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Westfalen-Blatt: zu »Wetten, dass..?«

Geschrieben am 06-04-2014

Bielefeld (ots) - Den »Knaller« hob er sich ganz bis zum Schluss
auf - und er kam mit Schalldämpfer: Wer nicht genau hinhörte, bekam
gar nicht mit, dass Markus Lanz da ganz unaufgeregt in den
Schlussapplaus hinein die letzten drei Folgen von »Wetten, dass..?«
angekündigt hatte. Erst im nachfolgenden »heute journal« der
Samstagnacht um 23 Uhr wurde dann - gewissermaßen als amtliche
Spitzenmeldung - verbreitet, was nun die gesamte TV-Nation bewegt:
»Das letzte große Lagerfeuer« am Samstagabend erlischt. Nach 33
Jahren ist Schluss mit »Wetten, dass...?«. Man mag da wieder mal von
der Ironie der Geschichte sprechen, dass Markus Lanz vor dieser
seiner leisen Schlussmeldung eine seiner besten Leistungen auf diesem
Sendeplatz abgeliefert hatte - bei seiner 13. Ausgabe. Wetten
originell bis spektakulär, Gäste aufgeschlossen und fröhlich, zwei
nette Herren, vier nette Damen - allerdings alle bis auf Lanz und
Hollywood-Star Cameron Diaz schwarz gekleidet. Wussten sie mehr? Von
Markus Lanz schien der Druck genommen, alles noch besser als perfekt
machen zu müssen, und dieser Schritt in Richtung Normalität machte
auch für die Zuschauer die Sendung zu einem entspannten,
entspannenden Ereignis. Belohnt wurde dass dann auch noch mit einer
wieder deutlich verbesserten Quote. Dass Frank Elstner als
Erfinder-Vater von »Wetten, dass..?« die Verkündigung des nahen Todes
»an die Nieren ging« ist nachvollziehbar und war zu erwarten. Dass
Thomas Gottschalk wiederum lospolterte, dann hätte er die Show ja
auch gleich selber an die Wand fahren können, ist ein weiterer Beweis
für seinen Mangel an Selbstkritik. Schließlich hatte er, als er Ende
2011 ausstieg, bereits die Richtung auf diese Wand vorgegeben. Dass
das Publikum von Gottschalks Performance nicht mehr überzeugt war,
lässt sich auch daran ablesen, dass »Thommy Allmächtig«, wie er sich
noch immer fühlen mag, seitdem auch mit allen Neuversuchen schnell
wieder vom Bildschirm verschwand. Markus Lanz hat sich mit vollem
Risiko ins Wagnis gestürzt, das sinkende Show-Boot noch ans Ufer und
dann vielleicht, frisch aufgetaktelt, wieder auf See zu bekommen. Es
ist ihm nicht gelungen, er hat Spott und Häme geerntet, aber er hat
es mit aller Kraft, auf seine Art, versucht. Alles hat seine Zeit.
Das wissen nicht nur Prediger. Die Fernsehgewohnheiten haben sich
geändert, die Sendervielfalt ist eine andere als in den 1980ern. Als
Show war »Wetten, dass..?« vielleicht nicht mehr schrill genug, zu
betulich, zu langatmig. Die Wetten waren oft genug Repliken leicht
abgewandelter Art. Die letzten drei Folgen am Ende dieses Jahres
werden vermutlich die mit den denkbar besten Zuschauerzahlen sein.
Und das ZDF wird es schwer haben, ein ähnlich dauerhaft verlässliches
Produkt auf den Sender zu bringen. Die Welt wird sich weiterdrehen,
auch ohne »Wetten, dass..?«. Aber alle werden sich gern erinnern an
diese schönen Zeiten am TV-Lagerfeuer - auch die einst ärgsten
Kritiker.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261


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