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BERLINER MORGENPOST: Hertha steht als größter Verlierer da - Leitartikel

Geschrieben am 18-12-2011

Berlin (ots) - Klaus Wowereit hat dieser Stadt mal einen
Werbespruch verpasst, den sie wohl nie wieder loswird: arm, aber
sexy. Wir haben nicht viel, sehen aber gut aus. Und deswegen kommen
die Menschen gerne und zahlreich zu uns. Lass München schick sein.
Hamburg sauber. Köln lustig. Aber wenn du wirklich etwas erleben und
angesagt sein willst, dann komm nach Berlin. Markus Babbel hat dieses
Gefühl wohl nie so recht teilen können. Obwohl er als Trainer von
Hertha BSC eines der größten Aushängeschilder dieser Stadt war, wurde
er mit ihr nie richtig warm. Er lebte im Hotel, verbrachte die freien
Tage bei der Familie in München und sprach in einem Interview sogar
mal recht abfällig über den Berliner an sich. Eher laut sei er und
außerdem noch zum Größenwahn neigend. Aber tatsächlich etwas tun, das
würde der Berliner eher selten. Am Sonntag hat Hertha etwas getan:
Babbel entlassen. Die Entscheidung war dringend nötig. Gar nicht aus
sportlicher Sicht - Babbel ist mit Hertha aufgestiegen und hat den
Klub nach der halben Saison im gesicherten Mittelfeld der Bundesliga
etabliert. Viel mehr kann von einem Trainer nicht erwartet werden.
Dennoch kam es zu einem der schmutzigsten Rosenkriege der
Bundesligageschichte. Weil Babbel nicht länger als zwei Jahre in
Berlin bleiben wollte. Ob er diese Entscheidung Manager Michael
Preetz rechtzeitig mitgeteilt hat, darüber sind die beiden Männer in
Streit geraten. So persönlich, so öffentlich, dass es einem die
Fremdschamesröte ins Gesicht treibt. Die Frage, wer von beiden in der
peinlichen Posse nun gelogen und wer die Wahrheit gesagt hat, ist
längst nicht mehr wichtig. Denn gelitten haben am Ende alle. Babbel
hat keinen Job, Preetz keinen Trainer mehr. Dafür ist der Ruf von
beiden nun äußerst angekratzt. Der größte Verlierer ist dennoch ein
anderer: Hertha. Der Verein konnte über viele Jahre nicht vom
Imagewandel Berlins von einer subventionierten Schmuddelstadt zur
Weltmetropole profitieren. Berlin wurde hip, Hertha blieb piefig. Wer
herzog, brachte seinen Verein im Herzen mit. Es ist im Zentrum der
Stadt oft leichter, eine Bremen- oder Köln-Kneipe zu finden, als
eine, die Herthas Spiele live auf der Leinwand zeigt. Dies hat sich
in der jüngeren Vergangenheit durchaus geändert. Die Verantwortlichen
erkannten den Abstieg im Sommer 2010 als Chance. Vorbei sein sollte
es mit der Großmannssucht und dem monarchischen Führungsstil der Ära
Dieter Hoeneß. Bescheidenheit zog ein beim Schuldenklub, und die
Berliner goutierten es. Hertha feierte Zuschauerrekorde, die
Gefühlslage war so positiv, dass selbst die altehrwürdige "New York
Times" in einer ausführlichen Reportage über die Aufbruchstimmung
rund um Hertha berichtete. Und jetzt? Nun muss konstatiert werden,
dass auch Preetz in zweieinhalbjähriger Amtszeit schon den dritten
Trainer gefeuert hat. Eine Politik der ruhigen Hand ist das nicht.
Was noch schwerer wiegt: Die so mühsam aufgebaute Reputation ist erst
mal dahin. Fußball-Deutschland schüttelt den Kopf über Hertha BSC,
den ewigen Chaosklub mit seinem Schmierentheater. Hertha im Dezember
2011: arm und unsexy.



Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST
Chef vom Dienst
Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de


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