(Registrieren)

Börsen-Zeitung: Drei Gründe für fallende Kurse, Börsenkommentar "Marktplatz" von Thorsten Kramer

Geschrieben am 30-04-2010

Frankfurt (ots) - Sell in May and go away: Angesichts der Risiken,
die Anleger mit der Schuldenkrise in Griechenland verbinden, ist es
durchaus wahrscheinlich, dass viele Investoren dieser alten Weisheit
folgen und ihre Aktienpositionen nun erst einmal abbauen. Die Frage
ist, ob sie damit richtig liegen oder ob sie damit Renditechancen
verschenken.

Richtig ist, dass der Monat Mai historisch gesehen zu den
schwächsten Börsenmonaten zählt. Der Dax fiel im Mai, zurückgerechnet
bis 1965, um durchschnittlich 0,2%. Nur im September ist die
durchschnittliche Entwicklung mit minus 2,1% noch schlechter. Richtig
ist aber auch, dass der Ratschlag, sich im Mai von der Börse
zurückzuziehen, in jüngerer Vergangenheit seine Gültigkeit verloren
hat. Denn in den Jahren seit 1990 setzte der Dax im Mai und Juni
häufig die im Frühjahr begonnene Aufwärtsbewegung fort, eine
Konsolidierung setzte erst Ende Juli, Anfang August ein.
Aktienstrategen sind daher hin und her gerissen. Für
sicherheitsorientierte Anleger dürfte es aber die richtige
Entscheidung sein, zunächst Gewinne abzusichern, denn wie eine
Analyse der Helaba zeigt, ist es Investoren in der Historie mit der
Sell-in-May-Strategie gelungen, mitunter hohe Verluste zu vermeiden.

Für eine bevorstehende Konsolidierung der Aktienmärkte spricht in
erster Linie die Verunsicherung, die die Schuldenkrise der Griechen
hervorruft. Marktteilnehmer fürchten, dass nun weitere Länder wie
Portugal, Spanien und Italien ebenfalls zunehmend in Schwierigkeiten
geraten. Auf die stärkeren Länder der Europäischen Währungsunion
kommt derweil die Aufgabe zu, Milliardenhilfen bereitzustellen.
Allein Deutschland als Land mit der größten Wirtschaftskraft in der
Eurozone wird zu dem Hilfspaket, an dem sich auch der Internationale
Währungsfonds beteiligen wird, bis 2012 wahrscheinlich rund 25 Mrd.
Euro beisteuern. Dabei steht allerdings zu befürchten, dass die
Griechen noch länger Unterstützung benötigen, wenn es ihnen nicht
gelingt, ihre Sparmaßnahmen wie beabsichtigt durchzusetzen. Auch dies
trägt zur Verunsicherung bei. Das Thema Schuldenkrise dürfte die
Aktienkurse deshalb noch lange Zeit belasten, auch wenn das
Hilfsprogramm für Griechenland - wie beabsichtigt - bis zum 10. Mai
steht.

Für sinkende Notierungen an den Aktienmärkten spricht auch, dass
die Berichtssaison zum ersten Quartal allmählich auf das Ende
zusteuert. In der neuen Handelswoche legen zwar in Deutschland allein
zehn Dax-Konzerne Geschäftszahlen vor, danach wird der Finanzkalender
auf Unternehmensseite aber dünner. Bislang fallen sowohl jenseits als
auch diesseits des Atlantiks die Geschäftsberichte mehrheitlich
unerwartet positiv aus. Zudem bildet sich der erhoffte Trend aus, in
dem Unternehmen ihre Prognosen hochschrauben. Gleichwohl ist nun
bereits viel Positives in die Kurse eingepreist, sodass die
Aktienmärkte von dieser Seite nicht mehr allzu starke Unterstützung
erfahren dürften.

Hinzu kommt, dass Marktanalysten auch von Konjunkturseite
allmählich nachlassende Impulse erwarten. Mit dem Anstieg der
Stimmungsindikatoren zogen die Aktienindizes bereits kräftig an, nun
haben diese viel beachteten Barometer, zu denen der ISM Index in den
USA und das Ifo-Geschäftsklima in Deutschland zählen, aber ein Niveau
erreicht, das kaum noch Luft nach oben lässt. Zudem müssen die nun
zur Veröffentlichung anstehenden wirtschaftlichen Realdaten die
bestehenden Konjunkturhoffnungen aufs Neue bestätigen. Investoren
blicken dabei unter anderem auf den Auftragseingang und die
Industrieproduktion in Deutschland. Hohe Bedeutung haben zudem die
Daten zu den Konsumentenausgaben in den USA sowie der monatliche
Arbeitsmarktbericht.

Mittel- bis langfristig, so betonen viele Banken, bleiben die
Perspektiven für die Aktienmärkte indes recht positiv. Dies liege zu
einem großen Teil an den positiven Gewinnperspektiven der
Unternehmen, die offenbar nicht unter der Griechenland-Krise leiden.
Optimistische Adressen wie die Commerzbank und die DZ Bank
prognostizieren in Richtung Jahresende deutlich steigende Kurse.
Daher könnte es lohnenswert sein, sich im Mai nicht von der Börse
zurückzuziehen, sondern die fallenden Kurse zu nutzen, um sich auf
diesem Niveau zu positionieren.

(Börsen-Zeitung, 1.5.2010)

Originaltext: Börsen-Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de


Kontaktinformationen:

Leider liegen uns zu diesem Artikel keine separaten Kontaktinformationen gespeichert vor.
Am Ende der Pressemitteilung finden Sie meist die Kontaktdaten des Verfassers.

Neu! Bewerten Sie unsere Artikel in der rechten Navigationsleiste und finden
Sie außerdem den meist aufgerufenen Artikel in dieser Rubrik.

Sie suche nach weiteren Pressenachrichten?
Mehr zu diesem Thema finden Sie auf folgender Übersichtsseite. Desweiteren finden Sie dort auch Nachrichten aus anderen Genres.

http://www.bankkaufmann.com/topics.html

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail unter der Adresse: info@bankkaufmann.com.

@-symbol Internet Media UG (haftungsbeschränkt)
Schulstr. 18
D-91245 Simmelsdorf

E-Mail: media(at)at-symbol.de

265878

weitere Artikel:
  • WAZ: Kein deutsches Wunder - Kommnetar von Christopher Shepherd Essen (ots) - Wenn Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle angesichts der wider Erwarten ordentlichen Arbeitslosenzahlen in Deutschland von einem "Jobwunder" spricht, mag man ihm das nachsehen. Schließlich muss er von Amts wegen für ein möglichst gutes Wirtschaftsklima sorgen - nach außen getragene Euphorie gehört dazu. Allerdings ist die Entwicklung in Deutschland so wundersam nicht: Die Kurzarbeit, die es in anderen Euro-Ländern in dieser Form nicht gibt, hat maßgeblich zur Situation beigetragen. Daneben profitiert die Export-Großmacht mehr...

  • Ketel One(R) Wodka führt Ketel One Oranje(TM) ein New York, April 30, 2010 (ots/PRNewswire) - Ketel One(R) Wodka stellt Ketel One Oranje(TM) vor, das neueste Super-Premium-Produkt, dass zur Angebotspalette von Ketel One hinzugekommen ist. Die Markteinführung fällt zusammen mit dem Königinnentag, einem nationalen Feiertag in den Niederlanden, an dem der offizielle Geburtstag der Königin öffentlich gefeiert wird. Die Farbe Orange ist dann überall zu sehen, da sie den Namen der königlichen Familie repräsentiert -Die Familie Nassau, Haus von Oranien (franz. Orange, holl. Oranje). Mit der Produkteinführung mehr...

  • Volta entdeckt beträchtliche Goldanomalien auf seinem Goldprojekt Titao im westafrikanischen Burkina Faso Toronto, April 30, 2010 (ots/PRNewswire) - Volta Resources Inc. ("Volta" oder das "Unternehmen") gibt bekannt, dass das Unternehmen zahlreiche Goldanomalien auf seinem Projekt Titao im Nordwesten Burkina Fasos (Westafrika) entdeckt habe. Dies ging aus einem geochemischen Erkundungsbohrprogramm mit einem Gesamtumfang von 874 Bohrlöchern (8.249 Bohrmeter) hervor, das kürzlich auf dem 100-prozentigen Unternehmensgrundstück mithilfe eines Steinbohrers durchgeführt wurde (siehe Abbildung 1). Im Rahmen dieses Programms wurden beträchtliche Goldanomalien mehr...

  • Hogan & Hartson und Lovells schließen sich zu Hogan Lovells zusammen Frankfurt am Main (ots) - Der erste "merger of equals" von zwei Top 30 Sozietäten tritt heute mit dem Zusammenschluss von Hogan & Hartson LLP und Lovells LLP in Kraft. Hogan Lovells ist mit über 2.500 Anwälten an mehr als 40 Standorten in den USA, Europa, Asien, dem Nahen Osten und Lateinamerika vertreten. Der Zusammenschluss wird von beiden Sozietäten als großer Schritt nach vorn angesehen, um auf den wachsenden Bedarf multinationaler Mandanten an hochkarätiger Rechtsberatung bei komplexen grenzüberschreitenden Transaktionen, Rechtstreitigkeiten mehr...

  • Studie von Roland-Berger Strategy Consultants und TNS Infratest: Hohes Kundeninteresse an Elektrofahrzeugen, aber noch großer Handlungs- und Innovationsbedarf bei der Automobilindustrie München (ots) - - Umfrage zur Akzeptanz von Elektromobilität unter 500 Automobilkunden in Deutschland und Frankreich - 37% der Kernzielgruppe für Elektrofahrzeuge erwägen den Kauf eines solchen Fahrzeugs, die Hälfte der Befragten würde dafür sogar einen Mehrpreis bis zu 4.000 Euro akzeptieren - Das reicht aber immer noch nicht aus, um die Mehrkosten der Batterie zu decken - Nötig sind daher Mobilitätspakete und -dienstleistungen wie etwa eine Mobilitäts-Flat-Fee, Ansätze zur Restwertsteigerung sowie mehr...

Mehr zu dem Thema Aktuelle Wirtschaftsnews

Der meistgelesene Artikel zu dem Thema:

DBV löst Berechtigungsscheine von knapp 344 Mio. EUR ein

durchschnittliche Punktzahl: 0
Stimmen: 0

Bitte nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit, diesen Artikel zu bewerten:

Exzellent
Sehr gut
gut
normal
schlecht