die sozialen Plattformen
als 'Feedback-Channel' ein entscheidender Vorteil, dass es kein
Top-Down-Prozess mehr gebe, sondern einen aktiven Dialog zwischen
Redaktion und Crowd. Darin liege die wahre Macht: "Building public
opion. Creating what democracy is about. That's the beauty of social
media."

Großbaustelle Qualitätsfernsehen

In der Session "Großbaustelle Qualitätsfernsehen" diskutierten Dr.
Carsten Brosda (Medienbeauftragter der Freien und Hansestadt
Hamburg), Marc Jan Eumann (Staatssekretär für Bundesangelegenheiten,
Europa und Medien), Thomas Frickel (Geschäftsführender Vorsitzender
AG DOK), Prof. Hermann Rotermund (Leiter des Projekts Grundversorgung
2.0 an der Leuphana Universität) und Patricia Schlesinger (Leiterin
des Programmbereichs Kultur und Dokumentationen beim NDR) die Zukunft
des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Hier sehen auch die Vertreter
der Öffentlich-Rechtlichen selbst Reformbedarf in den eigenen Reihen.
Patricia Schlesinger: "Es geht nicht weiter wie bisher. Das System
muss erneuert, die Transparenz gesteigert werden. Was wir brauchen
sind schmalere Strukturen, ein schmalerer, flexiblerer Apparat!"
Thomas Frickel sieht die Lösung bei den Zuschauern: "Die
Beitragszahler müssen stärker eingebunden, der öffentlich-rechtliche
Rundfunk in die Mitte der Gesellschaft geholt werden! Transparenz,
Partizipation, demokratische Beteiligung sollen für einen
Kreativitätsschub im öffentlich-rechtlichen TV sorgen!" In der
Session ging es auch um die Einführung des viel diskutierten
Jugendkanals: "Die Akzeptanz bei Jugendlichen ist der Sorgenpunkt.
Wir müssen junge Angebote in der Primetime der Hauptsender
platzieren. Ein Jugendkanal sollte öffentlich und nicht hinter
verschlossenen Türen entwickelt werden", so Prof. Hermann Rotermund.

Die "Breaking News"-Show: 23 Thesen der Zukunft der Medien

Bei der "Breaking News"-Show fassten Ole Reißmann (Spiegel
Online), Jessica Binsch (Deutsche Presseagentur) und Hakan Tanriverdi
(freier Journalist, Süddeutsche.de) die neuesten Entwicklungen in der
Medienwelt zusammen.

Content across Borders! How to create Borderless Access to Public
Broadcast in Europe

Wie lassen sich die Widersprüche zwischen nationalen,
gebührenfinanzierten Fernsehinhalten und einem globalen Internet
auflösen? Und wie müsste die Rechtesituation modifiziert werden, um
einen Zugriff im EU-Raum zu ermöglichen? Darüber diskutierten Ingrid
Deltenre (Direktorin EBU), Marie Humeau (EDRI) und Lorena Boix Alonso
(EU Kommission).

Moderatorin Solona Larsen machte bereits am Anfang auf die große
Nachfrage auf Seiten der Nutzer nach diesem Angebot aufmerksam:
"Citizen expect to be provided with material from all public
broadcasters across Europe." Ingrid Deltenre formulierte drei
Problemlagen: Medienproduzenten sehen sich dem Druck ausgesetzt ihre
Programme und Produktionen zugänglicher zu machen, müssen jedoch vor
allem den nationalen Markt abdecken. Die Globalisierung der
Filmindustrie bei gleichzeitig hoher Diversifizierung stellt ein
weiteres Problem dar. Letztlich sehen sich global agierende
Medienunternehmen einer Vielzahl nationaler Regulierungen ausgesetzt.

Lorena Boix Alonso beschrieb die Aufgabe der EU Kommission, eine
vereinfachte Rechtsgrundlage insbesondere im Bereich Urheberrecht auf
europäischer Ebene zu etablieren. Die Balance zwischen einem
öffentlichen und privaten System schaffe die Vorraussetzung für ein
pluralistisches Medienangebot. Marie Humeau zog das Resümee, dass der
Markt bisher keine ausreichende Lösung für die Distribution "across
borders" geliefert habe und nun die Legislative einschreiten müsse.

Die erste Web Week Night in der STATION

Am Dienstagabend hat in der STATION-Berlin die erste Web Week
Night stattgefunden, bei der BesucherInnen von re:publica, MEDIA
CONVENTION Berlin und NEXT zusammen feierten. In Kooperation mit dem
XJAZZ und Reeperbahn Festival spielten auf zwei Bühnen Bands und DJs
- Heidi Mortenson, das DJ-Team "karmafauna" oder die vom
XJazz-Festival präsentierte Band "Chris Adams & Trio 68" sorgten auf
Stage 1 für Lounge-Atmosphäre. Auf Stage 2 sorgten die Berliner Band
U3000, BOKKA oder der Sängerin DENA für Partyatmosphäre.

Über die MEDIA CONVENTION Berlin

Unter dem Motto "Media Rules!" geht es um den Austausch zwischen
etablierten und neuen Medien, Big Playern und Start-Ups, offline und
online. Entscheider der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender
treffen auf Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, auf
Blogger und Medienaktivisten. Die MEDIA CONVENTION Berlin wird vom
Medienboard Berlin-Brandenburg veranstaltet und findet im Auftrag der
Länder Berlin und Brandenburg sowie in Kooperation mit der
Medienanstalt Berlin-Brandenburg und der re:publica statt. In den
vergangenen Jahren war der Medienkongress des Medienboard Teil der
MEDIENWOCHE@IFA.



Pressekontakt:
Julia v. La Chevallerie
Presse und Kommunikation
Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH
Tel.: 0331 - 74387-70
E-Mail: chevallerie@mediaconventionberlin.com


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