(Registrieren)

Börsen-Zeitung: Führungsmalaise, Kommentar zur Commerzbank von Bernd Neubacher

Geschrieben am 06-11-2013

Frankfurt (ots) - Woran liegt es, dass man den Banken nicht mehr
vertraut, wird man zu Beginn eines Werbefilms gefragt, mit dem die
Commerzbank zu den Bildern der joggenden Filialleiterin Lena Kuske
ihre Neuausrichtung begleitet hat. Im Fall der noch immer
zweitgrößten deutschen Bank liegt die Antwort auf der Hand: Weil das
Management einen Zickzack-Kurs fährt und dabei kaum einen
Stolperstein auslässt. Die nun mit Ach und Krach unter Dach und Fach
gebrachte Trennung von den Vorstandsmitgliedern Jochen Klösges und
Ulrich Sieber ist nur das jüngste Beispiel.

Um die beiden Herren muss man sich nicht sorgen. Sie werden sich
auch künftig täglich eine warme Mahlzeit leisten können. Sorgen
bereitet die Malaise der Führung um Aufsichtsratschef Klaus-Peter
Müller, die wieder einmal nach dem Motto agiert: Erst um Kopf und
Kragen reden und dann in Grund und Boden taktieren.

Da kündigt der Aufsichtsrat Anfang August eine Verkleinerung des
Vorstands an, ohne sich offenbar der Folgen bewusst zu sein. Die
Folgen: großes öffentliches Aufhebens und zwei gescheiterte
Abstimmungen im Aufsichtsrat. Wo Manager andernorts beizeiten
ausloten, wie ein Abfindungspaket aussehen muss, damit beide Seiten
sich geräuschlos trennen, treten Müller und Vorstandschef Martin
Blessing ein sich bis in den Herbst hineinziehendes Sommertheater
los. Erst im dritten Anlauf und nur dank Doppelstimmrechts hat sich
Müller nun durchsetzen können. Mag ja sein, dass die Präsenz des
Bundes im Kontrollgremium Abfindungen entgegenstand, welche eine
solche Eskalation verhindert hätten.

Ein guter Aufsichtsratschef hätte deshalb wohl darauf verzichtet,
mit Rechtsgutachten bewaffnet juristisches Neuland zu betreten und
sich auf eine Machtprobe im Aufsichtsrat einzulassen, von der vor
allem nach innen kein gutes Signal ausgeht. Denn fest steht: Die
Trennung wäre leichter gefallen, hätte der von Müller geführte
Aufsichtsrat etwa den Vertrag von Klösges 2012 nicht noch um fünf
Jahre verlängert. Da stellte die Bank ihn im März als Chef eines
neuen "Kernbanksegments" Immobilien- und Schiffsfinanzierung vor - um
Wochen später zu erklären, die Sparte werde es nicht geben. Anstatt
abermals in Fehlmanagement zu verfallen, wäre es klüger gewesen, mit
der Verkleinerung zu warten, bis die Verträge von Klösges und Sieber
auslaufen. Angesichts der Milliarden, die unter der Führung von
Müller und Blessing bei der Commerzbank verdampft sind, wäre es auf
die eine oder andere Million nicht mehr angekommen.



Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

495368

weitere Artikel:
  • Westfalen-Blatt: zum Thema Überschuldung Bielefeld (ots) - Jawohl, es gibt eine Armuts- und eine Wohlstandsüberschuldung. Die eine ist tragisch, die andere ist dumm. Und: Niemand kann wirklich erklären, warum in Zeiten wachsender Beschäftigung im Allgemeinen und immer mehr Hilfen für die Kindererziehung im Besonderen die Zahl der überschuldeten Kleinfamilien so hoch ist und bleibt. Ja, es gibt Leute, die die inzwischen relativ milde Privatinsolvenz nicht schreckt - und die auf dumme Gedanken kommen. Das ist kriminell. Aber es gibt auch junge überforderte alleinerziehende mehr...

  • Neue OZ: Kommentar zu Erneuerbare-Energien-Gesetz Osnabrück (ots) - Mehr Markt wäre besser Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gehört zu den wichtigsten und dringendsten Arbeiten der Unterhändler für die Große Koalition. Und zwar in zweifacher Hinsicht: Zum einen wird es höchste Zeit, die viel zu langfristig gesicherten Einspeisevergütungen für die Energiebranche nach und nach zu drosseln. Zum anderen gilt es, maßvoll die Ausnahmen für Unternehmen herunterzufahren, die besonders viel Storm benötigen. Denn auffällig ist ja schon, dass die Zahl der Betriebe stetig mehr...

  • Rheinische Post: Kommentar: RWE und die Politik Düsseldorf (ots) - Es dürfte RWE-Chef Peter Terium recht sein, dass die Dimensionen der RWE-Krise genau jetzt bekanntwerden, wo Union und SPD über Energiepolitik verhandeln. Bis zu 20 000 von 70 000 Stellen will (muss!) RWE auf Dauer abbauen. Einen Kahlschlag dieser Größe hat die deutsche Wirtschaft lange nicht gesehen. Zum Teil ist die Krise hausgemacht: Unter Teriums Vorgänger Jürgen Großmann hat RWE wertvolle Jahre verloren. Anstatt nach der Energiewende rasch ein neues Geschäftsmodell zu suchen, gab Großmann den Sturkopf. Zum mehr...

  • Rheinische Post: Zahl der Fernbuslinien hat sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt Düsseldorf (ots) - Die Zahl der Fernbuslinien zwischen deutschen Städten hat sich in knapp einem Jahr mehr als verdoppelt. Seit Jahresbeginn stieg sie von 86 auf 194, das entspricht einem Plus von 125 Prozent, wie aus einer Statistik des Bundesverkehrsministeriums hervorgeht, die der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Donnerstagausgabe) vorliegt. "Mit dem grünen Licht für Fernbusse haben wir Deutschland einen kräftigen Mobilitätsschub gegeben", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) der Zeitung. Die Marktfreigabe mehr...

  • Lifetime geht mutmaßlichen chinesischen Patentverletzungen nach Clearfield, Utah (ots/PRNewswire) - Lifetime Products, ein weltweit führender Anbieter von klappbaren blasgeformten Tischen und Stühlen hat kürzlich Maßnahmen ergriffen, um seine Patentrechte in China gegen die Shaoxing Hongye Leisure Product Co., Ltd. durchzusetzen. Lifetime hat Informationen erhalten, die nahelegen, dass Hongye mutmaßlich Tische und Stühle hergestellt hat, die Funktionen aufweisen, die durch eines oder mehrere chinesische Patente von Lifetime geschützt sind. Das fragliche Patent war Gegenstand eines von mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Wirtschaftsnews

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

DBV löst Berechtigungsscheine von knapp 344 Mio. EUR ein

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht