(Registrieren)

Börsen-Zeitung: Kein Spaziergang, Kommentar zur Staatsschuldenkrise von Detlef Fechtner

Geschrieben am 05-12-2011

Frankfurt (ots) - Angela Merkel und Nicolas Sarkozy demonstrieren
Einigkeit und - das Wort fiel häufig - Entschlossenheit. Das ist
positiv und keine Selbstverständlichkeit. Merkel und Sarkozy wollen
beim EU-Gipfel unbedingt ein vorzeigbares Ergebnis. Sie haben sich -
auch das ist zumindest im Grundsatz positiv - dafür in einigen
Punkten aufeinander zubewegt, die sie wohl jeweils nicht als
spielentscheidend ansehen. Merkel signalisiert eine weniger harte
Linie bei den Formulierungen für die private Gläubigerbeteiligung und
die Anrufung des EU-Gerichtshofs. Sarkozy lehnt Euroland-Bonds ab und
wehrt sich nicht gegen mehr Automatismus. Dem Duo ist es auf diese
Weise gelungen, die Hoffnungen auf eine Wende in der Schuldenkrise zu
bewahren.

Viel mehr ist die Ansage vom Wochenbeginn allerdings noch nicht
wert. Denn es bleibt zunächst einmal ein bloßer Hoffnungswert, ob am
Freitag tatsächlich ein Ergebnis gelingt - und ob sich dieses
Resultat als robust genug erweist, wenn es konkretisiert wird und
sich in der Praxis bewähren muss. Wie genau sieht eine Entschärfung
der Gläubigerbeteiligung letztlich aus? Wird sich Euroland wirklich
trauen, auch Frankreich bei unsolider Haushaltsplanung in die Parade
zu fahren? Worüber sollen EU-Richter entscheiden und worüber nicht?
Wie will das Duo die Vorbehalte von EU-Partnern gegen eine begrenzte
EU-Vertragsänderung zerstreuen? Viele Fragen, viele Zweifel. Die
Skepsis wird durch die Erfahrungen des bisherigen Krisenmanagements
und seinen Pannen noch verstärkt.

Allerdings: Das Umfeld hat sich verändert. Zum einen kommt es
manchen Investoren wohl gar nicht so sehr auf die Inhalte der
Gipfel-Ergebnisse an, sondern auf das politische Signal. Ein Kalkül
dabei ist, dass die Rückendeckung der EZB größer werden könnte, je
strenger sich die Euro-Staaten gegenseitig in die Pflicht nehmen.

Zum anderen ist die Haushaltsdisziplin unter dem Druck der Märkte
und Euro-Partner gestiegen. Die Regierungschefs in Italien und Irland
haben gestern bemerkenswerte Erklärungen abgegeben. Vor diesem
Hintergrund klingt die geplante Verschärfung der Euro-Spielregeln
erfolgversprechender als früher. Interessanterweise wird sogar der
Vorstoß von Merkel und Sarkozy nicht mehr als Vorpreschen kritisiert,
sondern als ein Schritt hin zu einem hoffentlich erfolgreichen
EU-Gipfel gewürdigt - anders als bei der Strandpromenade vor einem
Jahr in Deauville. Aber ohnehin werden die nächsten Tage für Merkel
und Sarkozy kein Spaziergang.



Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

367275

weitere Artikel:
  • Lausitzer Rundschau: Zum geplanten Schuldenschnitt der Commerzbank Cottbus (ots) - Jede Million zählt. Bei der Commerzbank dürfen es auch ein paar mehr sein. Dass sie sich am gestrigen Montag zu den schon vermuteten Rückkäufen einst selbst ausgegebener Wertpapiere entschlossen hat, ist richtig und notwendig, gleichwohl ein Zeichen großer Schwäche. Diese Papiere waren so bilanziert, wie ein ordentlicher Kaufmann das macht: mit der Pflicht, sie zu 100Prozent zurückzuzahlen. Die Märkte haben der Commerzbank das aber nicht mehr zugetraut und die Papiere im Schnitt um die Hälfte fallen lassen. mehr...

  • Neue OZ: Kommentar zu Soziales / Statistik Osnabrück (ots) - Den Trend stoppen Amerikanische Verhältnisse in Deutschland? Auch hierzulande wächst die Kluft zwischen Arm und Reich. Zählte Deutschland noch in den 1990er-Jahren zu den Staaten mit eher ausgeglichenen Einkommensverhältnissen, so belegt die Bundesrepublik im aktuellen OECD-Vergleich nur noch einen mittleren Platz. Der Abstand zu den USA, die ganz unten auf der Rangliste stehen, hat sich deutlich verringert. Dieser Trend muss gestoppt werden. Denn er belegt einen besorgniserregenden Wandel: Leih- und Teilzeitarbeit, mehr...

  • Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Euro-Schicksalswoche Bielefeld (ots) - Gestern war kein normaler Montag. Es war der Auftakt zu einer Schicksalswoche. Europa und der Euro erleben entscheidende Tage. Und nebenbei werden diese Tage auch über das Schicksal einiger Politiker entscheiden, insbesondere über Bundeskanzlerin Angela Merkel und über den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Die Regierungschefs an der Spree und an der Seine haben eine bemerkenswerte Vorlage für den EU-Gipfel geliefert, der am Ende dieser Schicksalswoche in Brüssel stattfinden wird. Das lässt hoffen, mehr...

  • Efox-shop gibt die Jährliche Umsatzsteigerung um 1700 % bekannt Shenzhen, China (ots/PRNewswire) - Efox-shop.com [http://www.efox-shop.com ], von Aukey E-business Co. Ltd. ist eine grosse, breitgefächerte, deutsche B2C Online-Einkaufsplattform mit 13 Produktkategorien und mehr als 200.000 Artikeln über Tablet PCs, massgeschneiderter Hochzeitsmode, Handys, Fotozubehör, RC-Modelle, DVD-Player und andere chinesischer Elektronikprodukte. Mit mehr als 2.500 Aufträgen täglich halten die Hauptseite von Efox-shop und die Schwesterseiten BESTTABLETPC.de [http://www.besttabletpc.de ], die auf Tablet PCs mehr...

  • CREALOGIX präsentiert an der FinovateEurope 2012 Zurich (ots/PRNewswire) - CREALOGIX ist erfreut über die Wahl zur Teilnahme an der FinovateEurope 2012 am 7. Februar 2012, die das Ergebnis eines strengen Bewertungsverfahrens ist. Als das einzige ausgewählte Schweizer Unternehmen, wird CREALOGIX die neuste Generation GUI (grafische Benutzerschnittstelle) für die CLX.E-Banking Software Suite vorstellen. Das neue GUI wartet mit aktuellen und innovativen Funktionen auf und ist für mehrere Endgeräte (PC, iPad, Mobile) geeignet. Damit wird die Benutzung des E-Banking zum Kundenerlebnis. mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Wirtschaftsnews

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

DBV löst Berechtigungsscheine von knapp 344 Mio. EUR ein

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht