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Westdeutsche Zeitung: Der Atomausstieg und seine Folgen für die Energiekonzerne = Von Lothar Leuschen

Geschrieben am 10-08-2011

Düsseldorf (ots) - Einerseits erwartet Eon einen Gewinn von mehr
als zwei Milliarden Euro, verspricht jedem Anleger einen Euro
Dividende pro Aktie. Andererseits will der Energiekonzern
mittelfristig 11 000 Stellen abbauen, viele davon in Deutschland. Da
zeigt der Kapitalismus wieder seine hässliche Fratze. Die Aktionäre
sahnen ab, die Beschäftigten verlieren ihre Arbeit. So sieht das aus.
Aber nur auf den ersten Blick.

Die plumpe Kapitalismuskritik ist im Fall Eon ebenso
eindimensional wie unangebracht. Sie vermischt die Blickrichtungen.
Während der Gewinn das Zeugnis für geleistete Arbeit ist, bezeichnet
der Stellenabbau, was in der näheren Zukunft auf ein Unternehmen
zukommt. Und über Eon ziehen sich dunkle Wolken zusammen. Die Zeit
der Gelddruckmaschinen geht zu Ende. Eon hat im Zuge der
Energiekehrtwende von Angela Merkel bereits Kernkraftwerke abschalten
müssen, wird aber trotzdem für die Brennelementesteuer zur Kasse
gebeten.

Dafür können weder der Vorstand etwas noch die 85 000 Mitarbeiter.
Sie sind Opfer der Sprunghaftigkeit einer Regierung, die zuerst
Laufzeitverlängerungen für AKW verspricht und dann Hals über Kopf aus
der Kernenergie aussteigt - mit sehr gutem Grund, wohlgemerkt. Doch
dafür können sich die deutschen Energiekonzerne nichts kaufen. Sie
sind vielmehr doppelt gebeutelt. Einerseits wird ihnen die wichtigste
Geschäftsgrundlage entzogen. Andererseits droht Konkurrenz aus dem
Osten. Der russische Konzern Gazprom drängt auf den deutschen Markt.
Und Eon, RWE, EnBW sowie Vattenfall hocken wie die Kaninchen vor der
Schlange.

Ganz schuldlos sind die deutschen Energieriesen freilich nicht an
ihrer misslichen Situation. Zwar kam der Atomausstieg gleichsam mit
Überschallgeschwindigkeit. Aber dass die Ära von Atom und Kohle in
absehbarer Zeit zu Ende gehen würde, war längst kein Geheimnis mehr.
Doch die Konzerne haben es ignoriert. Sie setzten weiter auf
sterbende Technik, statt neue zu entwickeln.

Nun verlieren sie an allen Fronten. "Dann eben Wind statt Atom"
funktioniert nicht mehr unbedingt, weil immer mehr Kommunen auf die
Idee kommen, mit eigenen Stadtwerken eigenen Strom zu erzeugen.



Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de


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