(Registrieren)

Börsen-Zeitung: Aussterbende Spezies, Kommentar zu Schweizer Privatbankiers von Daniel Zulauf

Geschrieben am 06-02-2013

Frankfurt (ots) - Den Letzten beißen die Hunde. Man kann - und man
sollte vielleicht schon aus purer Nostalgie - bedauern, dass nun auch
die beiden ehrwürdigen Genfer Privatbanken Pictet und Lombard Odier
ihr Rechtskleid wechseln. Die beiden Institute haben gerade gemeinsam
und scheinbar aus heiterem Himmel verkündet, dass sie ihre Rechtsform
als Personengesellschaft Anfang nächsten Jahres aufgeben werden, um
sich in Kommanditaktiengesellschaften zu wandeln. Damit beerdigen sie
das altbewährte Geschäftsmodell, in dem die teilhabenden Bankiers mit
ihrem gesamten Privatvermögen solidarisch für das Unternehmen haften.

Objektiv bedeutet der Wandel zwar einen Verlust, weil er zu einer
weiteren Verengung der ohnehin schon reichlich eintönigen
Angebotspalette der Banken führt. Doch deshalb braucht niemand die
Alarmglocken zu läuten. Die Kundschaft der Genfer Privatbankiers ist
zwar außergewöhnlich gut betucht, aber sie ist gemessen an der Anzahl
klein. Und vor allem: Diese Klientel weiß sich nötigenfalls immer
auch selber zu helfen.

Viel wichtiger und beunruhigend ist hingegen die Botschaft, die
sich hinter der Veränderung in der Genfer Bankenlandschaft verbirgt.
Die Privatbankiers können und wollen für ihre Unternehmen und ihre
Kunden nicht mehr persönlich geradestehen. Natürlich hat dies auch
viel mit den schieren Dimensionen der beiden Banken zu tun.
Zusammengenommen zählen sie weltweit über 5000 Mitarbeiter und die
verwalteten Vermögen belaufen sich auf mehr als 500 Mrd. sfr. Es
versteht sich von selbst, dass die damit verbundenen Risiken schwer
auf den Schultern der wenigen Teilhaber lasten.

Doch dass die Bankiers diese Last gerade jetzt, nach mehr als 200
Jahren loswerden möchten, ist kein Zufall. Nach sechs Jahren Finanz-
und Schuldenkrise schreitet die Regulierung in der internationalen
Finanzwirtschaft mit Siebenmeilenstiefeln voran. Unter dem Eindruck
von Madoff und Lehman entstehen überall neue Anlegerschutzgesetze.
Als ob es eine Selbstverantwortung des Investors gar nicht gäbe,
werden zunehmend Banken in die Haftung genommen. Aber Anlegerschutz
ist politisch opportun, auch wenn er erwiesenermaßen nur für einen
kleinen privilegierten Kreis der Bevölkerung relevant ist.

Mit Fatca und anderen Steuerabkommen haben auch die Staaten
erkannt, dass sich die Verantwortung in der Steuereintreibung auf
Banken überwälzen lässt. Man kann verstehen, dass die Genfer Bankiers
nicht als Letzte von den Hunden gebissen werden wollen.



Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

445550

weitere Artikel:
  • Mittelbayerische Zeitung: Ein Menschenrecht Regensburg (ots) - Von Reinhold Willfurth Bei der Frage, ob ein Mann auch ein guter Vater ist, spielt die "Stimme des Blutes" eine untergeordnete Rolle. Eine Familie kann sehr gut ohne leiblichen Vater funktionieren, oder auch mit zwei Vätern, oder mit zwei Müttern. Bei vielen "Spenderkindern" aber kommt irgendwann die Frage nach ihren genetischen Wurzeln auf. Die Antwort darauf ist ein Menschenrecht, das über den Persönlichkeitsrechten des Samenspenders steht. Eigentlich hat diese Einsicht seit 24 Jahren Verfassungsrang. Die mehr...

  • Stork Technical Services und Al-Rashed Group for Projects unterzeichnen Vertrag über die Expansion ihres Angebots in Kuwait Utrecht, Niederlande (ots/PRNewswire) - Stork Technical Services, ein globaler Anbieter von wissensbasiertem Asset Integrity Management und die Al-Rashed Group for Projects Holding Co. KSCC, ein bedeutender Akteur in der Öl- & Gasindustrie, der Versorgungswirtschaft, im Infrastruktursektor sowie in der Energieübertragung und -verteilung, freuen sich über die Unterzeichnung eines Vertrags am 5. Februar 2013 zur Formalisierung ihrer Partnerschaft. Im Rahmen der Vereinbarung übernimmt Stork Technical Services 49 Prozent der Anteile mehr...

  • Neue OZ: Kommentar zu Meyer Werft / Sparmaßnahmen Osnabrück (ots) - Unbezahlbarer Vorteil Zwanzig Minuten pro Tag sollen die Beschäftigten der Papenburger Meyer Werft künftig unbezahlt länger arbeiten, um den Bau der riesigen Kreuzfahrtschiffe billiger zu machen. Am Jahresende summiert sich diese Mehrarbeit auf stattliche zehn Millionen Euro. Die Geschäftsführung nennt diesen Einschnitt "Mitarbeiterbeitrag". Und was ist mit dem Chef? Angesichts der Zugeständnisse, die den Beschäftigten abgefordert worden sind, drängt sich diese Frage auf. Welchen Beitrag leistet die Firmenspitze mehr...

  • Die 113. Canton Fair: "Großartige Chancen für aufstrebende Märkte" Guangzhou, China (ots/PRNewswire) - Die Canton Fair, Chinas renommierteste Fachmesse, die einen Überblick über den chinesischen Markt bietet, erweist sich für Einkäufer und Verkäufer aus den Schwellenländern als zunehmend wichtig. Die 113. Messe öffnet am 15. April, und Geschäftsleute weltweit, vor allem aber aus den Schwellenländern in Lateinamerika, Asien und Afrika, rüsten sich dafür, auf den Erfolg der letztjährigen Veranstaltung aufzubauen, als der Handel in diesem Bereich förmlich gedieh. Im Herbst letzten Jahres waren mehr...

  • WAZ: Hochtief droht nun doch die Zerschlagung Essen (ots) - Nach der Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS droht der Essener Hochtief AG nun womöglich doch die Zerschlagung. Nach Informationen der Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Donnerstagausgaben) aus dem Unternehmensumfeld denkt der neue Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes an den Verkauf von Geschäftsbereichen mit 6200 Mitarbeitern. Betroffen von den Überlegungen wären die Servicesparte innerhalb der Hochtief Solutions AG mit 6000 Beschäftigten und das Geschäft mit der Projektentwicklung mit 200 Angestellten. Hochtief mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Wirtschaftsnews

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

DBV löst Berechtigungsscheine von knapp 344 Mio. EUR ein

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht