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Börsen-Zeitung: US-Geldpolitik birgt Risiken, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

Geschrieben am 29-04-2011

Frankfurt (ots) - Mit immer mehr Nachdruck fordern die mit hohen
Inflationsraten kämpfenden Schwellenländer die Industrienationen,
allen voran die USA, auf, endlich ihre ultralockere Geldpolitik zu
beenden. Sie werden sich noch eine Weile gedulden müssen, denn die
amerikanische Zentralbank hat sich auch in der jüngsten Sitzung des
Offenmarktausschusses nicht dazu durchgerungen, die längst
überfällige Normalisierung zu signalisieren, geschweige denn
einzuleiten. Zwar wird das Anleihekaufprogramm im Juni auslaufen,
sodass sich die Bilanz der Notenbank nicht mehr ausweiten wird.
Chairman Ben Bernanke hat jedoch klargestellt, dass die Fed die durch
auslaufende Anleihen ihres Bestands frei werdende Liquidität in
Anleihen reinvestieren wird, weil eine Beendigung der Reinvestitionen
einem Anziehen der monetären Zügel gleichkäme.

Das erlaubt nur zwei mögliche Schlussfolgerungen. Entweder fehlt
den amerikanischen Währungshütern der Mut, den überfälligen Wechsel
schneller einzuleiten, weil sie befürchten, als Sündenbock herhalten
zu müssen, wenn die US-Konjunktur neue Probleme bekommen sollte, oder
aber sie halten die amerikanische Wirtschaft tatsächlich immer noch
nicht für so sattelfest, dass sie die Wende schon verkraften könnte.

An den Märkten wurden die Ankündigungen der Fed umgehend
umgesetzt. Die Aussicht, dass die niedrigen Zinsen und üppige
Liquidität in absehbarer Zeit erhalten bleiben werden, verstärkte den
Auftrieb an den Aktienmärkten, die derzeit auch von der erneut die
Erwartungen übertreffenden Berichtssaison beflügelt werden. Der Dax
hat dabei erstmals seit dem Januar 2008 Höhen von mehr als 7500
erreicht.

Giftige Kombination

Andere Marktbewegungen zeigen jedoch die Risiken der ultralockeren
Geldpolitik an. Der Goldpreis schoss nach der Fed-Tagung in die Höhe
und erreichte zum Ende der abgelaufenen Woche einen Rekord von 1545
Dollar. Aus Angst vor einer sich weiter verstärkenden Geldentwertung
flüchten Anleger in die vermeintlich sicheren Edelmetalle. Ein klares
Misstrauensvotum sind auch die erneuten heftigen Kurseinbußen des
Greenback, für den die Kombination aus ultralockerer Geldpolitik und
ausufernder Staatsverschuldung der USA, deren Triple-A-Rating auf die
Watchlist gesetzt worden ist, reines Gift ist. Das ist ein klares
Zeichen für die amerikanischen Währungshüter, dass die Zeit gekommen
ist, sich weniger vor den Risiken einer geldpolitischen
Normalisierung zu fürchten als vor den Risiken eines zu lange
anhaltenden ultralockeren Kurses.

Wohin überbordende Liquidität und niedrigste Zinsen führen können,
hat gerade die zurückliegende Subprime- und Lehman-Krise gezeigt. Sie
hat vor Augen geführt, dass eine Politik des leichten Geldes massive
Fehlanreize setzen und die Bildung von Blasen fördern kann, die
letztlich platzen müssen. Dass dies auch jetzt geschieht, belegt die
Tatsache, dass erneut fast alle Asset-Klassen gleichzeitig steigen
bzw. hohe Bewertungen aufweisen. Die nächste Krise ist damit nur noch
eine Frage der Zeit.

Schäden bereits sichtbar

Schäden dieser Politik sind bereits jetzt sichtbar. So verstärkt
sie den Anstieg der Rohstoffpreise und damit die
Nahrungsmittelinflation, die zu den Unruhen in den arabischen Ländern
beiträgt und auch in anderen Regionen der Welt die soziale Stabilität
gefährdet. Darüber hinaus führt sie zu einer erheblichen
Beeinträchtigung der Anlagemöglichkeiten. Lebensversicherungen haben
aufgrund der niedrigen Renditen, die sie in den sicheren Segmenten
der Anleihemärkte erzielen können, immer größere Schwierigkeiten,
ihre langfristigen Verbindlichkeiten abzudecken. Anleger wiederum
können mit sicheren Investments wie Lebensversicherungen oder
Staatsanleihen kaum Renditen erwirtschaften, mit denen sich die im
Alter drohenden Versorgungslücken schließen ließen.

Gleichzeitig sind Ausweichmöglichkeiten kaum zu finden. Aktien
haben das Problem, dass nicht zuletzt aufgrund niedriger Zinsen und
üppiger Liquidität die Schwankungen so stark geworden sind, dass ihre
Tauglichkeit für den langfristigen Vermögensaufbau leidet. Zur
erhöhten Volatilität gesellt sich zu allem Überfluss die hohe
Korrelation von Assets wie z.B. Aktien und Rohstoffen, die früher
eine geringe Korrelation aufwiesen. Wenn unterschiedliche
Asset-Klassen gleichzeitig entweder haussieren oder absacken, werden
damit auch die Möglichkeiten eingeschränkt, durch Diversifizierung
Anlagerisiken zu minimieren.



Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


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